Dienstag, 17. Dezember 2013

Rezension: Eine Handvoll Worte (Jojo Moyes)

Rowohlt Verlag
Paperback, 592 Seiten
ISBN: 978-3-499-26776-5
14,99 €

Ein kurzer Einblick

London im Jahre 2003: Ellie Haworth arbeitet als Journalistin bei einer renommierten Zeitung und hat damit beruflich all das erreicht, was sie sich immer gewünscht hat, doch privat läuft es weniger gut. Der Mann, den sie liebt, ist mit einer anderen verheiratet. Bei der Recherche findet sie im Archiv einen Brief aus dem Jahr 1960, in der der Verfasser seine Geliebte bittet, ihren Ehemann für ihn zu verlassen. Das Schicksal dieser beiden Liebenden lässt Ellie nicht los, sie beginnt Nachforschungen anzustellen und findet schließlich Jennifer, die Adressatin des Briefes, die 1960 ein angenehmes Leben mit ihrem vermögenden Mann führte, sich jedoch in einen anderen verliebte. Doch warum lebt sie allein, was ist aus ihrer Liebe geworden?

Bewertung

Womit der Roman direkt überzeugt, ist der originelle, Spannung bietende Aufbau der Handlung. Im Vorwort treffen wir auf Ellie, die im Archiv ihrer Zeitung den oben erwähnten Brief findet. Dann wandern wir im ersten Teil des Buches ins Jahr 1960, der mit Jennifer nach einem Autounfall einsetzt, den sie schwer verletzt und mit Gedächtnislücken überlebte. Sie gewöhnt sich nur langsam an ihr altes Leben, in dem ihr alles, insbesondere ihr Ehemann, fremd vorkommt. Schließlich findet sie versteckte Liebesbriefe ihres Liebhabers, an den sie sich jedoch nicht erinnern kann und den sie nun überall mit den wenigen Hinweisen, die sie seinen Briefen entnommen hat, sucht. Ein zweiter Erzählstrang berichtet von Jennifers Kennenlernen mit „Boot“, ihrem Liebhaber, in Frankreich und dem langsamen Beginn ihrer Beziehung zueinander. Der zweite Teil spielt schließlich im Jahr 1964 und im dritten Teil kehren wir wieder zu Ellies Geschichte zurück, die sich auf die Suche nach Jennifer macht und den Ausgang ihrer Liebesbeziehung herausfinden möchte, gleichzeitig aber auch versucht, Ordnung in ihr Liebesleben zu bringen. Außerdem sind viele Kapitel so angelegt, dass man nicht direkt weiß, welche Handlung nun erzählt wird, da auch oft die Sicht von Nebenfiguren erläutert wird. Dies fordert eine höhere Aufmerksamkeit des Lesers als oftmals üblich, was ich als sehr angenehm empfand, die Handlung ist komplexer dadurch und wiederum auch viel spannender. Als kleines, interessantes Extra sind jedem Kapitel noch echte, von der Autorin gesammelte letzte Briefe, Mails, Postkarten vorangestellt, die meist in irgendeiner Form eine Trennung behandeln. Sie geben einen aufschlussreichen Einblick in die moderne Kommunikation zwischen Liebenden oder ehemals Verliebten und ergänzen so die Handlung des Buches noch um einen interessanten, realen Faktor.
Was Aufbau und Spannung des Buches angeht, da überzeugt „Eine Handvoll Worte“ also sehr, ansonsten liest man doch eine sehr klassische, tragische Liebesgeschichte, die mir persönlich im Gegensatz zu Moyes´ erstem Werk „Ein ganzes halbes Jahr“ ab und zu ein wenig zu sehr ins Kitschige abrutscht. Sie bietet mit diesem Roman nichts Neues an, der Handlungsablauf ist nicht sehr originell, ab und zu geradezu klischeehaft und eher unrealistisch mit Gedächtnislücken nach einem Autounfall, die sie natürlich ihren Liebhaber vergessen, aber sonst alles Andere mit der Zeit wieder einfallen lassen und ähnlichem. Moyes gelingt es aber immerhin wieder, dass man mit ihren Hauptfiguren mitfiebert, ihnen nur das Beste wünscht und immer weiter lesen muss, weil man endlich den Ausgang der Geschichte erfahren will. Sie wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf, was zum Ende hin die Spannung noch mehr erhöht, so dass ich wirklich über die letzten 100 Seiten das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen konnte. Sehr gut unterhalten kann der Roman somit auf jeden Fall.
Einen interessanten Aspekt neben der Liebesgeschichte bildet noch der Vergleich der Lebenssituationen von Frauen in den 1960er und den 2000er Jahren, die Moyes durch ihre Hauptfiguren Jennifer und Ellie gegenüberstellt. Die erste ist nicht berufstätig, hat einen reichen Mann geheiratet, für den sie im Grunde genommen bloß schmückendes Beiwerk ist, ihre Meinung ist nicht gefragt, sie ist bloß dazu da, hübsch auszusehen, angemessene Feiern zu organisieren und schließlich ihrem Mann Kinder zu schenken. Sie ist völlig von ihrem Mann abhängig, ohne ihn wäre sie komplett mittellos. Die zweite wiederum ist auf sich allein gestellt, berufstätig, sorgt für sich selbst, kann ihre eigenen Entscheidungen treffen und kann sich auch ohne einen Mann problemlos ernähren. Auch wenn insbesondere Jennifers Ehe etwas klischeehaft geschildert wird, zeigt das Buch doch überzeugend auf, wie viel sich für Frauen, was ihre Selbstständigkeit angeht, doch in den letzten Jahrzehnten getan hat, wie sich auch gerade die Bewertung von berufstätigen Frauen mit der Zeit gewandelt hat.

Fazit

„Eine Handvoll Worte“ ist eine spannende, gefühlvolle Liebesgeschichte, die ihren Leser wirklich unterhalten und in ihre Handlung hineinziehen kann, so dass er fast alles um sich herum vergisst. Wenn einem dies ausreicht, wird man mehr als zufrieden mit dem Buch sein. Nach dem Lesen wirkt der Roman zwar nicht lange nach, doch man kann mit ihm viele unterhaltsame Stunden verbringen.

4 von 5 Punkten

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