Samstag, 27. Juli 2013

Rezension: Das Cape (Hill / Ciaramella)

Panini Comics
Softcover, 132 Seiten
ISBN: 978-3862015313
16,95 €

Ein kurzer Einblick

»Das Cape« ist die Adaption von Joe Hills gleichnamiger Story. In seiner Kindheit erlitt Eric einen schweren Unfall ... und ein Trauma, das ihn Zeit seines Lebens plagt. Als Erwachsener entdeckt er die magischen Fähigkeiten des Capes: Er kann fliegen! Mit der neu gewonnen Macht ist er in der Lage, Rache an allen zu nehmen, auf die er mächtig sauer ist.

Bewertung

»Das Cape« ist eine Kurzgeschichte aus Joe Hills Sammlung »Black Box« (Heyne), die Jason Ciaramella für die gleichnamige Graphic Novel adaptierte. Jason Ciaramella ist der Autor von »Godzilla: Kongdom of Monsters« und Co-Autor mit Joe Hill von »Kodiak« oder »The Cape 1969«. Die Zeichnungen stammen aus der Feder von Zach Howard. Zach Howard zeichnete u.a. die Illustrationen für »Shaun of the Dead« oder »Outer Orbit«. 2012 wurde Joe Hill  für »Locke & Key« mit dem Eisner Award nominiert.

Jackie Kesslers & Caitlin Kittredges »Das Ikarus-Projekt« spielt in einer Welt in der Superhelden Alltag sind. Anders als »Das Cape« spielt »Das Ikarus-Projekt« mit der Thematik der Kontrolle von Superhelden durch ein global agierendes Unternehmen. »Das Cape« beschränkt sich auf die kleinen, zwischenmenschlichen Beziehungen und der Korruption durch Macht. Menschliche Abgründe und die folgenden Konsequenzen stehen im Rampenlicht. Weniger der Superheld als das Superhelden-Genre werden auf die Schippe genommen und verdreht. Ist der Titel des Superhelden eine Farce?

Der Traum jedes Kindes: Magische Kräfte, die Macht fliegen zu können. Eric spielt immer den Bösewicht, sein Bruder Nicky den Helden. Erics Mutter nähte eine alte Kinderdecke zu einem Cape um, das Eric stolz trägt. Nach einem schweren Unfall wirft Erics Mutter das Cape weg, was ihr Sohn ihr niemals verzeiht. Jahre später, Eric ist erwachsen geworden, findet er das Cape in einer Kellerecke wieder. Der Kindertraum wird war. Das Cape verleiht ihm die Macht zu fliegen.

Nicky ist beruflich erfolgreich. Erics Freundin geht ebenfalls einem Job nach. Nur er, Eric, hat es zu Nichts gebracht. Er selbst sieht sich als Loser abgestempelt, scheint jedoch wenig gegen seine Situation zu tun. Stattdessen beschuldigt er Nicky und Angie eine Affäre eingegangen zu sein. Geistig eingefahren, psychisch launenhaft schlägt seine Stunde, als er die Superkräfte, die Macht zu fliegen entdeckt. Endlich findet er Halt im Leben, lernt sein Leben zu kontrollieren, verliert dabei völlig die Fähigkeit zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Noch immer leidet er unter dem Trauma, das er erlitt, als er als Kind vom Baum fiel und sich schwer verletzte. Vernunftwidrige Entscheidungen lassen ihn Rache schwören, Hilfsangebote die psychische Krise zu überwinden, schlägt er aus. Erics Charakterisierung ist mit simplen Mitteln tiefgreifend gestaltet. Sein Gefühlsleben steht ihm ins Gesicht geschrieben, seine geistige Instabilität lässt sich mit Händen greifen. Trotz der Morde und der Rechtfertigungen gelingt es Joe Hill und Jason Ciaramella mit Unterstützung von Zach Howards bildlicher Umsetzung einen Charakter zu zeichnen, der trotz seiner schiefen Bahn sympathisch herüberkommt. Wir verstehen ihn, wir hoffen für ihn und sind genauso verzweifelt wie seine Familie, die ansehen muss, was aus diesem einst so fröhlichen Jungen geworden ist.

Zügig erzählt, nutzt Zach Howard die Kürze der zugrundeliegenden Geschichte aus, um eindringlich auf Schlüsselszenen einzugehen und diese in aller Drastik darzustellen. Die Welt könnte doch so heile sein, wenn die kaputte Familienidylle nicht stören würde. Howards Zeichnungen spiegeln genau dies wieder. Ein bedrückende Stimmung mischt sich unter die gewollt es-könnte-doch-so-schön-sein-Atmosphäre. Erics blutige Missetaten stechen grellrot hervor und zerstören das Bild einer fröhlichen Zukunft.

Fazit

»Das Cape« spielt mit den Klischees des Superhelden-Genres, kehrt diese ins Extreme um und entwirft einen gemarterten Helden, dessen Kräfte ihn geistig zerrütten. Untermalt von düsteren Zeichnungen Zack Howards, entsteht eine beklemmende Story aus Kindheitsenttäuschungen und tiefgehenden Rachegelüsten.

4 von 5 Punkten

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