Sonntag, 20. Oktober 2013

Rezension: Benjamins Parasit (Jeff Strand)

Voodoo Press
Taschenbuch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-902802-18-7
12,95 €


Ein kurzer Einblick

Mit beißenden Magenschmerzen wird Highschool-Lehrer Benjamin ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte entdecken im Magen-Darm-Trakt einen Parasiten, der aus einem ach so ultrageheimen Labor entkommen ist. Bevor Benjamin operiert werden kann, entführt ihn die Kopfgeldjägerin Julie und schleift ihn quer durch die Staaten. Ihnen auf der Fährte sind die tollpatschig, belämmerten Gegenspieler Clyde und Joey. Alle haben das Beste für Benjamin im Sinn - oder doch eher die Wissenschaftler ihre Geldbörse?

Bewertung

Benjamin ist Highschool-Lehrer, steuert auf die 40 zu ... Ich mache es kurz: Benjamin ist der Durchschnittstyp mit Frau und Tochter, für dessen Charakter keinerlei kreative Ideen anfallen (müssen). Sein Leben ändert sich auf der Beerdigung eines Schülers, der nach einem unerklärlichen (pscht: das Hack & Slay-Gewaltspiel ist einer Studie nach Schuld - also nichts Neues an der Amokfront ;-) ) Amoklauf erschossen wurde. Benjamin bekommt enormen Appetit auf Schokolade und Sex; landet im Krankenhaus und wird entführt.

Splatter, Ekel, Blut und Humor? Dies jedenfalls preist der Roman an und behält nicht ganz unrecht. Doch eine irrwitzige Horror-Komödie, die das Zwerchfell zerreist (fehlt in deinem Magen-Darm-Trakt besagter Parasit?) ist »Benjamins Parasit« nicht. Der Horror beschränkt sich auf abstoßende Beschreibungen des Schmarotzers. Dieser windet sich in Benjamins Bauchgegend. Zwickt und reißt an seinen Gedärmen. Kriecht mit schleimig-glatter Haut die Kehle hinauf, um sich in den Gesichtern Benjamins Gegenüber zu verbeißen, während sein anderes Ende in Benjamins Magen mit Widerhaken verankert ist. Appetitliche Szenen zum Mittagessen - unbedingt ausprobieren! Oder um es in zitierten Worten auszudrücken:
»‚Mann muss kein Jesus-Freak sein, um zu wissen, was richtig und falsch ist.‘« (Benjamins Parasit)
Lasst es also, denn die inszenatorische Qualität ist wirklich unappetitlich. Doch woher kommt dieser Parasit? Aus einem geheimen Geheimlabor, das strengster Sicherheitsstufen unterliegt. Wie sonst hätte die Kannibalen-Kuh aus ihrem Käfig ausbrechen können? Was es mit dem Parasiten auf sich hat, wird leider nicht gänzlich klar. Wissenschaftliches Experiment? Sicherlich! Vermarktung? Bei Erfolg: vermutlich! Eine Vertiefung der Natur des Parasiten hätte dem Ende des Romans einen befriedigenderen Abschluss gegeben. Das Augenmerk liegt jedoch mehr auf den parodistischen Figuren und dem Road Trip quer durch die Staaten. Action und Schnelligkeit zeichnen den konsequenten Handlungsbogen aus, der mit Müh und Not die Leselust aufrechterhält. Der Humor ist platt, die Dialoge (meist) nicht witzig und die Handlung läuft eh auf ein erwartungsgemäßes Ziel hinaus. Die Beziehung zwischen Benjamin und seiner Entführerin (übrigens eine wahre Schönheit) ist einfallslos und unausgegoren. Jeff Strands überzeichnete Stereotypen passen in die Schemata der Übertreibung und versuchten Pfiffigkeit, erreichen jedoch nie das Niveau eines intelligent geschriebenen Dialoges, dem man mit Vergnügen folgt. Einziger Lichtblick der lustigen Unterhaltung und humoristischen Ader des Romans sind die sich spinnefeinden Brüder Clyde und Joey. Deren Auseinadersetzungen erfolgen in den schrägsten, unpassendsten Momenten und führen zu einer willkommenen Komik. Da wäre z.B. folgende Szene: Julie hat Benjamin allein angekettet im Auto zurückgelassen. Die Brüder wollen die Situation ausnutzen und Benjamin ihrerseits entführen, doch die Handschellen verhindern dies. Was tun? Die Brüder brechen eine lautstarke Diskussion vom Zaun, wie diesem Problem beizukommen sei. Skrupellose Verbrecher, die kaum einen Fuß vor den anderen setzen können: das ist absurd und mit Esprit geschrieben. So hätte »Benjamins Parasit« in seiner Gesamtheit gestaltet sein müssen.

Fazit

Langweilig wird »Benjamins Parasit« nicht, denn der irre Road Trip durch die Staaten, leidet nur am Anspruch eines scharfsinnigen Humors mit Splattereinlagen. Verblödete Gangster, skrupellose Experimente ... stehen einfallslosen Figuren und einer kaum überraschenden Handlung gegenüber.

2 von 5 Punkten

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