Mittwoch, 8. Januar 2014

Rezension: Erbarmen - Der erste Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q (Jussi Adler-Olsen)

dtv
Taschenbuch, 432 Seiten
ISBN: 978-3-423-21262-5
9,95
dtv premium, 420 Seiten
ISBN: 978-3-423-24751-1
14,90

Ein kurzer Einblick

2002 verschwand die Politikerin Merete Lynggaard spurlos von einer Fähre, als sie mit ihrem aufgrund eines Unfalls behinderten Bruder Uffe einen Ausflug machte. 2007 versucht der Ermittler Carl Mørck mit der Scham fertig zu werden, dass er bei einem Einsatz seinen beiden Kollegen nicht helfen konnte mit dem Ergebnis, dass einer getötet und der zweite so schwer verwundet wurde, dass er höchstwahrscheinlich für immer gelähmt bleibt. Als die Politik dann beschließt, ein neues Sonderdezernat einzurichten, welches ungeklärte Fälle von besonderem Interesse neu aufrollen und lösen soll, wird Carl Mørck als Leiter auserkoren. Kann er in seinem ersten Fall den Verbleib von Merete Lynggaard klären oder ist sie tatsächlich ertrunken wie alle vermuten?

Bewertung

Über dieses Buch hatte ich im Vorfeld sowohl sehr viele sehr gute Kritiken gelesen, als auch einige schlechte. So etwas reizt mich an einem Bestseller den ich noch nicht kenne am Meisten und ich war gespannt, welcher Meinung ich mich anschließen würde. Mittlerweile reihe ich mich bei denen ein, die Carl Mørck & Co. klasse finden. Diese Kriminalgeschichte ist ein echter Pageturner, der sich wahnsinnig schnell lesen lässt. Dabei braucht die Story ein wenig, ehe sich Carl Mørck und sein syrischer Assistent Assad den Fall Merete Lynggaard überhaupt zuwenden. Doch die tiefgründigen Beschreibungen der Charaktere lassen trotzdem keine Langeweile aufkommen.
Carl Mørck als Protagonist ist eher ein Antiheld. Kein vor Arbeitseifer strotzender Polizist, dem die Arbeit über alles geht, sondern ein schuldbehafteter Mann mit Ecken und Kanten. Seine Kollegen mögen seine Art nicht und durch eine Raffinesse wird er als Leiter des neuen Sonderdezernats außer Sichtweite in den Keller des Präsidiums verbannt. Zu Beginn seiner neuen Karriere verschläft er die Arbeitszeit und löst Rätsel, kurzum er badet in Selbstmitleid. Doch im Laufe der Ermittlungen erhält er seinen Lebensmut zurück und bildet mit Assad ein Duo, das sich hervorragend ergänzt. Aber nicht nur Mørck und Assad sind Adler-Olsen gut gelungen. Vor allem Mørcks „Familie“, seine Noch-Ehefrau Vigga, sein Heavy Metal hörender Stiefsohn Jesper und der merkwürdige aber liebenswerte Untermieter Morten, buhlen um die Sympathie des Lesers und haben meines Erachtens nach einen großen Wiedererkennungswert.
Für die verschwundene Merete Lynggaard erweist sich Mørcks Versetzung als Glücksfall, denn schnell wird klar, dass sie 2002 nicht ertrunken ist, sondern entführt wurde. Die Handlung wechselt nämlich zwischen den Ereignissen, die Merete 2002-2007 bzw. Carl 2007 erleben hin und her. Im Laufe der Geschichte lernt der Leser die charismatische Lynggaard, die vor ihrem Verschwinden eine aufstrebende Politikerin war, immer besser kennen. Dabei sind die einzelnen Kapitel nicht zu lang oder zu kurz gehalten. Man bekommt vielmehr immer die richtige Portion Einblick in die kämpferische Frau, die gleichzeitig aber auch immer mehr verzweifelt.
Ich hatte dabei ziemlich schnell eine Vermutung, wer der Entführer ist – was sich dann auch als richtig erwies – doch die Jagd nach ihm gestaltete sich wie ein verzwicktes Puzzle, dass Mørck und Assad zusammensetzen müssen. Dadurch blieb der Spannungsbogen bis zum spannenden Finale erhalten.
Adler-Olsen beschränkt sich in seinem Serienauftakt aber nicht nur auf die Aufklärung des Falles, sondern er greift auch Themen auf, die manchmal alltäglicher nicht sein könnten: zerrüttete Familien, des Bemühen, Privatleben und Beruf zu trennen, aktive Sterbehilfe… Dadurch konnte ich mich noch mehr in die Personen hineinversetzen.
Was mir jedoch nicht wirklich gefallen hat, war der deutsche Titel. Der Originaltitel „Die Frau im Käfig“ trifft den Kern der Geschichte, doch ein Erbarmen in jedweder Form kommt nicht in der Story vor. Ein anderer deutscher Titel wäre daher passender gewesen.

Fazit

Wenn man den haltlosen Buchtitel außer Acht lässt, wird man sehr schnell in eine extrem grausige aber auch grandios fesselnde Geschichte gesogen, die in einem Schluss endet, der mir sogar ein paar Tränen entlockt hat.

4,5 von 5 Punkten

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