Sonntag, 29. Dezember 2013

Rezension: Grabräuber gesucht (Jeff Strand)

Bastei Lübbe
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3404164196
8,99 €


Ein kurzer Einblick

Andrew Mayhem ist ein tölpelhafter Privatdetektiv, der nach jedem Job greift, der sich ihm bietet. Für 20.000 Dollar gräbt er doch gerne den verstorbenen Mann Jennifer Ashcrofts aus und gerät damit in das Radar eines kranken Killers. Um fünf Menschenleben zu retten - einschließlich seines - muss er den Mörder aufspüren und zur Strecke bringen.

Bewertung

Die Story ist ein ungepflegter Schrebergarten wildwuchernder schrulliger Marotten und obskurer Anbautechniken. Die Grundlage bildet ein gewöhnlicher Boden aus Krimi-Versatzstücken und blutiger Zwischensequenzen. Die Splatter-Effekte waren doch etwas zu starker Tobak? Nun ... Snuff-Filme sind nicht jedermanns Ding. Menschen, die vor laufender Kamera massakriert werden ... pfui! Das muss abgemildert werden: Sättigen wir die Brutalitäten mit schwarzem Humor, dann sitzt der Schock der Leser nicht ganz so tief. Immerhin schreibt Jeff Strand doch keinen Horrorroman, sondern einen Krimi. Das wollen wir nicht vergessen ;-) Glücklicherweise rutscht der Autor nicht in den Slapstick ab. Die Verquickung von Krimi, Humor und expliziter Gewaltinszenierung muss nicht jedem gefallen, funktioniert auch nicht in allen Szenen, doch gelingt Jeff Strand das Spiel mit Schaudern und Lachern ganz gut. Lassen wir nicht außer Acht, dass dies der erste der »Andrew Mayhem«-Romane ist und eines seiner früheren Werke.

Andrew Mayhem ist Privatdetektiv. Er weiß nicht so recht, welcher Beruf ihm liegt und probiert mal jenen, mal diesen. Momentan ist er Detektiv. Ohne Lizenz. Ohne Erfahrung. Mit Problemen, die er versucht vor seiner Frau geheim zu halten. Doch das macht es nur schlimmer. Wenn wir ehrlich sind: Andrew ist eine Flasche! Notorisch ungeschickt, gibt es in seiner Stadt für einen Detektiv bis auf das Ausspionieren der Frauen Ehemänner keine Arbeit. Während er auf die Kinder aufpasst, verdient seine Frau Helen als Krankenschwester den Lebensunterhalt.
Oh, stop - da ist er! Der Job, der Mayhem endlich leichtes Geld verspricht. 20.000 Dollar, um einen Toten auszugraben. Nein, nicht tot ... lebendig begraben Oo Der Tote, Michael mit Namen, schießt mit einer Pistole aus dem Sarg heraus und stirbt an einem Herzinfarkt. Als wenn das nicht genug wäre, taucht ein Fremder auf, schlägt Andrew zusammen, schießt seinem Assistenten und Freund Roger - ebenfalls nicht als Detektiv geeignet - zwei Pfeile ins Bein und sägt ihre Auftraggeberin in mehrere Teile. Andrew hat die Schnauze voll, der Unbekannte zwingt ihn zu einer Puzzlejagd: Mit Snuff-Videos legt er ihm eine Spur. Findet Andrew den Killer, verschont dieser das Leben von fünf Menschen. Ein wenig erinnert die Ausgangslage an SAW.
  1. Der Mörder hat kein hehres Motiv anderen den Willen des Lebens beizubringen.
  2. Der Mörder will gefunden werden.
  3. Der Mörder lässt seinen Opfern keine Chance, er genießt deren Qualen.
Ähm, die Folterszenen sind aber so brutal wie in SAW!

Ein mit Skurrilitäten und Übertreibungen aufgepeppter Plot, lenkt von der unsinnigen Handlungen ab. So seicht, wie der Roman geschrieben ist, so schwarzhumorig er untermalt ist, wird zwar keine ernstzunehmende Story erwartet, etwas mehr Standhaftigkeit wäre aber wünschenswert gewesen. Ein Krimi bleibt »Grabräuber gesucht« trotz allem, eine Parodie wiederum ist dieser Roman bei Weitem nicht. Andrew Mayhem und Roger sind keine Helden, keine sympathischen Tyrannen, sondern stolpernde Nieten, die die Kinder mit zu eventuell gefährlichen Ermittlungen nehmen. Soll das den Spannungs- oder vielleicht gar den Witzfaktor erhöhen? Eher waren Sohn und Tochter nervige Anhängsel, die die Klappe halten mussten, wenn Papi ‚arbeitete‘. Ungeachtet des trotteligen Familienvaters wachsen einem die Figuren ans Herz und wir hoffen das Beste für ein Happy End.

Fazit

Weder Krimi, noch Parodie. Weder geliebter Protagonist, noch gefürchteter Unsympath. Weder extravagant, noch total grottig. »Grabräuber gesucht. Keine besonderen Kenntnisse erforderlich« beißt gewaltig an seinen Schwächen, unterhält jedoch auf sehr angenehme Weise. Die Geister mögen sich an der Qualität scheiden, Andrew Mayhem macht dessen ungeachtet in »Alleinstehender Psychopath sucht Gleichgesinnte« munter weiter.

3 von 5 Punkten

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