Dienstag, 18. März 2014

Rezension: Das Licht zwischen den Meeren (M. L. Stedman)

Limes Verlag
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten
ISBN: 978-3-8090-2619-8
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Im Jahr 1926 auf Janus Rock, einer kleinen, abgelegenen Insel westlich von Australien: Tom Sherbourne lebt dort allein mit seiner Frau Isabel, um sich um den Leuchtturm der Insel zu kümmern. Nur alle paar Monate kommt ein Schiff vom Festland zu ihnen, um sie mit Vorräten zu versorgen. Trotz ihrer Abgeschiedenheit von der Welt führen sie ein erfülltes Leben, wenn ihnen doch auch endlich ein Kind geschenkt werden würde. Nach einer erneuten Fehlgeburt Isabels entdecken sie am Ufer ein kleines Boot, in dem ein toter Mann und ein Baby liegen. Im Glauben, seine Eltern seien beide tot, nehmen sie das kleine Mädchen bei sich auf. Als sie jedoch zwei Jahre später aufs Festland zurückkehren, erfahren sie, dass sie dadurch das Leben einer Frau zerstört haben…

Bewertung

Womit die Autorin in ihrem Debütroman wirklich überzeugt, ist die Schilderung der gesamten Umgebung, in die die Handlung eingebettet wird. Die Landschaft Westaustraliens wird wirklich intensiv beschrieben, vor allem die Insel Janus Rock, so dass man als Leser wirklich das Gefühl hat, dort zusammen mit Tom und Isabel in ihrer Einöde zu leben, und beinahe die Frische der See riechen kann. Die Autorin liefert auch immer wieder interessante Details zur Insel, zu ihrem Namen und führt uns in die Arbeit eines Leuchtturmwärters zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein, wobei diese Schilderungen gekonnt in die Handlung eingebaut werden und genau richtig dosiert sind. Man kann das Meiste ohne Vorkenntnisse nachvollziehen, wird aber auch nicht mit Details erschlagen. Die Geschichte wird schlichtweg um einen informativen Aspekt ergänzt.
Ansonsten bietet die Handlung an sich nichts Herausragendes. Das Buch ist ein netter, unterhaltsamer, auch oftmals rührender Zeitvertreib, nicht mehr, nicht weniger. Mich konnte die Handlung aber leider nicht so berühren, wie ich es zuvor, auch aufgrund der sehr guten Bewertungen in einigen Zeitungen, die im Einband zu lesen sind, erwartet hatte. Natürlich wird der Kinderwunsch von Tom und Isabel sehr einfühlsam geschildert, man fühlt schon mit ihnen mit, wenn Isabel mal wieder eine Fehlgeburt erleidet hat, und wünscht ihnen auch, dass sie endlich ein Kind bekommen. Doch gelingt es der Autorin nicht, aufgrund dieser Vorgeschichte die Entscheidung zu rechtfertigen, das Mädchen an sich zu nehmen und sie als ihre eigene Tochter auszugeben. Zu Beginn besteht schließlich noch die Möglichkeit, dass auch die Mutter des Kindes gestorben ist, doch als Tom und Isabel bei ihrem Landgang erfahren, dass die Mutter noch lebt und völlig am Ende ist, konnte ich es nicht nachvollziehen, dass sie weiterhin an ihrer Geschichte festhielten. Tom ist dabei noch der sympathischere, nachempfindbare Charakter, da er regelrecht von Gewissensbissen und Zweifeln zerfressen wird und nur aus Liebe zu seiner Frau nicht die Wahrheit sagt. Ihn kann man verstehen und sich in ihn hineindenken, wie er immer wieder zwischen der Wahrheit und dem Wunsch, seiner Frau nach all den Fehlgeburten nicht noch mehr Schmerz zuzufügen, hin- und herschwankt. Doch Isabels Handeln konnte ich irgendwann nicht mehr nachvollziehen oder entschuldigen. Sie flüchtet sich zuerst in die Illusion, dass die Mutter des Kindes ebenfalls tot ist. Als sie erfährt, dass diese noch lebt, denkt sie eigentlich bloß an sich, versucht dies zu rechtfertigen, indem sie sich einredet, zum Wohle des Kindes zu handeln. Man merkt deutlich ihre große Liebe zu dem kleinen Mädchen, doch das reichte mir nicht aus, um ihre Taten nachempfinden zu können. Leider konnte mich daher die Geschichte auch lange Zeit nicht wirklich berühren, was gegen Ende stärker wurde, insbesondere das Ende ist sehr traurig und lässt einen nicht kalt. Zwischendurch hat der Roman aber auch einige langweilige Phasen, wenn bloß der Alltag der drei auf Janus Rock beschrieben wird. Als man zum Ende hin mehr über die Mutter erfährt und zwischen beiden Stühlen steht, ob nun das Kind, das jahrelang bei Tom und Isabel gelebt hat und seine Mutter überhaupt nicht kennt, zu ihr zurück sollte, fühlt man intensiver mit den Figuren mit, aber insgesamt weist die Handlung doch ein paar schwächere Passagen auf.

Fazit

Wer eine rührende Geschichte zum Beispiel für ein verregnetes Wochenende sucht, wird mit diesem Werk zufrieden sein. Man kann die Geschichte schnell herunterlesen, kalt lässt sie den Leser auch nicht, wenn ich auch die übermäßig positiven Bewertungen des Buches nicht nachvollziehen kann.

3,5 von 5 Punkten

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