Samstag, 15. Februar 2014

Rezension: Das Ferienhaus (Anna Fredriksson)



Berlin Verlag
Taschenbuch, 318 Seiten
ISBN: 978-3-8333-0885-7
9,99

Ein kurzer Einblick

Der Tod eines geliebten Menschen ist nie leicht zu verarbeiten. Doch für Eva kommt es noch schlimmer: Ihre jüngeren Geschwister Anders und Maja wollen das wunderschöne Sommerhaus ihrer Mutter an der schwedischen Schärenküste verkaufen lassen, welches sie alle drei geerbt haben. Dabei nehmen sie keine Rücksicht auf Evas Gefühle. Als sie sich dorthin zurückzieht in der Hoffnung, ein paar ungestörte und ruhige Wochen zu verbringen, tauchen wenig später plötzlich auch ihre Geschwister samt Anhang dort auf. Der Streit ist vorprogrammiert. Werden sich die drei über das Erbstück ihrer Mutter gänzlich zerstreiten oder gibt es für sie noch Hoffnung auf Versöhnung?


Bewertung

„Das Ferienhaus“ habe ich als Weihnachtsgeschenk erhalten und bei schmuddeligem Wetter und tristen Temperaturen liest es sich wirklich hervorragend. Durch den leichten Erzählstil fliegen die Seiten nur so dahin wie ein warmer Sommerwind und man kann die Sonne im Buch förmlich spüren. Dabei fängt die Geschichte eher seicht und langsam an und die einzige Spannung entstand für mich dadurch, dass ich mich ständig gefragt habe, wann der Knoten bei allen Personen platzt und sie sich auf gut deutsch endlich an die Gurgel gehen.
Dazu trägt Evas Verhalten maßgeblich bei. Da sie eine Lehrerin ist, hätte ich sie für eine selbstbewusste und um keine Worte verlegene Persönlichkeit gehalten, die sich gegen ihre jüngeren Geschwister auch durchzusetzen weiß. Doch davon ist überhaupt nichts zu sehen. Gegen die immer  wiederkehrenden gehässigen Äußerungen ihrer Schwester Maja, das Haus zu verkaufen, ob sie will oder nicht, schweigt Eva beharrlich, setzt sich nur immer von der Gruppe ab und geht quasi in den stillen Protest. Wobei dem Leser schnell klar wird, dass sie damit gar nichts erreichen wird. Ich hatte daher auch lange Zeit Probleme, mit Evas Verhalten klarzukommen.
Bis auf die Geschwister erfährt man leider nur passiv etwas über die Leben der anderen Personen, was ich schade finde. Gerade die Tochter von Anders fand ich in ihrer Art bezaubernd und als Spiegel der Partnerschaft ihrer Eltern faszinierend. Das hätte sehr gut ausgebaut werden können. Leider werden gerade die Kinder fast nur als Randpersonen abgehandelt. Sofern das Hauptaugenmerk der Autorin aber wirklich auf den drei Geschwistern lag, hat sie zugegebenermaßen gute Arbeit geleistet mit dem indiskutablen Benehmen von Maja mit ihrem Rumkommandieren, dem Mitlaufen von Anders und der stillen Eva.
Je mehr Wochen ins Land gehen, desto häufiger fragt man sich, warum sich die Geschwister so hassen. Das kommt nach und nach ans Licht, durch die gut verstreuten vereinzelten Rückblicke und Erinnerungen von Eva an ihre Kindheit. Dabei erfährt man auch eine Menge mehr über deren Mutter. Woher ihre Depressionen gekommen sind, die schließlich zu ihrem Selbstmord geführt haben, wird nicht erwähnt. Jedoch ist klar, dass die drei keine allzu leichte Kindheit hatten und jetzt als Erwachsene allerhand zu verarbeiten haben, nachdem sie sich nach Jahren wiedersehen.
Als dann sowohl Anders Frau mit den Kindern das Ferienhaus verlässt und auch Tomas sich von Maja verabschiedet, platzt endlich der Knoten. Denn nun stehen die drei plötzlich ohne Rückhalt voreinander und müssen sich notgedrungener Maßen miteinander befassen. Hier kommt sehr schön die Frage auf, wer den ersten Schritt der Versöhnung machen sollte, wenn sich Familienmitglieder zerstritten haben. Ob die drei es schaffen, sich am Ende des Sommers die Hand zu reichen, soll hier allerdings nicht verraten werden.

Fazit

Wer gerne emotionale Geschichten liest, die im Alltag wirklich passieren können, macht mit dem Debütroman von Anna Fredriksson nichts verkehrt. Jedoch sollte man sich im Vorfeld bewusst sein, dass die sommerliche Frische der schwedischen Schärenvegetation fast untergeht im durchgängig traurigen Unterton der Geschehnisse.

3,5 von 5 Punkten

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