Mittwoch, 4. Dezember 2013

Gastrezension: Krampus (Brom)

Knaur
Hardcover, 504 Seiten

978-3-426-65344-0
19,99


Ein kurzer Einblick

Bevor er einem Komplott des Nikolaus' zum Opfer fiel, war Krampus der Herr der Julzeit. Nun aber kennt ihn niemand mehr, das Julfest wird nicht mehr gefeiert, stattdessen glauben die Kinder nur noch an den Weihnachtsmann. Doch seine jahrhundertelange Gefangenschaft neigt sich nun dem Ende zu, denn dem Musiker Jesse ist der Schlüssel für Krampus' Befreiung in die Hände gefallen.

Bewertung

Für seinen zweiten auf Deutsch übersetzten Roman hat Autor Brom ganz tief in der Mythologie-Kiste gewühlt und etwas Passendes für die Vorweihnachtszeit zu Tage befördert: Krampus, den Herrn des Julfestes. Dieser war mir bisher vollkommen unbekannt, aber man ist ja neugierig und spätestens bei der Erwähnung des Julfestes hatte Brom mich.
Protagonist Jesse wird in die Ereignisse rund um den Konflikt zwischen Krampus und dem Nikolaus hineingezogen. Eines Abends trifft er auf die Belznickel, die Diener des Herrn der Julzeit, die vom Nikolaus und dessen Dienern verfolgt werden. Durch Zufall fällt Jesse der Sack des Loki in die Hände – der berühmte Sack des Nikolaus, der also heidnischen Ursprungs ist. Sowieso erhält man in diesem Buch einen Schnellkurs in nordischer Mythologie, in der Brom wie zuhause scheint.
Krampus ist eine geschundene Figur, die versucht, zu ihrem Recht zu kommen, und dennoch bleibt am Ende ein letzter Zweifel darüber, wer hier der „Gute“ und wer der „Böse“ ist: Krampus oder Nikolaus. Besonders die Mittel, zu denen Krampus greift, um das Julfest wieder zu etablieren, wirken sehr brutal und rücksichtslos. Er fühlt sich fremd in dieser Welt, die eben nicht mehr die seine ist und in der sich alles geändert zu haben scheint. Die Menschen kennen seinen Namen nicht mehr und schrecken vor seiner Gestalt zurück, nennen ihn sogar „Teufel“.
Wie Krampus ist auch der Musiker Jesse eine gescheiterte Figur: Beruflich recht erfolglos und abgewrackt hat er seine Frau an einen anderen Mann verloren und mit ihr seine Tochter Abigail. Da scheint der Geschenkesack wie gerufen, denn mit diesem kann Jesse endlich wieder bei seiner Ex-Frau punkten – wenn ihm nicht Krampus und dessen Rachefeldzug in den Weg kämen.
In „Krampus“ geht es aber nicht nur um den offensichtlichen Konflikt zwischen Krampus und dem Nikolaus, hier liegt ein tiefer gehender Streit zugrunde, nämlich der zwischen Natur und Kultur, der zwischen dem dionysischen und dem apollinischen Prinzip. Krampus symbolisiert die ungezügelte Leidenschaft, das Rohe, manchmal Gewalttätige. Wohingegen der Nikolaus als der Heilige aus den Legenden erscheint: Gezügelt, beherrscht, ehrwürdig. Darüber hinaus allerdings scheint Krampus ehrlicher und direkter zu sein, der Nikolaus spinnt Intrigen und schließt das, was ihm unbequem ist, weg. Am Ende bleibt eine wirkliche Wertung aus, aber man spürt die Sympathie des Autors für Krampus sehr deutlich. Diese Sympathie drückt sich auch in der Liebe zum Detail aus, denn in der Mitte des Buches finden sich mehrere Hochglanzseiten mit Farbzeichnungen der wichtigsten Charaktere. Obwohl diese sehr schön sind, hätte ich darauf verzichten können, da sie viel zu sehr ein Bild vom Charakter vorgeben und wenig eigenen Raum für Vorstellungen lassen.
Trotz der Brutalität und seiner rüden Vorgehensweise, bei der durchaus Köpfe rollen und Kinder geängstigt werden, war mir Krampus auch sympathisch – er trifft genau den Nerv unserer Zeit, nämlich die leise Kritik an der Art, wie wir mit der Natur umgehen und sie für unsere Zwecke ausbeuten.

Fazit
 
„Krampus“ ist ein schöner Schmöker für die Vorweihnachtszeit, hinter dem mehr steckt, als man auf den ersten flüchtigen Blick vermutet. Allerdings ist das Buch auch nichts für schwache Nerven, da es hier durchaus sehr brutal zur Sache geht. Der zornige Krampus ist nun mal nicht zimperlich …

4 von 5 Punkten

Diese Rezension verfasste Vanessa Lellig für Legimus
www.salznachbelieben.blogspot.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen