Dienstag, 21. Januar 2014

Rezension: Duell (Arnaldur Indridason)

Bastei Lübbe
Hardcover, 428 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2483-5
19,99 €

Ein kurzer Einblick

Mit „Duell“ lässt der isländische Krimiautor Arnaldur Indridason eine neue Krimireihe um den Ermittler Marian Briem beginnen, der auch bereits in den bekannten Erlendur-Romanen vereinzelt auftauchte. Die Handlung setzt im Reykjavik des Jahres 1972 ein, das komplett durch die Schachweltmeisterschaft, die sich zwischen dem russischen Weltmeister Boris Spasski und seinem US-amerikanischen Herausforderer Bobby Fischer entscheiden sollte, vereinnahmt wurde. Das Match findet auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges statt, die Stadt wimmelt nur so vor russischen und amerikanischen Amtsträgern und Agenten. Da wird plötzlich in einem Kino ein Jugendlicher erstochen, der scheinbar nur die Tonspur eines Filmes aufnehmen wollte. Hat sein Kassettenrecorder vielleicht noch weitere Geräusche aufgenommen, die zum Mord an dem Jungen führten?

Bewertung

Als großer Fan der Erlendur-Romane von Indridason war ich natürlich etwas traurig, dass diese Reihe mit Indridasons letztem Werk „Eiseskälte“ ihr Ende gefunden hat, die ich neben seinen anderen Büchern aufgrund ihrer gelungenen Kombination von Krimi mit geschichtlichen Ereignissen sehr gern lese. Daher war ich besonders gespannt, als ich hörte, er starte eine neue Reihe mit Erlendurs Mentor bei der Reykjaviker Kriminalpolizei, Marian Briem. Diese beginnt nun mit „Duell“ und setzt im Jahr 1972 mit den Ermittlungen zu dem Mord im Kino ein. Ein zweiter Erzählstrang behandelt die Familienverhältnisse von Marian, seine lange Tuberkulose-Erkrankung und seine Beziehung zu einer anderen Patientin, so dass immer wieder Rückblenden in seine Kindheit den Haupterzählstrang unterbrechen. Der Roman ist also wieder ähnlich aufgebaut wie die Erlendur-Reihe, einerseits werden die Ermittlungen geschildert, andererseits ein wenig das Privatleben der Ermittler. Neben Marian taucht noch sein Partner Albert auf und am Ende sogar ganz kurz der junge Erlendur, der gerade bei der Polizei angefangen hat, so dass man für die folgenden Bände darauf hoffen kann, den liebenswürdigen, wenn auch eigenwilligen Kommissar in seinen jungen Jahren näher kennen zu lernen.
Was den Roman ähnlich wie Indridasons andere Werke wieder auszeichnet, ist seine schwere melancholische, depressive Stimmung, die einerseits durch die schwere Lebensgeschichte von Marian Briem aufgebaut wird, der früh einige Schicksalsschläge hinnehmen musste, und die andererseits immer in Verbindung zum Land Island gesetzt wird, das durch seine raue Landschaft und Abgeschiedenheit bei Indridason stets wie ein Land im Winterschlaf wirkt. Diese bedrückende Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch und lässt einen als Leser auch nicht los. Dem Autor gelingt es, sie meisterlich mit seiner schlichten Erzählweise allmählich hervorzurufen, so dass einem die Situation seiner Figuren sehr nahe geht. Ebenso baut sich die Spannung langsam auf, auch indem immer wieder an Schlüsselstellen die Ermittlungen durch Rückblenden in Marians Kindheit unterbrochen werden. Dies führte dazu, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und es beinahe in einem Rutsch durchgelesen habe, so intensiv knobelt man als Leser die ganze Zeit mit Marian mit.
Des Weiteren bot die Rahmenhandlung mit der Schachweltmeisterschaft und den Konflikten zwischen den USA und der UdSSR einen sehr interessanten geschichtlichen Aspekt, der den Ermittlungen noch etwas Würze gab. Diese historischen Begebenheiten werden, soweit ich dies überblicken kann, sehr authentisch wiedergegeben. Vor allem die Situation Islands, das zwischen die Fronten der Großmächte gerät und im Konflikt mit England steht, wird sehr gut herausgearbeitet. Wen interessiert schon das Leben eines isländischen Jungen, wenn man mitten im Kalten Krieg steckt? Was zählt da schon die Aufklärung des Mordes an einem Individuum? Ebenso glaubhaft schildert Indridason die Undurchsichtigkeit der Spionagesituation. Keiner weiß, wem er trauen kann, wer wen bespitzelt, wer Informationen an den Feind weitergibt. Alle sind auf der Hut. Da kann einem Jugendlichen ein Kassettenrecorder schon einmal zum Verhängnis werden...

Fazit

Mit „Duell“ liefert Arnaldur Indridason einen guten Beginn der neuen Reihe ab, der absolut viel Lust auf mehr macht, auch mit der Hoffnung, von meinem lieb gewonnenen Erlendur in den nächsten Bänden etwas mehr zu lesen. Man erhält einen spannenden Krimi, der zusätzlich dem Leser die Situation während des Kalten Krieges näher bringt und wieder von der Indridasontypischen depressiven Stimmung lebt.

4 von 5 Punkten


Wir danken Bastei Lübbe für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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