Sonntag, 4. August 2013

Rezension: Dierk Gewesen 2. Dierk Gewesen und das Geheimnis von Glamour City (Christian Gailus)

Heyne
Taschenbuch, 336 Seiten
ISBN: 978-3-453-43642-8
8,99 €

Ein kurzer Einblick

Dierk Gewesen muss den Urlaub abbrechen. Predator, Terminator und Alien legen den Hamburger Flughafen in Schutt und Asche. Als dann auch noch eine weibliche Schönheit mit entzückenden Reizen seinen Kopf verdreht, steht die Welt abermals vor dem Abgrund. Die Blondine teleportiert Gewesen in die 80er Jahre, während der Superschurke Al Dente die Pläne zur Weltherrschaft mit Hauptsitz Hamburg in die Tat umsetzt.

Bewertung

»‚(...) Nenn ihn Jesus, Mohammed oder Ghandi. Oder nenn ihn einfach: Dierk.‘« (S. 266)
Predator, Terminator und Alien legen den Hamburger Flughafen in Schutt und Asche. Die Abteilung zur holistischen Durchleuchtung extrem seltsamer Delikte kann den Schwerverbrechern nichts entgegensetzen. Ein Fall für Dierk Gewesen, der gerade im hohen Norden, dem eiskalten Skandinavien, dem Angeln nachgeht - ein wohlverdienter Urlaub. Die drei Filmhelden heimsen jedoch nur die Rolle der fiesen Nebendarsteller ein: Eigentlicher Bösewicht und Superschurke ist Al Dente. Hervorragend gebrüstet, ein wandelnder Lustblick und ein sabbernder Dierk; Al Dentes Hilfe Esmeralda Gonzales wickelt den Kommissar mit weiblichen Reizen um den Finger und schickt ihn kurzerhand in ein Paralleluniversum, zurück in die 80er Jahre. Ein skurriles Abenteuer nimmt fahrt auf: Gewesens Freundin Rebecca mutiert zur frommen Nonne, ein Parallel-Al-Dente ruft den Bastardismus aus (die neue Weltreligion beruhend auf Dierk Gewesens persönlichem Handbuch), Riesenspinnen und Freiheitskämpfer liefern sich ein tödliches Gefecht. »Dierk Gewesen und das Geheimnis von Glamour City« ist gespickt mit Filmzitaten, abstrusen und abstrusesten Handlungsfetzen, die doch irgendwie sinnfrei ineinandergreifen. Logik und Unlogik liegen sich gegenseitig in den Armen, schütteln sich erregt die Hände und lobpreisen Dierk Gewesen, den »Auserwählten, den Erlöser oder Messias. Einen, der das Böse bekämpft und dem Guten zum Sieg verhilft« (S. 266).
Rechthaberisch, angeberisch, unkompliziert und dennoch undurchschaubar ... so isser, der Dierk. Ach so: Falls ihr ihm einmal begegnen solltet, sprecht ihn bloß nicht mit dem Vornamen an. Es könnte sein, dass ihr eine Nanosekunde später Wurmfutter seid. Das Selbstbewusstsein des Kommissars ist hart wie eine Stahlmauer, Kritik prallt wirkungslos ab. Es lässt ihn aber auch in brenzlige Situationen stolpern und seine Mitmenschen geringschätzig behandeln. Nur Frauenpower hebelt seinen Verstand aus, lässt ihn gleich einem geilen Eber willenlos in Fallen tappen. Na gut, zugegeben: Das hellste Köpfchen ist Gewesen nicht. Sein Assistent Nick - oder wie Dierk ihn liebevoll nennt: Assi - gleicht die fehlende Kombinationsgabe aus. Ich sage es, wie es ist: Dierk Gewesen ist cool. Saucool! Den Dodge Challenger würde ich ihm aber am liebsten unter dem Hintern wegklauen, lasse es aber. Denn: Lege dich besser nie mit einem Gewesen an!
Carlos Al Dente will nicht die Weltherrschaft. Carlos Al Dente will die Weltherrschaft über das Multiversum an sich reißen. Er will das Mekka der Superschurken errichten: Glamour City! Größenwahnsinniger Antagonist trifft auf egozentrischen Protagonisten. Da knallen Überzeugungen aufeinander, da werden Kriegsregister gezogen, die Hamburg dem Erdboden gleichmachen. Die Handlung ist absurd. Die Physik trotz ihren Gesetzen. Action wird größer geschrieben als Hollywoodblockbuster es wagen würden. Gags, Humor, wahnsinnige Handlungsversatzstücke direkt aus Filmen geklaut (erwähnte ich bereits Predator, Terminator und Alien?) ... Dierk Gewesens zweiter Fall toppt »Dierk Gewesen und die glorreichen Sechs« um Längen! Filmklischees werden ausgeweidet und genüsslich, überzogen in die Handlung eingebaut. Dieser Roman ist ein irres Vergnügen, herrlicher Klamauk und ... Kreativitätslosigkeit ist das Fremdwort schlechthin. Filmfreunde können sich an zahlreichen Anspielungen ergötzen. Und doch ... sorry, aber einen Kritikpunkt gibt es: »Dierk Gewesen und das Geheimnis von Glamour City« ist zu übertrieben. Vielleicht mögt ihr ja über diesen Makel hinwegsehen, wenn auch ihr das Heil der Welt erblickt.
»[E]s waren vor allem die Kriminellen und Verbrecher, Zuhälter und Huren, Vermögensberater und Berufspolitiker, die im Bastardismus das Heil der Welt erblickten.« (S. 105)
Fazit

»Dierk Gewesen und das Geheimnis von Glamour City« ist grandioser Klamauk, der gerade wegen seiner zahlreichen Filmanspielungen, Klischeeverdrehungen und überzeichneter Charaktere unglaublichen Spaß macht. Für meinen Geschmack hat Christian Gailus im zweiten Fall Dierk Gewesens den Klamauk etwas übertrieben. Doch wenn ihr draufsteht: Kommt dem Kommissar der Abteilung zur holistischen Durchleuchtung extrem seltsamer Delikte nicht in die Quere und vergesst beim Lachen nicht das Atmen.

3,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen