Sonntag, 20. April 2014

Filmkritik: Siddharta


Vor kurzem habe ich mir die einzige Verfilmung von Hermann Hesses Erzählung „Siddharta“ aus dem Jahr 1972 angesehen, in der Shashi Kapoor (Siddharta), Romesh Sharma (Govinda), Simi Garewal (Kamala) und Zul Vellani (Vasudeva) die Hauptrollen spielen. Der Film handelt vom Brahmanensohn Siddharta, der zusammen mit seinem Freund Govinda auf der Suche nach Erleuchtung seine Eltern verlässt und sich wandernden Asketen (Samanas) anschließt. Doch nach Jahren hat er auch bei ihnen nicht das gefunden, was er suchte, und entschließt sich, seinen eigenen Weg zu gehen und alle Lehrer und Lehren zu verlassen, während Govinda dem Gautama Buddha folgt. Siddharta kommt in eine Stadt, lernt die körperliche Liebe und wird ein reicher Kaufmann, doch Erleuchtung findet er erst, als er sein städtisches Leben hinter sich lässt und bei einem Fährmann als Gehilfe anfängt…

Diese Verfilmung hält sich in weiten Teilen sehr genau an die Buchvorlage, zum Teil sind sogar ganze Dialoge sehr wortgetreu aus Hesses Erzählung wiedergegeben. Bloß das Ende wurde ein wenig verändert, jedoch nicht zum Schlechteren hin, sondern durchaus sinnig. Ansonsten wurde bloß die Handlung des Buches wie üblich in Verfilmungen grundsätzlich verkürzt und versimpelt, so dass der Film doch seiner Vorlage an Komplexität in einigem nachsteht. Was ihm aber trotzdem größtenteils gelingt, ist die Wiedergabe der besonderen Atmosphäre, die Hesses Erzählung innewohnt und die ich nur schwer beschreiben kann. Der Film hat ebenso etwas sehr Beruhigendes, Meditatives und ist voll von Weisheiten über das Leben, das den Zuschauer wie auch beim Lesen des Buches intensiv über das Leben, unseren Weg darin, Spiritualität oder etwa die Bedeutung von Reichtum und körperlicher Liebe nachgrübeln lässt. Hesse schildert diese Aspekte in seinem Werk zwar wesentlich komplexer, dafür aber mit einer allgemein verständlichen Leichtigkeit, die ich bei keinem anderen Autoren so erlebt habe, was dem Film natürlich nicht komplett gelingt, doch generell gibt er die Aussagen von Hesses Erzählung gut wieder.
Außerdem kann er mit sehr tollen Landschaftsaufnahmen überzeugen, die wirklich beeindruckend sind und aufgrund derer der Film bereits sehenswert wird. Ob die Bauten und Städte, die im Film vorkommen, zeitgetreu sind (der Roman soll im 6. Jahrhundert v. Chr. spielen), kann ich leider nicht beurteilen, da ich mich mit dem Indien der damaligen Zeit nicht auskenne. Zur Handlung des Films passten sie allerdings auf jeden Fall. Ebenso passt die indische Musik zur Geschichte, die ich zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig fand, aber mit der Zeit immer mehr abgewinnen konnte. Sie trägt entscheidend zur beruhigenden Atmosphäre des Films bei. Zu den Schauspielern kann ich nicht viel sagen, ich kannte keinen vor diesem Film und keiner konnte mich mit seiner Leistung besonders beeindrucken. Sie spielen ihre Rollen generell okay, aber auch nicht herausragend, am besten gefiel mir noch der Vasudeva-Darsteller, das mag aber auch daran liegen, dass mir seine Rolle bereits im Buch am besten gefallen hat. Der Siddharta-Darsteller gefiel mir persönlich nicht besonders, die Tiefe seiner Rolle konnte er für mich nicht immer überzeugend herausstellen, als schlecht empfand ich seine schauspielerische Leistung jedoch auch nicht.

Fazit

Wie so gut wie bei jeder Buchverfilmung kann auch diese Verfilmung von Hesses Werk „Siddharta“ nicht mit der Buchvorlage mithalten. Sie fasst die Handlung des Buches recht gut zusammen, vereinfacht die Aussagen der Erzählung oftmals und kann somit die Komplexität ihrer Vorlage nicht erreichen. Trotzdem lässt sich der Film sehr gut ansehen, auch die kurze Dauer von 82 Minuten trägt dazu bei. Die Landschaftsaufnahmen und die musikalische Untermalung der Handlung sind sehr gut gelungen und kommen von der entstehenden Atmosphäre her dem Buch recht nah. Alles in allem also eine gelungene Verfilmung von Hesses Klassiker, die man etwa zu einem gemütlichen DVD-Abend angenehm ansehen kann.

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