Samstag, 8. März 2014

Rezension: Adolf im Wunderland (Carlton Mellick III)

Festa Verlag
Hardcover, 192 Seiten
ISBN: 978-3-86552-278-8
12,80 €


Ein kurzer Einblick

Hitler übernahm die Weltherrschaft. Mit Akribie entfernte er jeden Funken Unvollkommenheit aus der Welt. Jeden? In einer kleinen Stadt mitten im Niemandsland leistet der letzte unperfekte Mensch Widerstand; er bricht den Traum Hitlers. Ein SS-Offizier begibt sich auf Mission diesen auszurotten - und stößt dabei auf eine Kultur, die die Unperfektion auf die Spitze treibt.

Bewertung

Acht Jahre hat Carlton Mellick III laut Vorwort an dieser Novelle geschraubt, um ein vollendetes Werk zu erschaffen. Wenn Mellick mit »Adolf im Wunderland« zufrieden ist, sei es ihm gegönnt; ich bin es nicht. Ich möchte nicht den wirschen Charakter der Story bemängeln oder den wirren Wechsel der Welten, sondern das nicht runde Lesegefühl. Die Erzählung liest sich unausgegoren und unfertig, so als ob der Autor mehr gewollt hätte, diesen Stoff aber auf den wenigen Seiten nicht hat unterbringen können. Letztendlich bleibt eine typische Geschichte ganz nach Art von Carlton Mellick III: bizarr und abgedreht!
Der namenlose Hauptcharakter und SS-Offizier von Berufung ist auf Mission, um den letzten unperfekten Menschen auszurotten. Irgendwo in der Wüste im Nirgendwo stößt er auf besagten Ort und das Chaos nimmt seinen Lauf. Er vergisst, wie der Gesuchte aussieht, verliert seine Aktentasche mit den Dokumenten - er erinnert sich allein an das Ziel der Mission. Die Individuen, die ihm begegnen, sprechen ihn mit Hitler an, denn »Heil Hitler« steht auf dem Ärmel der gepflegten Uniform. Abstreiten hilft nicht, irgendwann resigniert er, der SS-Offizier. Fragt er nach dem unvollkommenen Mann, wird ihm eine Gegenfrage gestellt: Wie soll dieser unvollkommene Mann denn aussehen? Hitler weiß darauf keine Antwort, liegt das Foto doch in der verlorenen Aktentasche. Wem auch immer er begegnet, die Fragen drehen sich im Kreis, die Geschichte tritt auf der Stelle. Abwechslung verschaffen die Handlungsorte, die wie Eintagsfliegen ausgetauscht werden.
Das Wunderland ist chaotisch und für Außenstehende der krasse Gegensatz zur geformten Realität, wie wir sie kennen. Gegeben und festen Regeln und Gesetzen unterworfen ist in dieser Welt rein gar nichts. Unvollkommenheit in vollkommener Reinheit regiert jeden Partikel dieser Welt. Der SS-Offizier wird aufgrund der Abstrusität verrückt. Stoisch versucht er sein Ziel zu erreichen, doch im Wunderland scheint schon der Versuch sträflich vergeblich zu sein. Szenarien, die Carlton Mellick III gerade entwarf, verfallen zwanzig Seiten weiter zu Staub und eine neue Welt des Gedankenterrors öffnet sich Adolf. Unbarmherzig hetzt Mellick den Protagonisten durch die Handlungsorte. Einerseits gelingt es dadurch Orte so gut wie gar nicht aufzubauen und auszufeilen, andererseits unterstreicht der gehetzte Wandel den grotesken Charakter der Welt. Beispiel? Der SS-Offizier befindet sich auf einer Hochzeit, auf der die angehenden Ehemänner ihre Frauen auf einem verwilderten Grundstück suchen müssen. Die Braut, die zuletzt gefunden wird, endet als Festmahl der Gesellschaft. Ein paar Seiten später zeugt er mit dem dem Geist Elsie - in einem Haus, das unter einer Brücke an einem Seil baumelt - nun, trotz aller Befremdlichkeit, sind es wohl Kinder, um wiederum ein paar Seiten später auf einer scheinbar endlosen Brücke eine Einladung zum Ball wahrzunehmen.
Was wollte Carlton Mellick mit »Adolf im Wunderland« bezwecken? Eine Bizarro-Fiction-Novelle schreiben? Die Sinnlosigkeit der Suche nach Unvollkommenheit verdeutlichen? Eine Verallgemeinerung zu Papier bringen, die zeigt, dass wir alle unvollkommen sind? In jeder Stadt, jedem Dorf und jedem Land?
»Wo bin ich?«, fragte der junge Adolf Hitler. »Ist das hier ____hausen? (...)« (S. 33)
Fazit

Ob »Adolf im Wunderland« eine Instanz der Nachdenklichkeit über Unvollkommenheit zugrunde liegt oder nicht, Carlton Mellick III Werk liest sich abstrus abgedreht. Die Novelle trotzt Gepflogenheiten der Erwartungshaltung. Trotz der verqueren Ideen, tritt die Geschichte zu oft auf der Stelle, wiederholt Phrasen, als das sie zu einem kleinen Meisterwerk der Bizarro-Fiction werden könnte. Was bleibt? Lesespaß! Und das nicht zu wenig.

3 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen