Samstag, 14. Dezember 2013

Rezension: Scrooge - Ein Zombie-Weihnachtsmärchen (Adam Roberts)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 174 Seiten
ISBN: 978-3-404-16742-5
7,99 €


Ein kurzer Einblick

Jacob Marley blieb nicht tot. »Gehüüürn« ausrufend steht Marley von den Toten auf und sucht Ebenezer Scrooge mit einem Heißhunger auf Fleisch Heim. Eine Zombie-Epidemie bricht zu Heiligabend aus und droht die Menschheit aus der Welt zu tilgen. Scrooge ist als Einziger immun gegen den Erreger und letzte Hoffnung der Lebenden ein Gegenmittel zu finden.

Bewertung

Adam Roberts, der Parodien wie »Das Stiehlnemillion« oder »Sapperlot! Die Va-Dinci Verschwörung«, aber auch SF-Werke wie »Sternennebel« oder »Sternensturm« schrieb, reinterpretierte Charles Dickens bekanntes Weihnachtsmärchen »Eine Weihnachtsgeschichte«. »The Walking Dead« trifft Charles Dickens trifft Science-Fiction: Roberts' alternative Weihnachtsgeschichte lässt die Grundstruktur des Originals unangetastet und zwängt die Idee einer Zombieplage hinein. Erst auf den letzten Seiten des Romans wird deutlich, warum Weihnachten das Fest der Zombies ist. Adam Roberts Verwandlung des Weihnachtsfestes wirkt durch die lieblose und flaue Integration der Zombievariante aufgezwungen und dahingeklatscht. Die eigentlich ausgefallene Geschichte verkommt damit zu einem langweiligen Machwerk, das seinen Reiz allein in der Suche nach Parallelen zum Original findet.

Eine Charakterisierung für Nebenfiguren ist scheinbar unwichtig. Ebenezer Scrooge ist zwar auch nicht die Tiefgründigkeit an Person, wird aber glaubwürdig charakterisiert. Scrooges Traumatisierung in der Kindheit wandelte ihn zum geizigen und verhassten Geschäftsmann, der er im 19. Jahrhundert ist. Ebenezer ist nicht mutwillig böse, er ist bloß ein unglücklicher und enttäuschter Mann, der das Schockerlebnis niemals ablegen oder vergessen konnte. Wäre er nicht derart griesgrämig, wäre er bemitleidenswert. Umso froher darf der Leser sein, zu beobachten, wie sich Scrooge langsam zum Menschenfreund verwandelt.
Als Einziger immun gegen die Seuche liegt die Rettung der Menschheit, die Vernichtung des Ursprungs der Zombieplage in seiner Hand. Die Geister der Weihnacht greifen ihm helfend unter die Arme, unterstützen ihn ihrer Aufgabe angebracht - die Lösung muss Scrooge alleine finden. Der Geist der gegenwärtigen Weihnacht zeigt ihm den Ausbruch der Plage, die Gräuel und die Brutalitäten, derer die Menschen zur besinnlichen Weihnacht ausgesetzt sind. Der Geist der zukünftigen Weihnacht - ein Chauvi des 21. Jahrhunderts mit lächerlichem Jugendslang - unternimmt mit Scrooge eine Zeitreise in das von den Zombies überrannte Europa. Der Geist der vergangenen Weihnacht bringt ihn schließlich wieder zurück ins 19. Jahrhundert, zurück zum Ursprung der Seuche.
Auf der abenteuerlichen Reise durch Bäche von Blut, schrecklichen Abschlachtungen und wandelnder Massen Untoter, die die Erde beherrschen, begegnet Scrooge immer wieder Promis ihrer Zeit. In England beobachtet er, wie Königin Viktoria einem Zombie den Schädel mit der Krone einschlägt. Er begegnet Jack the Ripper, fachsimpelt mit Charles Dickens und H.G. Wells - und begegnet sich selbst auf der Suche nach dem Heilmittel.

Fazit

»Scrooge - Ein Zombie-Weihnachtsmärchen« ist kein beeindruckender Roman. Weder gelingt es der Story eine Parodie zu sein, noch eine intelligente Alternativstory aufzubauen. Zombie-Freunde und Alternativgeschichten-Liebhaber werden angenehm unterhalten, ein bleibender Eindruck wird jedoch nicht zurückbleiben.

3 von 5 Punkten

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