Mittwoch, 19. Februar 2014

Rezension: Horror Factory 10. Rachegeist (Christian Endres)

Bastei-Lübbe Digital
eBook, 1,99 €
ISBN: 978-3-8387-4763-7


Bastei Lübbe Digital
Audio-Download, 1,49 €
ISBN: 978-3-8387-7292-9


Ein kurzer Einblick

Dylan T. Wood beendet sein Leben mit einem Strang um den Hals. Als Vermächtnis hinterlässt er seiner Frau einen unveröffentlichten Roman. So einfach Selbstmord zu begehen, ist es jedoch nicht ... Als Geist muss er hilflos miterleben, dass seine Frau eine Affäre mit seinem Assistenten einging und dieser sein Manuskript unter eigenem Namen veröffentlichen will. Dylan T. Wood schwört Rache.

Bewertung

Unter der Schirmherrschaft von Uwe Voehl startete am 29.05.2013 im Bastei Lübbe-Verlag die “Horror Factory“. Die Novellen werden zeitgleich als eBook und als Audio-Download veröffentlicht. Die einzelnen Storys sind in sich abgeschlossen.

Zur »Horror Factory« gibt es aufgrund der Kürze keine ausführlichen Rezensionen, wohl aber kurze Meinungen, um Spoiler zu vermeiden. Ein Überblick über bisher bewertete Werke lässt sich unter dem Label »Horror Factory« finden.

Mit »Crazy Wolf« legte Christian Endres mit Band zwei der »Horror Factory« eine nervenaufreibend spannende Horror-Werwolf-Novelle vor, deren Niveau er mit »Rachegeist« erst einmal halten muss. Dies ist ihm nicht gänzlich gelungen. Die Art der Inszenierung und Aufbau des Handlungsbogens vereinnahmen aber doch wiederum mühelos. Christian Endres kurzer, präziser und knackiger Schreibstil ist mitreißend. Mann könnte diesen mit dem der vieler amerikanischen Autoren vergleichen, die eine reduzierte Satzbaukonstruktion oftmals bevorzugen. Nur gelingt es Endres, zusätzlich hervorragende Charaktere zu entwerfen.
Mit »Rachegeist« schlägt der Autor andere Töne als in »Crazy Wolf« an. Seine Figur: ein wütender Geist. Der Gesprächspartner: eine Katze. Und seine Frau? Die freut sich über den Selbstmord des todkranken Schriftstellers! Rachsüchtig versucht er dem Gefängnis seiner Todesstätte zu entkommen, bis er lernt, sich als Geist in der Welt zu bewegen. Die unbeholfenen Versuche, die Art, wie er Zeter und Mordio schreit, und doch nur zum teilnahmslosen Zuschauer degradiert wird, ist köstlich inszeniert. Aber nicht nur dies! Einerseits schwört der Leser mit Dylan T. Wood Rache, andererseits kann man die Motive seiner Frau verstehen. Wer will schon einen arbeitswütigen Ehemann im Haus haben, der verbissen auf die Tastatur einhackt und die Welt um sich herum ignoriert? Humor vermischt sich mit Nachdenklichkeit, bevor er zum Ende der Novelle in eben jenen rachsüchtigen Horror umschlägt, auf den man Seite um Seite hinfiebert. Ganz so machtlos, wie es anfangs scheint, ist Dylan T. Wood, der Rachegeist, aber dann doch nicht. Es gibt Methoden, sich der Welt verständlich zu machen ... Der Spoiler wegen soll an dieser Stelle aber geschwiegen werden.
Katzen sind arrogant, schnell eingeschnappt und ihr eigener Herr. Manchmal aber auch sind sie der einzige Gesprächspartner von Geistern. Es ist die Nachbarskatze, die am Fenster auftaucht und Dylan T. Wood berichtet, dass seine Zeit als Geist abläuft, er sich sputen sollte, wenn er auf Rache sinnt. So unscheinbar der Charakter Katze ist, trifft das Tier doch einen Nerv, der sie essentiell für diese Novelle macht. Sind es ihre kurzen, eigenwilligen Auftritte? Ist es die Art, der eher respektlose Umgang mit von den Menschen gefürchteten Geistern? Ihre Natur ist schwer zu greifen, aber ist das verwunderlich?

Fazit

»Rachegeist« ist eine eindrucksvolle Novelle, die Humor mit Nachdenklichkeit vereint und Rache nicht als gegeben hinnimmt. Charaktere und Handlungsbogen sind packend inszeniert. Da ist es dann auch egal, dass der Storyverlauf an sich schlicht gehalten ist. Nicht ganz so gut wie »Crazy Wolf«, aber nahe dran!

4 von 5 Punkten

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