Freitag, 11. Oktober 2013

Rezension: Erika Mustermann (Robert Löhr)

Piper
Klappenbroschur, 272 Seiten
ISBN: 978-3-492-05452-2
16,99 €


Ein kurzer Einblick

Friederike ist seit eh und je Mitglied bei den Grünen. Als diese bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wegen der neu eingezogenen Piratenpartei viele Stimmen verlieren und sie zudem gegen einen der Abgeordneten der Piraten sowieso einen Greul hegt, beginnt sie einen regelrechten Feldzug gegen ihn und seine Partei. Doch dafür muss sie sich tief in die Welt der Piratenpartei begeben und je mehr dies geschieht, desto schwerer kommt sie von ihr wieder los…

Bewertung

Es ist eine lustige, wenn auch im nicht satirischen Sinne, übertriebene Idee, dass sich ein Mitglied über den Stimmenverlust der eigenen Partei so sehr ärgert, dass es gegen eine andere Partei ins Feld zieht. Doch Robert Löhr hat diese Idee mit dem Diebstahl geistigen Eigentums nett zu dem Auslöser eines Rachefeldzugs verbunden. Friederike und ihr Unverständnis über die Meinungen der Piratenpartei hat er dabei so gut gestaltet, dass man ihr wirklich abnehmen kann, dass sie sich als alleinerziehende Mutter eines Kindergartenkindes in diese Idee verrennt. Dabei hat Robert Löhr mit Friederike einen derart sympathischen Charakter geschaffen, dass man ihre Einstellungen vielfach gut nachvollziehen kann und mit ihr, obwohl sie häufig auch selbstverschuldet Mist baut, einfach mitfühlen muss.
Im Grunde ist Friederike jedoch nur ein Hilfsmittel, um den Leser in die piratische Welt abtauchen zu lassen. Während der Durchführung von Friederikes Plan, die Piratenpartei zu vernichten, lernt der Leser diese, ihre Mitglieder und deren Verhaltensweisen äußerst gut zu verstehen. Robert Löhr hat hier offenbar sehr gut recherchiert, so dass man mit der Zeit das Gefühl hat, die piratische Welt mit ihren Club Mate-trinkenden Nerds richtig gut zu kennen. Weiterhin kann man in die Auseinandersetzung mit den klassischen Themen der Partei eintauchen und sich durch Friederikes Position dazu ganz gut selbst eine Meinung bilden. Hat man die realen Geschehnisse rund um die Berliner Piraten-Abgeordneten nicht bereits aus den Medien entnommen, kann man in diesem Roman hautnah erleben, wie Politik im Verständnis der Piratenpartei funktioniert, oder auch eben nicht.
Dies alles sind jedoch eigentlich Nebenaspekte einer durchaus spannenden und abwechslungsreichen Handlung. Obwohl die Geschichte auf den ersten Anhieb nicht viel Handlung verspricht, passieren doch immer wieder unvorhergesehene Dinge, die die Handlung wieder in eine andere Richtung lenken, bzw. einem die Figuren noch näher bringen. Denkt man zu Beginn, dass der Ausgang der Geschichte doch ziemlich klar ist, wird man im Laufe des Lesens mehrfach überrascht. Sogar das Ende hätte so wohl niemand erwartet.
Der Roman ist ohne große Mühe schnell gelesen. Dies wird auch dadurch gefördert, dass er zur Auflockerung vielerlei typische Kommunikationsformen der Piraten erhält. So kann man im Roman Twitter-Nachrichten, Chats oder Sudokus finden. Weiterhin bringt der mit seinen satirischen Darstellungen den Leser doch das ein oder andere Mal heftig zum Schmunzeln.

Fazit

Der Roman führt auf nette Art und Weise in die etwas andere Welt der Mitglieder der Piratenpartei ein. Er lässt den Leser mittels einer sympathischen Hauptfigur die Partei besser verstehen, jedoch auch kritisch betrachten. Auf jeden Falle eine nette, spaßige Unterhaltung für Zwischendurch, die man schnell mal durchlesen kann.

3,5 von 5 Punkten


Wir danken Piper für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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