Mittwoch, 17. Juli 2013

Rezension: Der Hobbit (J.R.R. Tolkien)

Klett-Cotta
Gebundene Ausgabe, 384 Seiten
ISBN: 978-3-608-93977-4
14,95 €

Ein kurzer Einblick

In diesem Werk von Tolkien lernen wir den noch jungen Hobbit Bilbo Beutlin erst kennen, der vom Zauberer Gandalf und 13 Zwergen aus seinem gemütlichen Zuhause im Auenland gerissen und auf eine abenteuerliche Reise mitgenommen wird. Die Zwerge unter der Führung von Thorin Eichenschild wollen ihr Königreich unter dem Berg Erebor zurückgewinnen, das der Drache Smaug vor vielen Jahren erobert hat und seitdem mitsamt seiner vielen Schätze hütet. Dabei erleben sie unzählige gefährliche Abenteuer, müssen sich vor Trollen, Orks, Wölfen und Spinnen retten, treffen Elben, einen Pelzwechsler und Bilbo die Kreatur Gollum, von dem er den Ring der Macht entwendet…

Bewertung

Der Roman gehört nun bereits seit längerem zu den Klassikern der Fantasyliteratur, ist sicherlich durch die gerade statt findende Verfilmung und die Herr der Ringe – Filme vor knapp zehn Jahren in aller Munde, so dass ich auf die Handlung nicht weiter eingehen werde. Insbesondere lebt das Buch auch in erster Linie einmal von dieser phantasievollen, detailliert geschilderten Welt von Mittelerde voll mit Elben, Zwergen, Zauberern, Orks, Trollen und vielen anderen Kreaturen, in die man ab der ersten Seite eintauchen kann. Da ich eine englische Ausgabe gelesen habe, kann ich zwar nicht für die deutsche hier sprechen, doch in der Regel werden annähernd alle Hobbitausgaben mit Illustrationen und Karten ergänzt, die die Reise auch geografisch nachvollziehbar machen und den Leser noch umso tiefer in die Geschichte um Bilbo eintauchen lassen.
Seine Entwicklung bildet auch einen zentralen Aspekt des Werkes, die sehr intelligent und einfühlsam dargestellt wird. Zu Beginn ist Bilbo ein fast typischer Hobbit, der es häuslich, sehr gemütlich und bequem mag, der seine Freude am häufigen, regelmäßigen Essen findet und auf Ruhe und keinerlei Abenteuer aus ist. Aus dieser Gemütlichkeit reißen ihn Gandalf und die Zwerge, die lange Zeit Zweifel daran haben, ob er für diese gefährliche Reise gemacht ist. Doch Bilbo überrascht sie alle. In ihm steckt deutlich mehr als in den meisten Hobbits und er wächst mit der Zeit regelrecht über sich hinaus. Er wird zum eigentlichen Helden der Unternehmung, rettet die Zwerge aus vielen brenzligen Situationen, die niemals ohne ihn am Berg angekommen wären, und wird allmählich von ihnen in erster Linie dafür verantwortlich gemacht, alle aus ausweglosen Situationen zu retten. Dabei fand ich allerdings das geschilderte Verhalten der Zwerge ein wenig unrealistisch. Diese sind es schließlich, die auszogen, um ihren Berg und den Schatz von Smaug zurückzugewinnen, die demnach eine viel größere Motivation für die Reise haben sollten als Bilbo. Allerdings sind sie es, die immer mehr in Resignation verfallen, insbesondere auch Thorin, der hier das Königreich seiner Vorfahren zurückgewinnen will, so dass nach meinem Empfinden die Zwerge zu schwach gezeichnet wurden.
Außerdem muss ich sagen, auch wenn man sich fast schon nicht traut, solch einen Klassiker wenn auch nur minimal zu kritisieren, dass das Buch schon ein paar Längen aufweist. Ich habe es nun zum zweiten Mal gelesen und bin durch den ersten Film natürlich schon stärker in der Geschichte wieder drin, auch wenn er einige Abweichungen zum Buch aufweist, was die Längen, die ich empfunden habe, erklären könnte. Da ich aber insbesondere den Anfang des Buches sehr gelungen fand, kann meine Kritik wohl nicht nur durch mein Vorwissen erklärt werden. Der Beginn des Buches ist aber wirklich sehr, sehr gelungen. Man muss ständig lachen, vor allem wenn Bilbo nach und nach auf alle Zwerge trifft und sie seine gesamten Vorräte wegputzen und ihn für seine Bequemlichkeit triezen. Ebenso fesselt die Handlung anfangs sehr, ich habe das Buch lange nicht aus der Hand gelegt, besonders die Geschichte um Gollum und den Ringfund, von dem man schließlich auch um seine enorme Bedeutung für ganz Mittelerde weiß. Zur Mitte des Buches steht die Spannung aber etwas verloren, es passiert nicht so viel und man liest nicht mehr so begeistert wie zu Anfang weiter. Das Ende des Buches kommt dann wieder an den Anfang heran. Der Kampf um den Schatz wird sehr spannend erzählt, wenn auch für meine Begriffe der Sieg über den zuvor derart übermächtig dargestellten Drachen etwas schwach und simpel daherkommt, dies gestaltete sich etwas zu einfach. Ansonsten kann das Ende aber absolut überzeugen und fesseln.

Fazit

Absolut zu Recht einer der Klassiker im Fantasybereich, der auch Fantasylaien wie mich über weite Strecken überzeugen konnte. Die Entwicklung dieser phantasievollen, bis ins letzte Detail ausgeklügelten Welt von Mittelerde ist schlichtweg großartig, man bleibt begeistert zurück und hat direkt Lust, Herr der Ringe (noch einmal) zu lesen. Ein wirklich für jedermann zu empfehlendes Buch, dessen einziger Minuspunkt ein paar Längen zur Mitte des Romans sind.

4 von 5 Punkten

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