Mittwoch, 5. Februar 2014

Rezension: Der Kinderdieb (Brom)



PAN-Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag, 656 Seiten
ISBN: 978-3-426-28329-5
16,95 €


Ein kurzer Einblick

Auf der geheimnisvollen Insel Avalon lebt der ewig junge Peter. Dank der Herrscherin der Insel, der Dame Modron, ein Ort von Frieden und Wohlstand. Doch als eines Tages Schiffe an der Küste anlegen und beginnen, das magische Volk zu töten, erschafft die Dame einen Nebel, der sowohl die Insel vor den Augen der Menschenwelt verbirgt, als auch die Siedler daran hindert, die Insel wieder zu verlassen. Es beginnt ein Krieg, der kein Ende zu nehmen scheint. Um Kämpfer für Modrons Armee zu rekrutieren, fängt Peter an, Kinder aus der Menschenwelt durch den Nebel zu führen…

Bewertung

Wer kennt ihn nicht, den abenteuerlustigen Peter Pan, der niemals erwachsen wird, der Anführer der verlorenen Jungen und Widersacher von Kapitän Hook? Wer sich diese Kindheitserinnerung nicht nehmen lassen will, sollte Broms Roman nicht lesen! Denn Brom hat mit „Der Kinderdieb“ eine ganz eigene Version des quirligen Jungen geschaffen. Dieser Peter zieht durch das heutige New York, um bewusst misshandelten, hungernden, missbrauchten, verfolgten, kurzum verlorenen Kindern zu helfen und sie als neuer Freund in eine bessere Welt zu führen. Durch seine leidenschaftliche und - man möchte schon sagen - wilde Art hat er keine Probleme, die Kinder für sich einzunehmen. Doch die Kinder, die den Nebel überleben, finden sich in einer sterbenden Welt wieder, in der sie gezwungen sind, tagtäglich für ihr Überleben zu kämpfen.
Und das im wortwörtlichsten Sinne. Denn die Gewalt ist teilweise sehr erschütternd. Nichts wird verschleiert oder beschönigt beschrieben. Das Blut spritzt literweise, Gliedmaßen werden abgeschlagen und die Agonie der brennenden Menschen kann man förmlich hören! Was aber unbedingt gesagt werden sollte, ist, dass die Gewalt nicht einfach sinnloserweise passiert, sondern so in den Kontext der Geschichte eingeflochten wurde, dass keine dieser Szenen überflüssig erscheint.
Broms hat außerdem einen wirklich schönen Schreibstil, der einen nicht nur so über die Seiten fliegen, sondern die Charaktere auch wie von allein im Kopf entstehen lässt. Wem diese detailreichen Beschreibungen noch nicht reichen, findet auch wundervolle Illustrationen von Peter und einigen weiteren Charakteren im Buch vor, die Brom selbst gestaltet hat.
Besonders gefallen hat mir auch, dass das Hauptaugenmerk nicht nur auf Peter gelegt wurde, sondern auch einige der Teufel nicht zu kurz kamen. Gerade die Entwicklung des weiteren Protagonisten Nick ist beeindruckend. Dazu hat maßgeblich auch beigetragen, dass er die Chance erhalten hat, mit den verhassten Erwachsenen, den „Fleischfressern“, zu reden. So kommt dann auch raus, dass alle Parteien eigentlich dasselbe wollen: Die Erwachsenen wollen die Insel verlassen und die Teufel um Peter wollen - wie alles magische Volk der Insel -, dass die Menschen dies endlich in Angriff nehmen. Was jedoch einmal aufgrund von fehlender Kommunikation und kulturellen Unvereinbarkeiten seinen Anfang genommen hat, kann in den Köpfen aller leider nur noch durch Kampf und Blutvergießen geändert werden. Kompromissbereitschaft ist jedoch, wenn überhaupt, nur minimal vorhanden und Brom hält dem Leser somit sehr schön einen Spiegel zu unserer Welt vor.

Fazit

„Der Kinderdieb“ ist ein wirklich faszinierender Roman mit tollen nachvollziehbaren Charakteren, Spannung und Abenteuern. Ein Muss für jeden Peter-Pan-Fan, der sich gern auch gruseln lässt. Jedoch ist dieser Roman nichts für kleine Kinder, da die Gewaltorgien teilweise wirklich sehr erschreckend sind.

5 von 5 Punkten

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