Samstag, 13. Juli 2013

Rezension: Horror Factory 3. Der Blutflüsterer (Christian Montillon)

Bastei Lübbe Digital
eBook, 1,49 €
ISBN: 978-3-8387-4647-0

Bastei Lübbe Digital
Audio-Download, 1,49 €
ISBN: 978-3-8387-7214-1

Ein kurzer Einblick

Ein Dämon nimmt Besitz von Susi, der fortan die Familie terrorisiert. Nach dem Tod ihres Bruders zerbricht fast die Ehe, doch die Eltern wagen einen Neuanfang. Den Poltergeist stört der Umzug wenig, drangsaliert die Familie weiter, flüstert Susi grausame Botschaften zu ...

Bewertung

Unter der Schirmherrschaft von Uwe Voehl startete am 29.05.2013 im Bastei Lübbe-Verlag eine neue Horror-Reihe mit dem Titel “Horror Factory“. Die Novellen werden zeitgleich als eBook und als Audio-Download zum Preis von 1,49 € veröffentlicht. Inhaltlich ist ein breites Spektrum des Phantastik-Genres vertreten. Die einzelnen Storys sind in sich abgeschlossen.

Zu der Reihe »Horror Factory« gibt es aufgrund der Kürze keine ausführlichen Rezensionen, wohl aber kurze Meinungen, um Spoiler zu vermeiden. Ein Überblick über bisher bewertete Werke lässt sich unter dem Label »Horror Factory« finden.

Es beginnt harmlos ... und steigert sich zu einem blutigen Finale. Der Blutflüsterer bleibt anfangs in den Schatten, offenbart wenig von sich und verrät gar nicht, ob er aus Lust und Laune heraus grausame Morde begeht oder einen Plan in seinem finsteren Hirn ausheckt. Fakt ist: Zimperlich geht Christian Montillon mit seinen Charakteren nicht um! Susis zehnjähriger Bruder Michael wird zuerst Alzheimer attestiert und anschließend aufgeschlitzt. Vom Mörder gibt es keine Spur. Susi ritzt sich die Arme auf, um durch den Schmerz den Dämon in ihr zu betäuben. Der Horror kommt definitiv nicht zu kurz. Vielleicht oder gerade weil der Autor Kinder zu Opfern erklärt.

Obwohl »Der Blutflüsterer« mit der Thematik der Besessenheit spielt, ist die Novelle keine Exorzismus-Story. Stattdessen setzt Montillon auf das Innenleben der Charaktere: Susis Seelenverstümmelung und Trauma durch den Poltergeist; Susis Eltern durch Schicksalsschläge, die die Ehe zerrütten und fast zerstören. Letztendlich funktioniert die Novelle aber auch durch die graue Präsenz des Geistes, dessen Absichten unklar sind. Was will der Dämon? Zugleich ist dies zudem der wunde Punkt der Story. Wohin driftet die Geschichte, wenn kein Handlungsstrang scheinbar einem Ziel folgt? So solide »Der Blutflüsterer« auch geschrieben ist, schwindet der Lesespaß etwas. Da ist die Kürze von Vorteil - ein Roman hätte sich in die Länge gezogen ... gezogen ... gezogen. Hier folgt man dennoch gerne der Geschichte, sodass ein klares Ziel nicht unbedingt das A und O ist.

Fazit

»Der Blutflüsterer« ist eine Psychohorrorstory, die mit den Gefühlen der Protagonisten spielt und eine bösartige Präsenz über den Köpfen der Opfer schweben lässt. Das ist großartiger Horror, der solide geschrieben ist, dem aber ein greifbarer Ansatz eines roten Fadens fehlt. Großer Pluspunkt: Es ist keine Exorzismusstory!

4 von 5 Punkten

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