Sonntag, 25. August 2013

Rezension: Zielstern Beteigeuze (Karl-Heinz Tuschel)


Verlag Neues Leben Berlin
fester Einband, 304 Seiten
keine ISBN vorhanden
1. Auflage 1982 - kein Festpreis



Ein kurzer Einblick

Ein Wissenschaftsteam aus zehn Leuten macht sich auf, um die aktuelle Entwicklungsetappe des Roten Überriesen Beteigeuze zu untersuchen, denn vor ca. 600 Jahren hörten die periodischen Leuchtkraftschwankungen des Sterns auf. Während die Besatzungsmitglieder Atacama (Chefin der Expedition), Rila und Gibralt (Piloten und Messtechniker), Kilimann (Chef für Personalfragen) und Delawara (Astronomin und Pilotin) mittels Shuttle dem nachgehen, machen sich Woleg (Chef der Basisstation), Elber (Planetologe), Hirosh (Arzt und Koch) und die Zwillinge Vienna und Kerala (Technikerinnen der Basisstation) auf, die Untersuchung von dem Planeten aus durchzuführen, der seine Bahnen um den Beteigeuze zieht. Während die Shuttlecrew kaum Erfolge verzeichnen kann, haben die Basisleute mit Wellen erhöhter Schwerkraft zu kämpfen und finden eine verlassene Stadt und rätselhafte Phänomene vor. Nachdem der Basis beinahe ein Unglück wiederfahren wäre, zieht sich auch die Shuttlecrew auf den Planeten zurück. Doch nicht nur heftige Auseinandersetzungen entzweien die Expeditionsmitglieder, auch eine fremde Lebensform nimmt Kontakt zu den Leuten auf…

Bewertung

Jeder, der sich das Sternbild Orion am nächtlichen Himmel schon einmal angesehen hat, kennt ihn: Beteigeuze, die „linke Schulter“ des Jägers. Um genau diesen Stern dreht sich Tuschels Geschichte, 400 Jahre nach seiner Zeit. Tuschel beschränkt sich aber nicht nur auf seine Hauptcharaktere und ihre Reise, sondern zeigt auch Änderungen in der Gesellschaft auf. So zum Beispiel erhalten die Menschen ihre Namen nicht mehr von ihren Eltern sondern suchen sich diese selbst aus. Ich finde, der Autor hatte hier einen sehr interessanten Gedanken, und unweigerlich überlegt man sich beim Lesen, wie man sich selbst nennen würde, sollte solch ein Gesellschaftsmodell irgendwann Realität werden. Vielleicht nach einer Pflanze, einem Tier oder auch einer geographischen Begebenheit, wie die zehn Expeditionsmitglieder?
Auffällig ist aber auch, dass Karl-Heinz Tuschel seine Protagonisten als Kosmonauten bezeichnet (die übliche sowjetische Bezeichnung von Raumfahrern zu Zeiten der DDR) und nicht den (amerikanischen/westlichen) Begriff Astronauten verwendet.
Was seinen Roman weiterhin prägt, ist die hervorgehobene Bedeutung der Wissenschaft, wobei die Fiktion auch nicht zu kurz kommt. Denn die Kontaktaufnahme mit einem fremden Volk auf einem noch nicht erforschten Planeten in einem anderen Eck des Universums ist kein Zuckerschlecken und es müssen biologische, physikalische und geologische Begebenheiten beachtet werden. Karl-Heinz Tuschel versteht es dabei wie kein anderer Autor – von denen ich bereits Science-Fiction-Romane gelesen habe – das Genre der Science-Fiction realitätsnah in allen Facetten auszuloten und durch eine mitreißende Sprache spannend zu erzählen.
Was ich bei „Zielstern Beteigeuze“ zuerst ein wenig enttäuschend fand, war das allzu abrupte Ende. So hatte ich das Gefühl, mitten im spannendsten Geschehen alleingelassen zu werden. Nach reichlicher Überlegung muss ich aber zugeben, dass Tuschel kein besseres Ende hätte schreiben können; es sei denn, man wollte die Story ins Unendliche ziehen, was aber nicht immer gut ist. Somit kann man sagen, dass „Zielstern Beteigeuze“ knackig und auf den Punkt gebracht ist.

Fazit

Eine spannende Entwicklung im Lichte des Beteigeuze, gepaart mit der knallharten Realität, die den Menschen wiederfährt, welche sich auf einen fremden Planeten begeben, um der Menschheit neue Erkenntnisse zu liefern. Ein Muss für jeden Science-Fiction-Fan!

5 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Schöner Kommentar zu dem Buch. Lese es gerade selbst wieder, eigentlich lese ich es alle paar Jahre, wenn es mich packt. Mit 10 habe ich den Roman erstmals gelesen und liebe ihn bis heute. Sollte vielleicht erwähnen, dass das Buch ein paar Jahre vor meiner Geburt erschienen ist. :)

    Viele liebe Grüße
    elfenglanz

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