Montag, 3. Juni 2013

Rezension: Driver for the Dead (Heffernan / Manco)

Splitter
Hardcover, 168 Seiten
ISBN: 978-3-86869-506-9
22,80 €

Ein kurzer Einblick

Alabaster Graves ist Leichenwagenfahrer. Er ist Spezialist für die besonderen Fälle. Seit 20 Jahren chauffiert er die Toten. Der Süden der USA ist sein »Revier«. Als die lebhafte Enkeltochter Mose Freemans ihm den Auftrag gibt, Freemans Leichnam von New Orleans nach Shreveport zu transportieren, verweigert Graves zunächst den Job. Die Überreste des Voodoo-Priesters sind in gewissen Kreisen heiß begehrt ... Der Nekromant Fallow hat bereits seine Schergen ausgesandt.

Bewertung

Der Autor John Heffernan hat eine beachtliche Karriere hinter sich. Mit dem Bachelor of Arts in Englisch schloss er an der Cornell Universität in New York ab. Danach arbeitete er drei Jahre an der USC Film School als Production Coordinator für studentische Filme, bevor er als Development-Assistant bei Davis Entertainment und Dreamworks Patchwork Productions in Lohn und Brot stand. Nachdem er sein erstes Drehbuch verkaufte, folgten viele weitere Aufträge, bis er sich mit dem Drehbuch »Snakes on a plane« für New Line Cinema 2006 endgültig einen Namen machen konnte. »Driver for the Dead« ist John Heffernans erste Comic-Serie.

Der Zeichner und Illustrator Leonardo Manco ist bestbekannt für sein düsteres Artwork in Werken wie »Hellstorm« oder »Apache Skies #1-4«. 2004 arbeitete er an Mike Careys »Hellblazer«- Serie mit, die bei DC Comics erscheint. Ferner ist er der Künstler der bei Marvel Comics veröffentlichten Serie »War Machine«.

Alabaster Graves verdient seine Brötchen als Leichenwagenfahrer. Er erledigt die ganz speziellen Jobs mit Gefahrenzulage, denn das bringt mehr Geld ein. Mit seinem umgebauten und gepimpten Pontiac GTO »Black Betty«, geheime Waffenverstecke inklusive, ist er hervorragend gerüstet. In der Anfangssequenz wird deutlich, dass Graves Beruf die Grenzen des Normalen verlässt. Er ist spät dran und die Leiche im Wagen droht in wenigen Minuten als Vampir wiederzukehren. Dank 20-jähriger Erfahrung haben ihm die Kreaturen der Finsternis kaum etwas entgegenzusetzen.
Bereits in diesen ersten cineastischen Szenen sticht Mancos großartig detaillierter Stil heraus. Fotorealistische Charaktere, detailverliebte Umgebungen - jede Falte im Gesicht, jede Verzierung an »Black Betty« ist wohlbewusst gezeichnet - lassen eine wahnsinnige Hingabe erkennen. Im Nachwort lässt Manco denn auch verlauten, dass er teilweise bis zu 16 Stunden an einer Seite arbeitet. Leonardo Mancos intensive Arbeit ist die größte Stärke der »Driver for the Dead«-Trilogie, die hier in einem Sammelband vorliegt. Erdig-warme Töne und eine düstere Lichtstimmung hüllen die amerikanischen Südstaaten in den Flair des Unheimlichen und Mysteriösen. Fliegen umschwirren träge fließende Sumpfgewässer, die Äste der Bäume hängen tief und im Unterholz lauern Wasserleichen und glühende Augen. Die atmosphärisch-filmische Action-Story zeichnet sich jedoch nicht nur durch die fantastischen Zeichnungen aus, sondern auch durch das Erzähltempo. Temporeich und adrenalingeladen peitscht es den Leser von Szene zu Szene, der geradezu standhaft bleiben muss, um die Dichte der zeichnerischen Tiefe genießen zu können.

Mose Freeman verschied bei einem Exorzismus gewaltsam aus dem Leben. Seine Enkeltochter gibt Alabaster Graves den Job den Leichnam von New Orleans nach Shreveport, Louisiana zu bringen. Für Graves ist es der bisher gewagteste Job. Die Mächte der Finsternis haben immenses Interesse an Freemans Körper - der übrigens aussieht wie eine Kopie von Morgan Freeman. Die Story ist auch die größte Schwäche der Graphic Novel: Hole begehrte Leiche ab, schaffe sie an einen anderen Ort, passe dabei auf, dass kein Bösewicht sie dir wegnimmt. Wow, das ist innovativ! Die Charakterzeichnung ist ebenso einfach gestrickt. Alabaster Graves ist der taffe Typ, der Hexen, Vampire und Werwölfe verprügelt, einen heißen Schlitten fährt und eine morbide Ader hat. Cool, kennt man doch bereits.
Tatsächlich ist der Nekromant Fallow der einzige Charakter, dem etwas Tiefe abzuringen ist. In Rückblenden wird seine Geschichte erzählt, die vom Voodoo der Schwarzen geprägt ist, in der Zeit des Sklavenhandels begann und ... nicht in der Hölle endete. Als Nekromant vermag er sich der Körperteile der Toten zu bedienen und dessen Fähigkeiten sich anzueignen. Zeichnerisch sind Fallow und seine Schergen das Highlight der Grafic Novel. In schaurig-bösen und wahrlich blutrünstigen Szenen feiern sie ihren Auftritt in kurzen Abschnitten. Eiternde Zombiegestalten in Leder, Latex und Ketten gehüllt, erinnern sie an abartige Sexphantasien, deren Praktiken besser Fantasie bleiben.

Fazit

»Driver for the Dead« ist brillante Horrorunterhaltung. Die Mängel im Storytelling und der Charakterzeichnung werden durch die unübertrefflichen Zeichnungen Leonardo Mancos fast gänzlich wettgemacht. Wer schneller, cineastischer und deftiger Horrorkost auch nur ein Fünkchen abgewinnen kann, sollte sich »Driver for the Dead« allein wegen der Zeichnungen kaufen.

4 von 5 Punkten

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