Donnerstag, 9. Januar 2014

Rezension: Formel 1 Jahrbuch 2013 (Michael Schmidt)

Motorbuch Verlag
Gebundene Ausgabe, 212 Seiten
ISBN: 978-3613035898
24,90 €

Ein kurzer Einblick

Michael Schmidt, Redakteur der Zeitschrift „auto motor und sport“ liefert fast schon traditionell seit einigen Jahren zu jeder Formel 1-Saison einen großen Saisonrückblick ab und hat auch wieder eine ausführliche Zusammenfassung für die letzte Saison für uns zusammengestellt. Diese stand wie bereits die 2011er Saison ganz im Zeichen von Sebastian Vettel, der nach anfänglichen kleineren Schwierigkeiten spätestens zur Saisonmitte fast nach Belieben dominierte, was seine neun aufeinanderfolgenden Siege in der zweiten Saisonhälfte eindrucksvoll demonstrierten. Gepaart mit erstklassigen Bildern wird in diesem Saisonrückblick noch einmal jedes Rennen einzeln dargestellt, ein paar Fahrer und Teams näher vorgestellt, die Technik der Formel 1-Boliden erläutert und sehr ausführliche Statistiken geboten.

Bewertung

Am Ende war die letztjährige Formel 1-Saison eine eindeutige Angelegenheit: Sebastian Vettel und Red Bull gewannen ähnlich überlegen wie schon im Jahr 2011 sowohl die Fahrer- als auch die Konstrukteursmeisterschaft, beide bereits im vierten Rennen vor Schluss, beide zum vierten Mal in Folge. Dafür wurden sie jedoch nicht überall bejubelt, in Monza und Singapur empfingen den Sieger Vettel auf dem Podium Buhrufe und Pfiffe. Das Team, das schlichtweg über die Saison die beste Arbeit geleistet hatte, wurde dafür verantwortlich gemacht, dass der Sieger in einigen Rennen scheinbar bereits vor dem Start feststand. Dabei hatte die Saison zunächst sehr wechselhaft begonnen, die ersten Rennen standen klar im Zeichen der Reifen, die vielen Teams Kopfzerbrechen bereiteten, bis Pirelli nach dem Rennen in England, bei dem mehrere Reifen während des Grand Prix plötzlich geplatzt waren, zu der 2011er Reifenkonstruktion zurückkehren musste und die Reifen für die Teams berechenbarer wurden. Damit setzte dann auch Red Bulls Siegesserie ein. Daneben sah die 2013er Saison aber auch die Weiterentwicklung von Mercedes zu einem Siegerteam, die Verzweiflung in Maranello nach Ferraris sechstem Jahr ohne Titel, das schlechte Abschneiden vom Traditionsrennstall McLaren, einige spektakuläre Rennen von Nico Hülkenberg im unterlegenen Sauber und den Abschied von den 2,4 Liter V8-Motoren, die im nächsten Jahr im Rahmen einer großen Reglementsänderung durch 1,6 Liter V6-Turbomotoren abgelöst werden.
Wer all dies noch einmal detaillierter Revue passieren lassen möchte, sollte sich dieses Jahrbuch zulegen. Jedes der 19 Rennen wird in einem Kapitel, bestehend aus zwei oder drei Doppelseiten an Bildern und einer Doppelseite an Text, zusammengefasst. Zusätzlich gibt es noch Extrakapitel zum jetzt viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel, der Technik der Formel 1-Autos, zur Situationen bei Ferrari und Mercedes, zu den deutschen Fahrern und zur GP2-Serie. Am Ende folgt noch eine ausführliche Statistik zu jedem Rennen, außerdem die Fahrerportraits und eine Auflistung der Rekorde aus über 60 Jahren Formel 1.
Um meine Meinung zu diesem Jahrbuch zu erfahren, hätte es im Grunde genommen auch ausgereicht, meine Rezension zum letztjährigen Saisonrückblick von Michael Schmidt zu lesen, da sie ähnlich ausfallen wird. Man erhält einen kompakten Überblick über die zurückliegende Formel 1-Saison, der zwar wieder sehr gut recherchiert ist und mit wirklich eindrucksvollen Bildern aufwarten kann, doch damit er mich tastsächlich komplett überzeugen könnte, müsste mehr Wert auf den Text und nicht auf die Bilder gelegt werden. Also entweder die Bilderseiten zugunsten der Textseiten reduzieren oder eben die Textseiten zusätzlich zu den vorhandenen Bilderseiten erweitern. Durch die eine Doppelseite Text zu jedem Grand Prix kann kein angemessener Überblick über das Rennen gegeben werden, da immer nur Einzelaspekte herausgespickt werden können, da Schmidt auch immer wieder kleinere Teams und Erläuterungen zur Technik erwähnt, was ich sehr befürworte, aber was eben den begrenzten Platz sowieso noch mehr reduziert. So wurden die Technikerläuterungen oftmals auch etwas sehr abgekürzt, so dass ich als Laie ihnen ab und zu nicht mehr folgen konnte.
Was mir außerdem diesmal nicht besonders gefiel, war der etwas pauschale Bericht über Sebastian Vettel. Da werden Pfiffe bei zwei Siegerehrungen als Anlass genommen zu fragen, warum Vettel so unbeliebt sei oder ob eben Seriensieger einfach keine Publikumslieblinge sein könnten. Weiter wird ausgeführt, er sei vielen zu glatt, sein Jubel am Funk nach den Rennen wirke aufgesetzt und er habe die meisten Punkte in der Öffentlichkeit gesammelt, als er, nachdem er beim Malaysia-Rennen die Teamorder missachtet und Mark Webber doch überholt hatte, zu seinem Egoismus stand. In meiner Erinnerung wurde er jedoch gerade für seinen Egoismus kritisiert, das Bild vom ewig freundlichen Sebastian konnte nicht mehr aufrecht gehalten werden, das die Medien stets propagiert hatten, offensichtlich ohne näher zu bedenken, dass schließlich alle Spitzensportler in erster Linie an sich selbst und ihren eigenen Erfolg denken und vor allem denken müssen, sonst wären sie niemals so erfolgreich. Und aus Pfiffen bei zwei Siegerehrungen zu schließen, Vettel sei unbeliebt, finde ich etwas weit hergeholt. Man muss zum einen bedenken, die eine Siegerehrung war in Monza, Fernando Alonso stand neben ihm auf dem Podium, die Ferrarifans mussten mit ansehen, wie ihr Held im vierten Jahr in Folge von Vettel geschlagen wurde, natürlich waren sie enttäuscht, vermutlich gab es in Singapur auch einige von ihnen. Zum anderen sollte man einmal die Begeisterung, die ihm sonst entgegenschwappt, mit bedenken, zum Beispiel bei seinem Heimsieg auf dem Nürburgring oder in Indien bei seinem WM-Triumph. Eine etwas differenzierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik hätte ich mir dann schon gewünscht.

Fazit

Das Jahrbuch liefert wie immer einen kompakten Gesamtüberblick über die vergangene Formel 1-Saison, kann mit tollen Bildern, sehr ausführlicher Statistik und meist guten Inhalten überzeugen, sollte aber vielleicht etwas mehr Wert auf Text als auf Bilder legen.

3,5 von 5 Punkten

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