Mittwoch, 29. Januar 2014

Rezension: Der Spieler (Fjodor M. Dostojewskij)

dtv
Taschenbuch, 173 Seiten
ISBN: 978-3-423-12406-5
7,90 €


Ein kurzer Einblick 

Aleksej Iwanowitsch ist Hauslehrer beim hochverschuldeten General. Dieser sehnt den Tod seiner kranken Großtante herbei, um seine Schulden begleichen und heiraten zu können. Doch diese scheint auf einmal wieder quicklebendig und taucht bei ihm auf. Sie denkt nicht daran, dem General und Paulina, seiner Stieftochter und Aleksej Iwanowitschs großer Liebe, zu helfen. Stattdessen verfällt sie der Spielsucht und zieht ebenso Aleksej mit ins Elend…



Bewertung
 
Dostojewskij beschreibt in diesem teils autobiografischen Kurzroman ein heute immer noch verheerendes Phänomen, das auch ihn selbst erfasste: den Hang zum Roulettespiel. Seine Selbstbetroffenheit beeinflusste dabei wohl, dass es ihm trotz der weniger als 30 Tage, die er an diesem Werk schrieb, gelungen ist, geschickt den sich verstärkenden Sog des Roulettes zu beschreiben.
Aleksej Iwanowitsch ist die bodenständige Hauptfigur, die sich durch ehrliche Arbeit ihren bescheidenen Lebensunterhalt finanziert. Damit bildet er den Kontrast zu den reichen Erben, Heiratsschwindlern und skrupellosen Schuldnern des Romans. Trotzdem ist es gerade er, der der Spielsucht nicht entgehen kann. Sie scheint ihn geradezu allmählich anzulocken. Zunächst möchte er nur seine finanzielle Situation etwas verbessern, doch dann wird er von der Großtante förmlich genötigt, immer mehr Zeit im Casino zu verbringen. Als schließlich seine große Liebe Geld benötigt, ist es um ihn geschehen. Um ihr zu helfen, geht er ins Casino und von diesem Zeitpunkt an geht es mehr oder minder kontinuierlich bergab. Dies ist das besondere Paradoxon des Romans: der beginnt für seine große Liebe zu spielen und schließlich verliert er seine große Liebe durch die Spielsucht. Bis es dazu kommt, beschreibt der Roman eindringlich den Kampf gegen die Spielsucht und wie sie schließlich doch die Überhand gewinnt.
Doch bis zum Sieg des Roulettes über Aleksej Iwanowitsch erlebt der Leser viel Nebenhandlung. Aleksej Iwanowitsch ist nur eine Figur unter vielen und bis es dazu kommt, worauf der Romantitel den Leser bereits seit der ersten Seite warten lässt, vergeht doch einiges an Zeit. Viele Personen tauchen auf, viele Verstrickungen ergeben sich und Aleksej Iwanowitsch ist zwar immer irgendwie mittendrin, aber nicht im Mittelpunkt. Erst als sich alle Probleme aufzulösen scheinen, tritt er durch seine miserable Situation in den Mittelpunkt.
Dies alles beschreibt Dostojewskij mittels seines eindrücklichen Schreibstils und lässt es sich nicht nehmen, häufig einen Teil der Unterhaltung in dem damals üblichen Französisch niederzuschreiben. Leider hat es dtv unterlassen, diese Passagen zu übersetzen, so dass denjenigen, die kein Französisch beherrschen, diese Abschnitte vorenthalten werden, auch wenn sie keine für den Handlungsverlauf wichtigen Informationen enthalten.

Fazit

„Der Spieler“ beschreibt auf eindrückliche Weise, wie jemand völlig unvermittelt der Spielsucht erliegt und sogar seine große Liebe dafür aufs Spiel setzt. Eingebettet in eine ereignisreiche Handlung, folgt das Hauptgeschehen jedoch relativ spät im Romanverlauf, zu dem Dostojewskijs Schreibstil den Leser jedoch leichtfüßig begleitet. Sicher ein guter Einstieg ins Werk Dostojewskijs!

3,5 von 5 Punkten


Wir danken dtv für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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