Samstag, 28. Dezember 2013

Rezension: Freiheit (Jonathan Franzen)

Rowohlt
Taschenbuch, 736 Seiten
ISBN: 978-3-499-25254-9
9,99 €


Ein kurzer Einblick

Die vierköpfige Familie Berglund scheint nach außen hin die perfekte Familie zu sein: Vater Walter hat einen angesehenen Job, Mutter Paddy ist eine tadellose Hausfrau und dann wären da noch die liebenswerten Kinder Jessica und Joey. Doch als Joey plötzlich zu den Nachbarn zieht, scheint die heile Familie zu zerbrechen. Nichts ist mehr wie vorher. Walter wechselt den Job und Paddy verhält sich nicht nur in Bezug auf Walters besten Freund, den Rockmusiker Richard, sehr merkwürdig…

Bewertung

In „Freiheit“, Jonathan Franzens nächstem Roman nach seinem umjubelten Werk „Die Korrekturen“, erzählt der Autor erneut eine Familiengeschichte. Die Geschichte der Berglunds und insbesondere der Ehe zwischen Paddy und Walter wird aus den verschiedensten Perspektiven von unterschiedlichen Personen der Familie und ihrer Freunde berichtet. Doch von was auch immer die Sprache ist, immer wieder stehen doch Freiheit und das freie bzw. unfreie Handeln der Personen mit im Vordergrund.
Der Roman konfrontiert den Leser mit Personen, die im Verlauf der Handlung mehr oder weniger frei sind, und verdeutlicht, wie Beziehungen sich auf Freiheiten auswirken. So erlebt man Menschen wie Walter und Paddy, von denen man zunächst annimmt, dass sie genau das tun, was sie immer wollten. Doch je besser man sie kennenlernt, desto deutlicher wird, dass ihre familiäre Situation sie zu diesem Verhalten getrieben hat. Als sich ihnen schließlich die Möglichkeit bietet, frei zu handeln, entscheiden sich beide, ohne Berücksichtigung anderer, für genau das, was sie immer machen wollten. Doch auch dieses freie Handeln macht sie nicht glücklicher.
Auf der anderen Seite erlebt man Joey, der sich Freiheiten nimmt, die er eigentlich nicht besitzt, und daran nicht gehindert wird. Doch auch bei ihm erfährt man, dass ihn das nicht unbedingt glücklicher macht und er doch ganz froh ist, Einschränkungen und Hilfestellungen zu erhalten. Das Paradebeispiel eines freien Geistes ist Richard, der Rockstar. Doch auch er kann seine Freiheiten nicht ohne weiteres ausleben und muss erkennen, dass er durch äußere Umstände und Beziehungen zu anderen Personen beschränkt ist, die er gerne auch über seine persönlichen Freiheiten stellt. So verdeutlicht der Roman sehr gut, dass es nicht immer nur darum geht, frei und ungebunden in seinen Entscheidungen zu sein, sondern dass Einschränkungen hilfreich und Beziehungen zu anderen Personen wichtiger sein können, so dass man gerne auf einen Teil seiner Freiheit verzichtet.
Neben dem Hauptgedanken des Romans werden auch aktuelle politische Themen diskutiert. So bietet der Roman etwa die Möglichkeit, sich kritisch mit Waffenlieferungen und dem Bevölkerungswachstum auseinanderzusetzen.

Fazit

„Freiheit“ ist viel mehr als eine Familiengeschichte. Aus unterschiedlichsten Facetten setzt man sich beim Lesen des Roman damit auseinander, was es bedeutet, frei bzw. unfrei zu sein und dass Freiheit eben doch nicht alles im Leben ist.

4 von 5 Punkten

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