Montag, 23. September 2013

Rezension: Die verborgene Sprache der Blumen (Vanessa Diffenbaugh)

Knaur Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-426-50917-3
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Die 18jährige Victoria ist ohne ihre Eltern aufgewachsen, wurde zunächst von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und kam schließlich ins Heim. Mit ihrer Volljährigkeit ist sie nun selbst für sich verantwortlich, lebt zunächst im Park und findet schließlich eine Anstellung bei einer Floristin. Denn nur in der Welt der Blumen fühlt sie sich wohl und durch die Sprache der Blumen kommuniziert sie mit der Welt, die sie sonst komplett auf Abstand hält. Dann lernt sie jedoch einen Blumenhändler kennen, der ihre Begeisterung für die Blumenwelt teilt, doch kann sie ihn wirklich an sich heranlassen?

Bewertung

Das Buch schildert im Grunde genommen zwei Erzählstränge. Meist berichtet immer abwechselnd ein Kapitel über Victorias Leben ab ihrer Volljährigkeit und das Kapitel danach erzählt von ihrem Leben bei ihrer Pflegemutter Elizabeth, die sie mit neun Jahren bei sich aufgenommen hat, ihr die Sprache der Blumen beibrachte und sie adoptieren wollte. Man rätselt schon ein wenig, warum denn Victoria nicht bei Elizabeth geblieben ist, erfährt dann nach und nach, dass sie ihr irgendetwas angetan hat, doch die Auflösung erfolgt erst gegen Ende des Buches. Als kleine Beigabe werden am Ende des Buches auch noch die von Victoria gesammelten Blumen und ihre jeweilige Bedeutung aufgelistet. Ebenso runden die aufklappbaren Innenseiten des Bucheinbandes die gelungene optische Darstellung des Romans ab, indem auf ihnen einige im Buch auftauchende Blumen mit ihrer Bedeutung abgebildet sind.
Neben der ansprechenden Hülle des Buches kann dieses auch inhaltlich über weite Teile überzeugen. Eine Hauptfigur, die hauptsächlich über Blumen kommuniziert, ist schon einmal deutlich origineller, was sonst so bei Liebesgeschichten zu lesen bekommt. Man erfährt ein wenig über diesen „Brauch“ insbesondere unter Liebenden, die ab dem 18. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein ihre Gefühle durch Blumen ausdrückten. Victoria lernt diese „Sprache“ durch Elizabeth, legt selber später eine Art Blumenwörterbuch an, erlebt auch, wie Blumen teilweise widersprüchliche Gefühle zugeordnet werden und nutzt ebenso Blumen als Kommunikationsmittel, um ihre Gefühle, insbesondere gegenüber dem Blumenhändler Grant, auszudrücken. Von der Hauptfigur lebt auch der gesamte Roman in erster Linie. Sie wirkt sehr angenehm und vor allem ihre Verletzlichkeit und ihr häufiges Weglaufen werden sehr überzeugend dargestellt. Der Autorin, die selbst Pflegekinder bei sich aufgenommen hat, gelingt es sehr einfühlsam, Victorias Wesen, ihr häufiges Scheitern im Leben, aber auch ihre Beziehung zu Blumen vor dem Hintergrund der Erlebnisse ihrer Kindheit glaubhaft darzustellen. Man fühlt ihren Schmerz mit, wenn man erfährt, was ihr alles Schreckliches in den verschiedenen Familien angetan wurde. Daher überzeugt auch in erster Linie die Handlung mit Elizabeth, bei der Victoria zum ersten Mal glücklich ist. Mit Spannung wartet man auf die Auflösung dieser Geschichte, was denn nur schief gelaufen sein kann, dass sie wieder getrennt wurden.
Die Liebesgeschichte mit Grant fand ich demgegenüber ein wenig unpassend, für mich hätte sich das Buch mehr auf die Mutter-Tochter-Beziehung konzentrieren können. Sie ist jetzt nicht schlecht oder sehr kitschig, sondern ebenso angenehm zu lesen, wenn auch ein wenig langatmig, doch man fühlt nicht so stark mit wie bei der Geschichte mit Elizabeth. Ich saß nicht gebannt vorm Buch und wollte unbedingt, dass die beiden zueinander finden. Der Roman wäre auch ohne die fast schon obligatorische Liebesgeschichte in solchen Werken enorm lesenswert gewesen und hätte mir persönlich auch noch besser gefallen. Denn so kam aus einer grundsätzlich recht originellen Idee wieder ein fast schon klassischer Liebesroman heraus, von denen es sowieso schon genug gibt.

Fazit

Ein angenehm zu lesender und berührender Roman, der vor allem aufgrund seiner glaubhaften Hauptfigur und ihrer Entwicklung den Leser fesseln kann. Insbesondere die Thematik der Pflegekinder, ihrer Probleme, ihr Suchen nach einem Platz im Leben wird sehr einfühlsam und Mitgefühl anregend geschildert, so dass ich das Buch nur wärmstens empfehlen kann, auch die doch recht klassische Liebesgeschichte schmälert das Lesevergnügen kaum.

4 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Das hört sich schön an. Das Buch merke ich mir auf jeden Fall. Die Pflegekinder-Thematik finde ich auch sehr spannend. :)

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