Donnerstag, 27. Februar 2014

Rezension: ... und noch ein Küsschen (Roald Dahl)

rororo
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-499-10989-8
8,99

Ein kurzer Einblick

Auch der Nachfolger von „Küsschen Küsschen“ „ ... noch ein Küsschen“ bietet wieder mit viel makabren Musenküssen eine Auswahl an 14 Kurzgeschichten, die den Leser mit schwarzem Humor unterhalten

Bewertung

„... und noch ein Küsschen“ bietet mit 14 skurrilen Geschichten wieder jede Menge Unterhaltung für den Leser.

Geschmack
Eine ziemlich aufwühlende Geschichte, die zeigt dass der Eifer zum Wetten alles andere in den Schatten stellen kann und sich Abgründe in der Art zu Wetten auftun. Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen, auch da erst in den letzten paar Sätzen die Geschichte eine Wendung nimmt und man bis dahin ständig mitfiebert von der Stelle an, wo die Wette ausgesprochen wurde.

Lammkeule
Für  mich die beste Geschichte aus dem kompletten Buch. Hier zeigt sich die Spitzfindigkeit Roald Dahls. Man weiß zwar ab der Hälfte schon wie die Geschichte ausgeht, aber das trübt die Lesefreude nicht. Eher freut man sich mit der Protagonistin, dass sie einen Weg aus ihrer kleinen Misere gefunden hat.

Mann aus dem Süden
Diese Story hat mich nicht so angesprochen. Auch weil das Hauptthema wieder eine Wette war. Das Ende war wie in fast allen Geschichten Dahls wieder sehr spitzfindig, trotzdem gehört sie für mich zu den schwächeren dieser Kurzgeschichtensammlung.

Der Soldat
Auch hier war die Geschichte nicht auf meiner Wellenlänge, aber sie zeigt eindrucksvoll, wie sich die Psyche eines Mensch und seine Erinnerungen verändern kann.

Mein Herzblatt
Bei „Mein Herzblatt“ musste ich am Ende herzlich lachen. Die Geschichte bietet am Ende wirklich eine gute Portion schwarzen Humor und macht sie auch dann erst sympathisch, während sie beim Lesen doch ein bisschen befremdlich wirkt, da das Ehepaar keine Sympathieträger sind und durch ihre Taten dazu auch nicht beitragen.
Für mich ist diese Geschichte mein klarer Favorit

Einsatz
Einsatz hat mir auch nicht so gut gefallen. Zum einem lag es daran, dass schon wieder eine Wette der Auslöser für die Geschichte war und andererseits bin ich mit den Gedanken der Hauptfigur nicht warm geworden, da diese einfach eine Idee hatte, die man, wenn man bei gesundem Menschenverstand ist, nicht nachvollziehen kann. Trotz der Schwierigkeiten hat sie mich doch ganz gut unterhalten und gerade das Ende hat mich doch irgendwie mir der Kurzgeschichte versöhnt und mir gezeigt, dass der schwarze Humor des Autors bei mir den richtigen Adressaten gefunden hat.

Der rasende Foxley
Diese Geschichte geht hoch und runter, wie eine Welle. Sie fängt ruhig an, erhebt sich plötzlich, offenbart einen Teil einer schrecklichen Kindheit und bricht sich dann am Ende. An sich ist diese Kurzgeschichte ziemlich heftig, das Ende dafür lachhaft. Sie gehört definitiv nicht zu meinen Favoriten, war aber trotzdem mitreißend zu lesen, da man auf den großen Höhepunkt am Ende hoffte.

Haut
Das Ende der Geschichte geht einem wirklich unter die Haut. Auch hier fesselt Dahl den Leser sowohl an den Hauptcharakter, als auch an die Geschichte an sich. Schon beim Lesen der Geschichte weiß man, dass das Ende es wieder einmal in sich haben wird und hier wird man auch nicht enttäuscht. Schaurig ist wohl eins der Wörter, die das Ende am  Besten beschreiben.

Gift
In dieser Geschichte klettert eine Giftschlange auf den Körper eines Menschen. Hilfe kommt und es wird überlegt, wie man den Mann aus dieser Misere retten kann. Bei dieser Geschichte habe ich richtig mitgefiebert, ob es ihnen gelingt, die Schlange zu entfernen oder ob sie doch aufwacht und zubeißt. Das Ende wiederum hat mir leider nicht zugesagt.

Der Wunsch
„Der Wunsch“ ist wirklich eine Kurzgeschichte, da sie gerade einmal drei Seiten lang ist. Die Story ist kurz, dafür aber knackig und das Ende wirklich ziemlich mies. Kurz hält man den Atem an, erholt sich und geht dann zur nächsten Geschichte über.

Hals
Diese Geschichte hat mir besonders gut durch ihre Andeutung am Ende gefallen. Hier kann der Leser selbst mit seinen Gedanken spielen und sie in die Richtung lenken, wie er es möchte. Sehr gut gefallen haben mir hier auch die Personenbeschreibungen. Für eine Kurzgeschichte sind sie gut und plastisch beschrieben und geben der Geschichte dadurch mehr Tiefe.

Der Lautforscher
Ein Mann baut ein Gerät, womit er Geräusche hören kann, die dem normalen menschlichen Ohr verborgen bleiben. Skurril wird die Geschichte, als der den Kasten in den Garten schleppt und dort seltsame Geräusche vernimmt. Von der Thematik her finde ich die Geschichte ziemlich toll umgesetzt. Beim Lesen jagen einem kleine Schauer über den Rücken und gleichzeitig amüsiert man sich. Eine tolle Mischung.

Nunc Dimitris

„Nunc Dimitris“ lässt sich in seiner Boshaftigkeit von keiner der anderen Kurzgeschichten übertreffen. Sie hat mir auch mit am Besten gefallen, da sie wirklich abgrundtief böse ist.

Der große automatische Grammatisator
Hier weiß ich nicht so ganz, was ich von der Geschichte halten soll. Das Ende ist super, die Geschichte an sich aber nicht, da sie es nicht schafft, den Leser mitzureißen.

Fazit

Roald Dahl hat mit seinen Kurzgeschichten wieder eine schöne Sammlung von skurrilen und bösartigen Geschichten geschaffen. Nicht alle Geschichten haben mich durchweg begeistert, doch die Meisten haben mich mit ihren schwarzen Humor in ihren Bann gezogen. Menschen, die dem schwarzen Humor nicht abgeneigt sind, sollten Roald Dahls Kurzgeschichten unbedingt lesen.

4 von 5 Punkten


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