Sonntag, 16. März 2014

Rezension: Das Vermächtnis der Montignacs (John Boyne)

Piper Verlag
Taschenbuch, 512 Seiten
ISBN: 978-3-492-30154-1
12,99 €

Ein kurzer Einblick

England im Jahr 1936: Das ganze Land diskutiert über die Beziehung des englischen Königs zu einer geschiedenen Amerikanerin, doch Owen Montignacs hat ganz andere Sorgen: ihn plagen hohe Spielschulden. Da kommt die Testamentseröffnung seines jüngst verstorbenen Onkels gerade recht, erben bei den schwerreichen Montignacs doch immer nur männliche Nachkommen das beachtliche Familienvermögen. Doch sein Onkel bricht mit der Tradition und setzt seine Tochter Stella, Owens Cousine, als Alleinerbin ein. Owen ist fassungslos und tüftelt einen teuflischen Plan aus, um doch noch an Geld zu kommen…

Bewertung

Nachdem ich vor einigen Jahren Boynes Welterfolg „Der Junge im gestreiften Pyjama“ gelesen hatte und vor kurzem seine Werke „Das Haus zur besonderen Verwendung“ und „Das späte Geständnis des Tristan Sadler“, nahm ich mir nun das nächste Buch von ihm vor, das mich wieder sehr gut unterhalten konnte. Es ist ein wenig anders aufgebaut als seine anderen mir bekannten Werke. Zu Beginn wechselt die Handlung immer zwischen der Geschichte um Owen und derjenigen der Richterfamilie Bentley, deren Sohn Gareth eine wichtige Rolle bei Owens Plan spielt. Mit der Zeit wird das Geschehen aus der Sicht von immer mehr Charakteren geschildert, man lernt verschiedene Sichtweisen kennen und durch diese Erzählweise wird die sowieso bereits gegebene Spannung noch mehr verstärkt. Ich konnte wieder einmal Boynes Buch kaum aus der Hand legen. Es liest sich über weite Teile wie ein enorm spannender Krimi, der den Leser ungemein fesselt. Wie in seinen anderen Büchern auch spielt der Autor anscheinend wieder mit einem zum Teil offensichtlichen Ende, lässt immer wieder Andeutungen einfließen, die einen das Ende oder Teile davon im Voraus erraten lassen, was der Spannung jedoch keinerlei Abbruch tut. Denn zusätzlich bietet er diesmal einige überraschende Wendungen auf, das Ende ist doch teilweise überraschend und eben nicht komplett vorhersehbar.
Außerdem entwickelte Boyne mit Owen Montignacs einen sehr zwiegespaltenen, interessanten Hauptcharakter, der sehr mysteriös auf den Leser wirkt, man wird kaum schlau aus ihm und versucht ihn die gesamte Zeit zu entschlüsseln. Trotz seiner Boshaftigkeit fiebert man aber seltsamerweise auch ständig mit ihm mit und empfindet es auch als passend, dass sein Plan in weiten Teilen aufgeht und er damit durchkommt. Boyne schildert seine Person sehr geschickt und einfühlsam, die Abgründe in seinem Wesen werden verständlich, auch wenn diese natürlich seine Taten nicht entschuldigen. Boyne gibt dem Leser durch Owen und einige andere Figuren in seinem Alter ebenso einen interessanten Einblick in die Jugend der vermögenden Gesellschaft im England der 1930er Jahre. Er stellt eindrucksvoll heraus, wie diese ihre Zeit vertrödeln, sich auf das Geld ihrer Familie verlassen, schlichtweg in den Tag hinein leben und wenig berufliche Ziele verfolgen. Sind sie aufgrund unterschiedlicher Gründe doch gezwungen zu arbeiten, etwa wie Owen, dessen Vater von seiner Familie verstoßen wurde und der zwar durch seinen Onkel eine Ausbildung erhielt, aber nicht von ihm weiterhin finanziert wird, oder sein Freund Alexander, dann tun sie dies nicht besonders gewissenhaft und mit sehr geringem Aufwand.
Die Verknüpfung seiner Handlung mit den geschichtlichen Ereignissen im England des Jahres 1936 gelingt dem Autor auch wieder sehr überzeugend und erweitert seine spannende Geschichte noch um einen interessanten Aspekt. Die Entwicklungen um den englischen König werden im Laufe der Handlung immer verstärkter eingestreut, zunächst ist auch nicht absehbar, wie diese in Verbindung zu seiner fiktiven Geschichte um Owen stehen, zusammengeführt werden sie schließlich ganz am Ende. Ich fand die Verknüpfung zum Teil ein wenig weit hergeholt und etwas unrealistisch, aber auch nicht störend, so dass sie den positiven Gesamteindruck, den das Buch auf mich ausübte, nicht schmälern konnte.
Was mich allerdings sehr störte und was ich für einen angesehenen Verlag doch etwas peinlich finde, sind die enorm vielen Tippfehler, die sich im Buch befinden und sich leider auch durch das gesamte Buch ziehen. Da sollte man vielleicht doch ein wenig mehr Wert auf gute Korrekturleser legen.

Fazit

Ich kann mich nur mal wieder wiederholen: egal, was ich von John Boyne lese, jedes Werk unterhält ungemein, verbindet immer interessante geschichtliche Ereignisse mit einer spannenden fiktiven Handlung und überzeugt durch nachvollziehbar gezeichnete Charaktere. Auch „Das Vermächtnis der Montignacs“ kann ich nur jedem empfehlen, der gute und spannende Literatur lesen möchte.

4,5 von 5 Punkten


Wir danken dem Piper Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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