Mittwoch, 11. Dezember 2013

Rezension: Die unheimliche Bibliothek (Haruki Murakami)

DuMont
Hardcover, 64 Seiten
ISBN: 978-3-8321-9717-9
14,99 €


Ein kurzer Einblick

Eigentlich wollte der Junge nur zwei Bücher zurückgeben - doch dann entschließt er aus dem Bauch heraus, nach neuer Lektüre zu forschen. Der alte Bibliothekar kerkert ihn im labyrinthischen Keller ein. Bei Tee und Donuts, bedient vom Schafsmann und dem stummen Mädchen, verzehrt er die ausgeliehenen Bücher ... während die Grenze der Realität verschwimmt.

Bewertung

Kat Menschik illustrierte mit »Die unheimliche Bibliothek« nach »Schlaf« und »Die Bäckereiüberfälle« nun eine dritte Kurzgeschichte Haruki Murakamis und verleiht der Erzählung einmal mehr eine eigene Stimme. Die schaurig-düsteren Illustrationen unterstreichen die vornehmlich einfache Story mit einer bedrückenden Note und heben das Unheimliche dieses Bibliotheksbesuchs hervor. Auf dem Weg zum Lesesaal, zum Kerker der Angst, beginnt sich die Realität unmerklich zu wandeln und stülpt den Hut des Surrealismus endgültig über, als der Schafsmann und das stumme Mädchen, das doch sprechen kann, in Erscheinung treten.

Haruki Murakami verknüpft auf unnachahmliche Weise das Alltägliche mit einem schwer zu greifenden Surrealismus. Aus Sicht des Jungen erzählt, von eindringlichen Gefühlen und Kat Menschiks Illustrationen untermalt, öffnet sich eine Welt, die schwer zu bewältigen ist. Was verbirgt sich im Kellerlabyrinth? Was hat es mit dem stummen Mädchen auf sich - ist sie die Hoffnung in der Finsternis? Zwischen Realität und Surrealismus schwebend, stellt sich eine einfache Handlung dar, die sich erst in der Tiefe im Labyrinth des Verstehens verliert. Flüchten wir vor der Angst? Stellen wir uns ihr? Was möchte uns die Stimme des Jungen mitteilen? Sinn und Bedeutung liegen beim Leser. Die Interpretation muss jeder selbst leisten.

Fazit

»Die unheimliche Bibliothek« ist eine extremst kurzweilige Geschichte, die geprägt ist von Einsamkeit und dem Gefühlt von Angst. Kat Menschiks Illustrationen unterstreichen Haruki Murakamis Worte auf bedrohliche Art. Die Aussagekraft liegt in der Imagination des Lesers verborgen.

5 von 5 Punkten

Kommentare:

  1. Ave,
    ich erdreiste mich einfach mal, in meiner nächsten Monat kommenden Rezension zu dem Buch auf diese kleine aber feine Meinung hier zu verweisen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Hallo seitenfetzer,

      kein Problem. Ich bin gespannt auf deine Meinung. Ich muss mich sogar eher bei dir bedanken. Hab durch deinen Kommentar spontan bei DuMont vorbeigeschaut und gesehen, dass "Birthday Girl" als schmucke Ausgabe für April angekündigt ist.

      LG Benjamin

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