Samstag, 8. Februar 2014

Rezension: Schändung - Der zweite Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q (Jussi Adler-Olsen)



dtv
Taschenbuch, 464 Seiten
ISBN: 978-3-423-21427-8
9,95
dtv premium, 464 Seiten
ISBN: 978-3-423-24787-0
14,90 €

Ein kurzer Einblick

1987 wird ein Geschwisterpaar tot aufgefunden. Es gibt sechs Hauptverdächtige, alles Mitglieder einer Internatsclique. Neun Jahre nach dem Mord stellt sich eines der Mitglieder, ein junger Mann, der als einziger nicht aus einer gut situierten Familie stammt. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt, was in Dänemark mindestens zwölf Jahre bedeutet. Dass der zum Zeitpunkt des Mordes gerade 22-jährige Carl Mørck den Fall 20 Jahre später neu aufrollen würde, hätte er nie gedacht. Doch etwas lässt Mørck hellhörig werden und den Fall unter die Lupe nehmen…

Bewertung

Carl Mørck ist gerade aus dem Urlaub zurück und findet die Akte auf seinem Schreibtisch, ohne dass ihm irgendjemand sagen kann, wie diese dort hingekommen ist. Als er auch noch von oberster Stelle die Order bekommt, den Fall nicht zu bearbeiten, sind er und sein Assistent Assad vorhersehbar umso besessener, die ungelösten Rätsel zu entwirren. Hilfe bekommen die beiden von der neuen Sekretärin Rose Knudsen. Sie ist eine sehr interessante Persönlichkeit, doch hatte ich bei ihrer Einführung mit den schwarzen Haaren, den pechschwarz umrandeten Augen und den turmhohen Schuhabsätzen das Bild einer bestimmten Forensikerin einer beliebten Fernsehserie vor mir. Ob diese wirklich als Vorbild diente, weiß ich nicht, jedoch bleibt abzuwarten, ob Rose Knudsen die damit geknüpften Erwartungen auch erfüllen kann. In diesem Band spielt sie jedenfalls eine noch nicht ganz so große Rolle. Mørck und Assad werden familiär ebenfalls nicht tiefer beleuchtet, was jedoch nicht weiter stört, da die verschiedenen Beziehungen der handelnden Personen untereinander bereits wahrlich genug Spannung aufbauen und die Geschichte vorantreiben.  
Was bei Adler-Olsens zweitem Mørck-Roman besonders auffällt, ist, dass man als Leser von Anfang an die Schuldigen kennt, die u.a. den Mord an den Geschwistern begangen haben. Aufgrund der Rückblenden und Erinnerungen besteht daran gar kein Zweifel. Adler-Olsen hat eher die Mission, dem Leser zu verdeutlichen, wieso diese Menschen so brutal und mörderisch geworden sind. Auch sie waren mal Kinder, die jedoch aufgrund fehlender familiärer Liebe, starken Restriktionen von der Umwelt (z.B. starre Internatsregeln) und dem gegenseitigen Aufputschen innerhalb ihrer Clique zu solchen Taten getrieben wurden. Eine Entschuldigung soll es jedoch nicht sein, auch das kommt eindeutig aus der Geschichte hervor. Vielmehr verdeutlicht Adler-Olsen mit allen Figuren sehr anschaulich, dass niemand nur gut oder böse ist. Besonders bei dem einzigen Mädchen der Clique - Kirsten-Marie Lassen, Kimmie genannt - kommt dies zur Geltung. War sie anfangs begeistertes Mitglied der sechs mordenden Freunde, zieht sie sich immer weiter zurück und wendet sich schlussendlich von ihren ehemaligen Freunden ab, nachdem sie von diesen geschändet und um den einzigen Lichtblick gebracht wurde, den sie hatte. Beim großen Showdown, der meiner Empfindung nach ein wenig dick aufgetragen war und dadurch recht unrealistisch wirkte, zeigt sie dann nochmals ihre schlimmste und beste Seite.
Nicht unerwähnt möchte ich folgenden Satz lassen, der mich in diesem Zusammenhang besonders bewegt hat: „Man muss die Dinge tun, solange Zeit dafür ist.“ (Seite 457) Das gilt nicht nur für Mørck, der aufgrund der Ereignisse in diesem Band eine folgenreiche Entscheidung trifft, sondern wir alle sollten immer daran denken, dass wir nicht wissen, wie viel Zeit uns im Leben noch bleibt und entsprechend danach handeln…

Fazit

Mit seinem zweiten Band um den Kommissar Carl Mørck entführt Adler-Olsen den Leser diesmal in einen Sumpf des Verbrechens im Milieu der Reichen. Nach dem sehr guten Auftakt-Roman „Erbarmen“ ist „Schändung“ eine nicht minder spannende Fortsetzung, die auch Lust auf den dritten Band macht.

4,5 von 5 Punkten

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