Mittwoch, 30. Oktober 2013

Rezension: London. Die Biographie (Peter Ackroyd)

Albrecht Knaus Verlag
Taschenbuch, 800 Seiten
ISBN: 978-3-8135-0290-9
25,00 €

Ein kurzer Einblick

Peter Ackroyd widmet sich in diesem Werk der rund 2000 Jahre andauernden Geschichte von London von ihren antiken Anfängen über die Stadt prägende Plünderungen im Mittelalter über die „Große Pest“ und den „Großen Brand“, die London im 17. Jahrhundert heimsuchten, über die Entwicklung zum modernen London, das durch stetige Ausbreitung und als Zentrum der industrialisierten Welt gekennzeichnet ist, bis hin zum aktuellen Erscheinungsbild der Stadt. Er nutzt dazu unzählige alte und auch neue Quellen, die bisher kaum Beachtung gefunden haben, und versucht damit, die Entwicklung von London bis heute erkenntnisreich und unterhaltsam zu schildern.

Bewertung

Direkt als Hinweis vorneweg: Ich habe nicht die hier angegebene deutsche Ausgabe des Buches gelesen, sondern eine etwas gekürzte englische Fassung („London. The concise biography“), die es anscheinend nicht auf Deutsch gibt. Somit kann ich die komplette Version des Buches nicht völlig beurteilen. Ich vermute aber, dass der Unterschied zwischen beiden Büchern nicht dermaßen groß sein wird, so dass sich meine Enttäuschung beim Lesen der gekürzten Version sicherlich auch auf die längere übertragen lassen kann. Ich hatte recht viel von dieser „Biographie“ erwartet, auch aufgrund der sehr guten Bewertungen, die ich im Internet dazu gefunden hatte, die ich aber nunmehr nach der Lektüre gar nicht nachvollziehen kann. Ich fand das Buch leider ziemlich schlecht. Dies mag ein wenig an der kürzeren Fassung liegen, doch ich kann mir nicht vorstellen, dass das Buch bloß aufgrund von Kürzungen so schlecht geworden ist.
Allein vom Aufbau her gefiel mir das Werk bereits nicht. Der Autor geht zwar grob chronologisch vor, beginnt in der Antike und arbeitet sich bis hin zum Zweiten Weltkrieg und aktuellen Entwicklungen in London vor. Doch an sich ist das Buch nach Themen sortiert, die dann meist, zum Beispiel bei neu entstehenden Wirtschaftszweigen, von ihrem Einsetzen in der Welt bis heute oder eben bis zu ihrem Verschwinden behandelt werden. Es gelingt dann allerdings nicht, all diese einzelnen Themen zu einem großen Ganzen zusammenzuführen. Sie stehen zu sehr für sich allein und ergeben eben keine zusammenhängende Geschichte der Stadt London. Man erhält natürlich sehr viele Informationen zu den einzelnen Themenbereichen, der Autor kennt sich wirklich sehr gut mit der Geschichte der Stadt aus und hat auch Unmengen an Quellen genutzt, auch zum Beispiel literarische Texte, die sich mit London und Entwicklungen innerhalb der Stadt auseinandersetzen, so dass man die Arbeit, die Ackroyd in dieses Werk gesteckt hat, gar nicht hoch genug einschätzen kann. Auch sind in meinen Augen alle wichtigen Aspekte dabei, das große Manko des Buches ist eben das Fehlen einer Gesamtgeschichte, die Themen stehen zu isoliert nebeneinander und werden sehr schlecht miteinander in Verbindung gebracht. Daher war die Lektüre auch meist sehr langweilig in meinen Augen. Ich hab oftmals den Text seitenweise übersprungen und musste mich ständig zum Weiterlesen quälen. Zum Glück gab es auch hin und wieder einige gute Kapitel, zum Beispiel zur Pest oder zum Großen Brand von 1666 oder auch zum „Blitz“ auf London während des Zweiten Weltkrieges, die mich zum Weiterlesen brachten. Leider kam auch insbesondere die Thematik, die mich am meisten interessierte, das römische London, viel zu kurz. Dafür konnte man viele Seiten zum Geruch oder zu den Geräuschen der Stadt lesen, die mich unendlich gelangweilt haben, was selbstverständlich auch immer Geschmackssache ist. Für mich stellte sich auf jeden Fall keinerlei Lesevergnügen ein, bloß stetiges durch die Seiten kämpfen, so dass ich das Buch am nächsten Mal vielleicht nur noch lesen würde, um einzelne Aspekte näher kennen zu lernen, aber nicht mehr in einem Rutsch, denn eine zusammenhängende Geschichte der Stadt, um die es mir ging, bietet es leider nicht.
Auch fehlten zumindest in der mir vorliegenden Ausgabe Karten, die einem beim Verständnis des Inhalts sehr geholfen hätten. Es werden unzählige Vororte und Stadtteile von London erwähnt, die man geographisch aber aufgrund der fehlenden Karten gar nicht zuordnen kann, von denen aber gewartet wird, dass der Leser sie problemlos lokalisieren kann. Es gibt bloß eine Karte von London im Jahr 1800 und eine aus dem Jahr 2000, die aber nur den engeren Innenstadtbereich abdecken und mir nicht ausreichten. Immerhin wurde das Buch um ein Literaturkapitel erweitert, so dass man gute weiterführende Literaturtipps erhält, ebenso eine Zeittafel zu Beginn des Werkes, von der ich mir gewünscht hätte, dass sie deutlich mehr abgearbeitet worden wäre.

Fazit

Leider wurde ich mit dieser „Biographie“ der Stadt London ziemlich enttäuscht. Man kann dem Autor nicht vorwerfen, er habe nicht genug Arbeit in sein Werk gesteckt oder wichtige Aspekte übersehen, doch die Herangehensweise, die Geschichte Londons in einzelne Themenbereiche zu unterteilen, führt in meinen Augen dazu, dass sie zu isoliert nebeneinander stehen und keine zusammenhängende Geschichte entsteht, was zumindest bei mir zu sehr viel Langeweile geführt hat.

2 von 5 Punkten

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