Donnerstag, 23. Januar 2014

Filmkritik: Der Medicus

Seit Weihnachten ist die Verfilmung des Weltbestsellers „Der Medicus“ von Noah Gordon in den Kinos. Darin steht der Junge Rob Cole im Mittelpunkt, der eine seltene Gabe hat: er kann fühlen, wenn jemand bald sterben wird. Früh zur Waise geworden, schließt er sich einem herumwandernden Baderchirurgen an, der ihn in die Grundlagen der mittelalterlichen Heilkunst einweist, deren Grenzen Rob sehr schnell erkennt. So reift in ihm langsam der Wunsch heran, Medizin zu studieren. Dazu begibt er sich auf die gefährliche Reise nach Persien, wo der berühmte Universalgelehrte Ibn Sina in Isfahan Medizin unterrichtet.

Das Buch hatte ich im letzten Jahr erst gelesen, was mir jedoch nicht besonders gefallen hatte, so dass ich mir dachte, vielleicht würde der Film mich mehr überzeugen, was jedoch bestenfalls der ersten Hälfte des Films gelang. Der Teil, der in England spielt, ist noch einigermaßen nah am Buch, doch danach hat die Verfilmung nicht mehr viel mit der Buchvorlage gemeinsam, wobei die Veränderungen mich leider noch weniger als die Handlung des Buches überzeugen konnten. Viele Abweichungen waren etwas unsinnig oder machten die Handlung plumper als die des Buches. So tritt etwa eine ganz andere Frau an Robs Seite, der Bader überlebt bis zum Schluss, Robs Lehrzeit in Isfahan wird ziemlich abgekürzt, auch die Kampfhandlungen und die Geschichte rund um den Schah wurden sehr stark verändert. Außerdem wurde die Pest, die im Buch bloß am Rande vorkam, im Film zum zentralen Element. Lang und breit wird gezeigt, wie die angehenden Mediziner gegen die Krankheit kämpfen, immer mehr über ihre Ursachen herausfinden und sie schließlich eindämmen können. Warum man wieder diese gängige Krankheit, die ständig bei Mittelalterbüchern und –filmen auftaucht und erfrischenderweise in der Buchvorlage keine große Rolle spielte, so großen Raum geben musste, erschließt sich mir nicht.
Gelungener empfand ich da dann doch die Darstellung der Entwicklung der Medizin, insbesondere auch den Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft, was viele Heilpraktiken anging. Der Film zeigt sehr gut auf, mit welchen meist falschen Körpervorstellungen, vor allem was das Körperinnere angeht, selbst angesehene Ärzte arbeiteten und wie Fortschritt vor allem durch die Kirche behindert wurde. Auch das Elend, in dem die Bevölkerung im 11. Jahrhundert lebte, besonders wenn man dagegen den Reichtum vieler Städte in Persien sieht, wird sehr gut im Film deutlich, doch sonst hat der Film für mich nicht viel zu bieten. Er ist recht simple aufgebaut, man erhält eine recht nette Geschichte, die durch die Behandlung der medizinischen Situation der damaligen Zeit einen interessanten Aspekt erhält, sonst aber recht plump daherkommt. Es darf natürlich eine klassische Liebesgeschichte nicht fehlen, die dadurch behindert wird, dass die Frau einem anderen versprochen ist und bloß das Objekt eines Tauschgeschäftes darstellt, die Liebesgeschichte des Buches empfand ich dann doch um einiges interessanter und realistischer. Auch die Schauspieler konnten mich nicht mit besonders guten Darstellungen überzeugen, bloß Stellan Skarsgard als der Bader und Ben Kingsley als Ibn Sina lieferten eine wirklich gute Performance ab, die dem Film in seiner sonstigen Mittelmäßigkeit noch etwas Tiefe gab. 

Fazit

Wie man vielleicht an der recht kurzen Besprechung sehen kann, lässt sich in meinen Augen nicht besonders viel zum Film sagen. Man erlebt kein großes Kino, erhält recht simple Unterhaltung, die kaum nachwirkt. Zusätzlich zieht sich vor allem die Handlung in Persien doch ziemlich. „Der Medicus“ ist einfach ein Film, den man sich ruhig mal angucken kann, begeistert wird man aber nicht aus dem Kino herauskommen. Die Buchvorlage würde ich demnach viel eher empfehlen.

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