Dienstag, 3. Dezember 2013

Filmkritik: Der Hobbit I - Eine unerwartete Reise


Zur Vorbereitung auf den zweiten Teil der Verfilmung von J. R. R. Tolkiens Fantasyklassiker „Der Hobbit“, der nächste Woche in die deutschen Kinos kommt, habe ich mir noch einmal den ersten Teil der Saga „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ angesehen, die wie die Herr der Ringe-Verfilmungen ebenso vom Regisseur Peter Jackson auf die Leinwand gebracht wurden. Darin macht sich der junge Bilbo Beutlin mit dem Zauberer Gandalf und 13 Zwergen um Thorin Eichenschild auf den Weg zum Berg Erebor, um das Königreich der Zwerge vom mächtigen Drachen Smaug zurückzugewinnen.

Was im Gegensatz zum Buch direkt bei dieser Verfilmung auffällt, ist die viel stärkere Anlehnung an Herr der Ringe, die sofort zu Beginn des Filmes einsetzt, als wir zu den Vorbereitungen zu Bilbos Geburtstag geführt werden, mit denen auch der erste Teil von Herr der Ringe beginnt. Der nunmehr alte Bilbo schreibt an diesem Tag die Geschichte seiner abenteuerlichen Reise auf, die er an Frodo richtet, der zusätzlich – im Gegensatz zum Buch – auch kurz vorkommt. Geschickt wird auch die gleiche Musik wie aus Herr der Ringe eingesetzt, als das Auenland auftaucht. Man bekommt sofort ein wohliges Gefühl, so als ob man endlich wieder alte Freunde trifft oder nach langer Zeit wieder nach Hause kommt, und denkt sich, endlich, endlich bin ich wieder zurück in Mittelerde. Der Film hat wieder diese für mich einzigartige Atmosphäre, die auch schon die Herr der Ringe-Filme auszeichnete und die unter anderem von der wirklich tollen Filmmusik herrührt.
Was an anderen wichtigen Änderungen zur Romanvorlage auftaucht, ist zum einen eine sehr feindselige Atmosphäre zwischen Elben und Zwergen, das Auftauchen der Figuren Galadriel, Saruman und Radagast, die die Funktion haben, Entwicklungen in Mittelerde, die später für Herr der Ringe wichtig werden, aufzuzeigen, und der Hauptgegner von Thorin, der Ork Azog, der im Buch bereits tot ist. Durch seine Figur kommen mehr Action, Kampfelemente und auch Pathos in die Handlung. Thorin wird stärker zum wirklichen Helden, zum wahren König der Zwerge stilisiert, was ich im Vergleich zum Roman sogar besser fand, da er mir dort viel zu schwach gezeichnet ist.
Neben der Verwendung von mehr Action und Pathos, was für heutige Literaturverfilmungen und generell Filme schließlich gang und gäbe ist, kann der Film aber auch wichtige Elemente des Buches, von dem er sich sonst – außer bei den genannten Punkten – nicht wesentlich entfernt, gelungen darstellen. Vor allem die Weiterentwicklung von Bilbo, die auch im Roman einen wichtigen Faktor darstellt, wird überzeugend, einfühlsam und nachvollziehbar entwickelt, seine Selbstzweifel und auch die Zweifel der Zwerge, ob er der schwierigen Reise gewachsen ist, werden sehr deutlich. Dazu kommt auch, dass Martin Freeman für mich eine sehr gute Besetzung für die Rolle des Bilbo darstellt. Er verleit dieser Figur so viel Wärme, Tiefe, aber vor allem auch Witz – der Rätselwettbewerb zwischen Bilbo und Gollum ist für mich die beste Szene im gesamten Film –, dass er für mich neben Ian McKellen zu den Stars des Films gehört, der wieder Gandalf so viel Humor und Liebenswürdigkeit einhaucht, dass er seiner sehr guten Darstellung in Herr der Ringe in nichts nachsteht.

Fazit

Trotz seiner Dauer über zweieinhalb Stunden kommt bei diesem Film keinerlei Langeweile auf, die das Buch allerdings doch ein wenig zur Mitte hin aufweist. So kann er aufgrund der erwähnten Punkte durchaus mit dem sehr guten Roman mithalten, was ich eher selten Literaturverfilmungen attestieren kann. Filmtypische Elemente wie mehr Action und Pathos würde ich nicht kritisieren wollen, die gehören bei Filmen einfach dazu, auch die stärkere Anlehnung an Herr der Ringe empfand ich als stimmig. Vielleicht hätte man auf Azog, Galadriel, Saruman und Radagast verzichten können, stören tun sie in meinen Augen aber auch nicht. Der Film unterhält auf jeden Fall ungemein und macht Lust auf die beiden folgenden Teile, die eine Bewertung der Verfilmungen auch erleichtern werden, da man weiß, wie es weiter geht und wozu Veränderungen zur Buchvorlage verwendet wurden. Wer Lust an weiteren Szenen und ganz viel Bonusmaterial hat, kann sich zu Weihnachten jetzt auch die gerade erschienene Extended Edition wünschen.

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