Donnerstag, 24. April 2014

Rezension: Die Romantiker (Barbara Gowdy)

Diana Verlag
Taschenbuch, 347 Seiten
ISBN: 978-3453350168
8,95 €

Ein kurzer Einblick

Louise Kirk ist gerade einmal neun Jahre alt, als ihre Mutter völlig unerwartet die Familie verlässt und nicht mehr aufzufinden ist. Louise arrangiert sich damit und sucht in ihrer Nachbarin Mrs. Richter eine Ersatzmutter. Ebenso lernt sie deren Adoptivsohn Abel kennen, mit dem sie sich in ihrem Außenseiterdasein einrichtet. Sie treffen sich im Wald und einer Hölle, erkunden die Tierwelt und Abel nimmt Louise auch zu den Richters nach Hause mit, wo sie endlich Mrs. Richter richtig kennen lernen kann. Mit der Zeit entwickelt sich aus kindlicher Freundschaft tiefe Liebe, doch dann planen die Richters plötzlich wegzuziehen…

Bewertung

Barbara Gowdy gelingt mit „Die Romantiker“ eine spannende, einfühlsame Liebesgeschichte, in die man so richtig schön eintauchen kann und durch die man alles andere um einen herum vergisst. Insbesondere zu Beginn packt den Leser die Handlung enorm, man fiebert mit den Figuren mit und muss unbedingt erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Dies wird durch den etwas verwirrenden Aufbau des Buches gefördert, da der Plot nicht chronologisch erzählt wird, sondern immer wieder zwischen den Geschehnissen, als Louise und Abel noch Kinder waren, und denen im Erwachsenenalter gewechselt wird. Allerdings verlor ich irgendwann ein wenig den Kontakt zu den Charakteren, die Geschichte berührte mich nicht mehr so stark wie noch am Anfang. Man erhält sehr schnell das Gefühl, die Liebe zwischen Louise und Abel kann kein gutes Ende nehmen, und dann erfährt man auch noch durch Vorblenden im Grunde genommen schon das Ende, so dass man sich schlichtweg damit abfindet und nicht mehr so intensiv mit den Figuren mitfiebert. Die ersten 200 Seiten konnten mich aber restlos überzeugen, das Ende war leider dann etwas schwächer und ich empfand es auch nicht als komplett schlüssig, aber dies ist sicherlich einfach Geschmackssache.
Was der Autorin aber sehr gut gelingt, ist die Herausarbeitung ihrer Charaktere, vor allem natürlich Louise und Abel, aber auch zum Beispiel die Psyche von Louises Vater wird tiefgehend, glaubwürdig und nachempfindbar entwickelt. Ich konnte mich sehr gut mit Louise identifizieren, die ein wenig eigen ist, auch durch den frühen Verlust ihrer Mutter, aber generell ein eher durchschnittlicher Charakter, nicht hyperintelligent, aber auch nicht dumm, keine reine Schönheit, aber auch nicht hässlich, einfach ein etwas komplizierteres Mädchen als der Durchschnitt, die aber auch normale Teenagerprobleme durchlebt und die sich regelrecht an ihre große Liebe klammert, was rational betrachtet irgendwann nicht mehr nachvollziehbar war, nachdem Abel sie mehrere Male verletzt hatte, aber inwiefern passt Rationalität schon zu Gefühlen? Louise gibt dem Leser irgendwie Hoffnung, sie kämpft sich nach mehreren Rückschlägen immer wieder zurück ins Leben, während Abel eher an der Welt zerbricht und zu sensibel für diese ist. Diesen Kontrast zwischen ihren Hauptfiguren arbeitet Gowdy glaubhaft und überzeugend heraus und lässt eine nette, etwas dramatische Liebesgeschichte entstehen, die komplett ohne Kitsch auskommt. Der etwas unpassende Buchtitel (im Original heißt der Roman „The Romantic“) lässt vielleicht eine typische schwülstige, unrealistische Liebesgeschichte im Stil eines Nicholas Sparks erwarten, doch das ist sie keinesfalls.

Fazit

Gowdy schafft mit „Die Romantiker“ einen über weite Strecken rührenden Liebesroman, der erfrischend realistische Charaktere und eine unkitschige, glaubhafte Liebesbeziehung schildert. Wäre das Ende ähnlich gelungen wie die ersten 200 Seiten des Buches, hätte das Werk durchaus die volle Punktzahl verdient. Doch auch so kann ich den Roman mit gutem Gewissen weiterempfehlen, sicherlich sagt anderen das Ende mehr zu als mir…

4 von 5 Punkten

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