Mittwoch, 1. Januar 2014

Rezension: Aufstieg der Toten (Z.A. Recht)

Heyne
Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-453-53425-4
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Der Morgensternerreger hat die Menschheit fast komplett ausgelöscht. Großstädte liegen in Dunkelheit versunken und Kontinente gleichen Todeszonen amoklaufender Zombies. Die Überlebenden verstecken und verbarrikadieren sich; hoffen auf ein Heilmittel, das es nicht gibt. Aber vielleicht einen Impfstoff? Dr. Anna Demilio ist auf dem Weg nach Omaha, Nebraska, in ein Geheimlabor, um dort eventuell das Elixier der Hoffnung herstellen zu können.

Bewertung

Das Morgensternvirus hat die Menschheit dezimiert. Kontinente sind entvölkert. Die letzten Überlebenden suchen Zuflucht hinter Barrikaden und der Feuerkraft ihrer Waffen. Landstriche liegen ruhig dar, der Ansturm der Untoten ist vorbei. Großstädte sind unbegehbare Todeszonen. Die umherstreifenden Menschen kundschaften auf dem Land, in Dörfern und einsam gelegenen Gehöften Schlupfwinkel aus; bis auch diese von Zombies entdeckt und gefressen werden. Die Menschheit ist am Ende, der klägliche Rest kämpft um das Überleben und hofft auf einen Impfstoff. Unterdessen ist die Zeit der wandelnden Toten gekommen, derer es zwei Arten gibt: Die Watschler sind träge, schlurfende Gestalten, die allein in der Masse gefährlich werden. Die Sprinter sind anders als die Watschler niemals einen menschlichen Tod gestorben, sondern infiziert und heißbegierig auf frisches Fleisch. Sie scheinen einen Teil ihrer Hirnaktivität behalten zu haben. Stirbt ein Sprinter, kehrt er als Watschler zurück und kann nur durch die althergebrachte Methode endgültig getötet werden: Kopfschuss.
Drei Monate sind seit »Die Jahre der Toten« vergangen und ich könnte meine Rezension des ersten Teils fast wortwörtlich wiederholen, denn die Schwächen bleiben und Stärken gibt es wenige. Schuf der erste Teil der »Morgenstern«-Trilogie eine, wenn auch verschenkte, wunderbare Ausgangsgrundlage für einen actiongeladenen Wissenschafts-Horror-Thriller, bessert Z.A. Recht nicht nach, sondern bleibt seinem Motto treu: Was bisher funktionierte, wird weiterhin funktionieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse fördert »Aufstieg der Toten« nicht zutage, wärmt hingegen alte auf. Ok, Ziel der beiden Gruppen ist es Omaha zu erreichen. Das dortige Geheimlabor könnte eventuell das nötige Wissen besitzen, damit Virologin Dr. Anna Demilio einen Impfstoff entwickeln kann. Vielleicht gibt es dann ja endlich ein paar Geheimnisse zu lüften. Dankenswerterweise wurde der triefende Patriotismus der Soldaten gegen einen mehr oder minder spannenden Survival-Trip ausgetauscht, sodass es wenigstens an dieser Stelle Linderung gibt.
Zombies haben das Land überrannt. Kaum irgendwo ist Sicherheit garantiert. Ja, und? Eine bedrohliche Atmosphäre erschafft der Autor nicht, die Feuerkraft der Soldaten wird jeden Angriff der Horden vernichten. Der ein odere andere Tote ist als Verbrauchsmaterial zu werten, denn wozu auch emotionale Bindungen aufbauen? Hätte dem Roman ja etwas Tiefgang geben können ... Wobei: In den kampflosen Passagen widmet Z.A. Recht sich der Gefühle seiner Protagonisten und versucht ihnen so etwas wie Charakter einzuhauchen. Heraus kommt ein oberflächliches Geschwafel unverarbeiteter Vergangenheitsbewältigung und dem Gemütszustand der ständigen Angst vor einer Infektion. Wer‘s braucht ... Die Figurengestaltung kann somit weder gelobt, noch kritisiert werden. Sie mögen ordentlich skizziert sein, bleiben aber stereotyp und emotionslos. Hauptsache sie verstehen es, eine Waffe zu führen und Zombies aufzuschlitzen!
Zombies ... Zombies ... Zombies ... Auf Dauer ist das doch etwas öde. Das muss sich auch der Autor gedacht haben und pflanzt eine skrupellose Bande vor die Tore einer verängstigen Kleinstadt. General Sherman und seine Soldaten benötigen die Hilfe des hiesigen Mechanikers, der sie darum bittet, seine Tochter aus den Fängen der menschlichen Bestien zu befreien. Das lassen sich die Soldaten nicht zweimal sagen und brechen einen Krieg vom Zaun, der Explosionen, Geballer, noch mehr Geballer und Zombies beinhaltet. Ja, ähm ...? Abwechslung, wo bist du? Anstatt heranstürmender Zombies stürmen Banditen aus dem Wald. Werden die eben abgeknallt. Ob diese ein funktionierendes Gehirn haben, macht auch keinen Unterschied.

Fazit

»Aufstieg der Toten« mausert sich zu einem marginal besseren Roman als »Die Jahre der Toten«, ist aber nach wie vor unausgereifte und standardisierte Einheitskost ohne leserischen Mehrwert. Eines kann man dem Roman aber lassen: Er ist zügig ausgelesen und der Lesezeit braucht keine Träne nachgeweint zu werden.

2 von 5 Punkten

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