Montag, 17. Februar 2014

Rezension: Horror Factory 9. Die Todesuhr (Robert C. Marley)

Bastei-Lübbe Digital
eBook, 1,99 €
ISBN: 978-3-8387-4760-6


Bastei Lübbe Digital
Audio-Download, 1,49 €
ISBN: 978-3-8387-7249-3


Ein kurzer Einblick

Edgar Allan Poe, der Mann, der das Horror-Genre mitprägte, erwacht zerschunden in einem finsteren Kellerverlies. Das Warum kennt er nicht. Dass ihm Böses droht, ahnt er. Die Todesuhr tickt, die Zeit, die ihm bleibt, zu verstehen, schwindet dahin. Die mysteriösen Worte des ihm vertrauten Gesichtes aus dem Kerker geben ihm Rätsel auf. Das Grauen sitzt ihm im Nacken, bevor die Zeit für ihn vorüber ist, sich selbst ein Denkmal zu setzen.

Bewertung

Unter der Schirmherrschaft von Uwe Voehl startete am 29.05.2013 im Bastei Lübbe-Verlag die “Horror Factory“. Die Novellen werden zeitgleich als eBook und als Audio-Download veröffentlicht. Die einzelnen Storys sind in sich abgeschlossen.

Zur »Horror Factory« gibt es aufgrund der Kürze keine ausführlichen Rezensionen, wohl aber kurze Meinungen, um Spoiler zu vermeiden. Ein Überblick über bisher bewertete Werke lässt sich unter dem Label »Horror Factory« finden.

Inwiefern »Die Todesuhr« eventuell den Schreibstil Poes oder die Art zu erzählen imitiert, vermag ich nicht zu vergleichen. Ich habe keine Erzählung Poes‘ gelesen.
Die Geschichte Robert C. Marleys ist so verdreht und verzwickt zu einem Teufelskreis verflochten, dass kaum Platz für neue Abenteuer bleibt. Vielleicht ist dies auch besser so, denn so kann sich der Autor mit seinen Charakteren wenigstens nicht in weitere Schwierigkeiten und Erklärungsnöte manövrieren. Echter Horror oder Grusel sucht man in dieser Novelle vergeblich. Ja ok, es gibt da so schwarze Würmer, die einem das Fürchten lernen könnten - aber es nicht tun! Für die Story sind sie verdammt wichtig, bleiben aber die graue Präsenz des Gefährlichen im Hintergrund, ohne jemals eine Bedeutung zu erhalten, die ihren wahren Schrecken enthüllt. Vielleicht war zu wenig Platz. Vielleicht hätte Marley an andere Stelle die Zeitreisegeschichte straffen sollen.
Die Logik von Zeitreisen mutet stets etwas gewagt an, verstrickt man sich doch zu schnell in Ungereimtheiten. Beispiel? Edgar Allan Poe rettet (ich nenne ihn einfach mal einen Freund, um Spoiler zu vermeiden) einen Freund. Dafür muss er in der Zeit zurückreisen. In der Zukunft ist eben jener Freund gar nicht in eine Bredouille geraten, warum musste Poe ihn dann retten? Ein Teufelskreislauf, der Zeitreisegeschichten wohl zu eigen ist.
Das Ende der Novelle besitzt keinen großen Knalleffekt oder auch nur ein erstauntes Aufatmen. Die Pointe kann in großen Teilen erraten werden. Mich hat dies aber nicht gestört, denn »Die Todesuhr« fällt zwischen den anderen Novellen der »Horror Factory« angenehm auf, liest sich spannend und bietet eine zufriedenstellende Auflösung.

Fazit

Marley hätte die Fallstricke der Zeitreise umgehen können. Marley hätte dem Horror mehr Raum schenken können. Aber warum, wenn »Die Todesuhr« in ihrem jetzigen Konzept wunderbar funktioniert? Dem Leser liegt mit Band neun der »Horror Factory« eine straff erzählte Geschichte vor, die wenig falsch und vieles richtig macht.

3,5 von 5 Punkten

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