Mittwoch, 2. April 2014

Rezension: Erlösung - Der dritte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q (Jussi Adler-Olsen)

dtv
Taschenbuch, 592 Seiten
ISBN: 978-3-423-21493-3
9,95 €
dtv premium, 592 Seiten
ISBN: 978-3-423-24852-5
14,90 €


Ein kurzer Einblick

1996 geht eine Flaschenpost auf Reisen. Der Inhalt: Ein mit Blut geschriebener Hilferuf! Erst 2002 wird die Flasche vor Schottland aus dem Meer gefischt, doch statt die Ermittlungen sofort aufzunehmen, fristet die Flasche jahrelang ein vergessenes Dasein auf einer Fensterbank der Polizeiwache in der Küstenstadt Wick. Rein zufällig fällt sie einer EDV-Expertin ins Auge und das verblasste Schriftstück gelangt schlussendlich ins Sonderdezernat Q nach Kopenhagen. Carl Mørck, Assad und Rose müssen nun in mühseliger Kleinstarbeit dessen Rätsel lösen.

Bewertung

Wie bei den ersten beiden Bänden ist man auch in „Erlösung“ durch den Prolog sofort mitten im spannenden Geschehen involviert. Und auch hier lässt Adler-Olsen den Leser zwischen den verschiedenen Zeiten hin- und herspringen, so dass man sehr gut sowohl die Gedanken und Beweggründe des Täters, als auch die Arbeit von Mørck und seinem Team verfolgen kann.
Auch in anderer Hinsicht bleibt sich der Autor treu: Schnell ist klar, wer der Täter ist. Der Leser wird wieder an der Ursachenfindung beteiligt, warum ein Mensch fähig wird, solche Taten zu begehen. Durch die komplexe Darstellung seiner Jugendzeit fiel es mir nicht schwer, mich in den Täter hineinzuversetzen. Aufgrund der Ereignisse – u.a. mit seiner kleinen Familie – wird aber auch dafür gesorgt, dass man am Ende kein Mitgefühl für ihn empfindet und die Gut-Böse-Konstellation erhalten bleibt.
Dieser „Gefühlsachterbahn“ war ich auch mit Mørcks Assistenten Assad und Rose ausgesetzt. Während es bei Mørck selbst keine große Weiterentwicklung der Figur gibt, findet man diese bei den anderen beiden umso mehr vor: Assad wird immer mehr als mysteriös und geheimniskrämerisch dargestellt, so dass man sich unweigerlich fragt, welchen Weg Adler-Olsen mit ihm noch gehen wird. Währenddessen hat sich Rose nach einem Streit mit Mørck einfach krank gemeldet und lässt sich während ihrer Abwesenheit von ihrer Zwillingsschwester vertreten. Damit konnte ich mich lange Zeit nicht arrangieren. Zum einen ist Yrsa Knudsen das völlige Gegenteil ihrer Schwester und passt meiner Meinung nach mit ihrer Art so überhaupt nicht zu Mørck und Assad. Zum anderen ist sie nicht im Präsidium angestellt und hat somit dort nichts verloren, selbst wenn man keine anderweitige Vertretung finden kann und unter chronischer Unterbesetzung leidet. Schließlich wird es bei der Kopenhagener Polizei doch sicherlich auch sowas wie Geheimhaltungspflicht geben? Die Auflösung, was es mit Yrsa und Rose schlussendlich auf sich hat, ist jedoch mehr als interessant und wird hoffentlich in den weiteren Bänden noch ausgebaut.
Nach dem Ausflug in die Gesellschaft der „Reichen und Schönen“ im zweiten Band „Schändung“ lässt Adler-Olsen den Leser diesmal einen Blick in die Gesellschaft religiöser Sekten werfen, die sich gegenüber der Außenwelt vollkommen abschotten und alles verteufeln, was damit zu tun hat. Mehr soll hierüber an dieser Stelle nicht verraten werden, dem Leser sei aber versichert, dass er sich auf einen spannenden wie gesellschaftskritischen Roman freuen kann.
Sehr unterhaltsam ist auch die interaktive Landkarte zu diesem Band, die man sich im Internet ansehen kann. Hier findet man nicht nur die einzelnen Schauplätze auf einer Karte, Adler-Olsen erklärt auch in kurzen Videointerviews interessante Details zu jedem einzelnen.

Fazit

Ein kraftvoller Pageturner, der wie die ersten beiden Bände nach einem spannenden (und an manchen Stellen zu dick aufgetragenen) Finale mit leisen Tönen endet und Lust auf den nächsten Band macht.

4,5 von 5 Punkten

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