Sonntag, 9. Juni 2013

Rezension: Der norwegische Gast (Anne Holt)

Piper
Kartoniert, 320 Seiten
ISBN: 978-3-492-25718-3
9,99 €

Ein kurzer Einblick

Ein Zugunglück, ausgelöst von einem Schneesturm zwingt die Passagiere in einem Berghotel Zuflucht zu suchen. Als das Hotel eingeschneit wird, geschieht ein Mord. Panik macht sich unter den Hotelgästen breit. Die durch einen Unfall im Rollstuhl sitzende Hanne Wilhelmsen macht sich gezwungenermaßen daran den Mörder zu finden.

Bewertung

„Der norwegische Gast“ von Anne Holt ist der letzte Band der Reihe um die Ermittlerin/Ex-Ermittlerin Hanne Wilhelmsen. Hanne sitzt nach einem missglückten Polizeieinsatz im Rollstuhl und befindet sich auf den Weg zu einem Spezialisten nach Bergen. Unterwegs im Zug passiert ein Unglück, der Zug entgleist und die Passagiere werden mit Schneemobilen in ein nahgelegenes Berghotel verfrachtet. Währenddessen wütet einer der schlimmsten Stürme in den Bergen, der die Passagiere in dem Hotel festsitzen lässt.
Ich mag gut geschriebene Krimiromane, die es nicht nötig haben, an vielen Orten zu spielen, da sich die Geschichte und die Charaktere selbst tragen. „Der norwegische Gast“ ist so ein Roman. Durch die Enge des Berghotels konzentriert sich Anne Holt mehr auf ihre Charaktere statt auf die Umgebung und so bekommt man ein buntes Potpourri an verschiedensten Charakteren geliefert, die allesamt eine interessante Erscheinung abgeben. Obwohl es der letzte Band der Reihe ist und ich keinen der vorigen kenne, konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden. Die Autorin hält sich auch nicht mit Hannes Lebensgeschichte auf, doch die Fakten, die wichtig sind, bekommt der Leser. Man erfährt genug, um sie zu verstehen, und kann sich dann ganz auf die Geschichte konzentrieren. Interessant war, dass Hanne in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt. Bisher habe ich noch keinen Krimi gelesen, in dem der Ermittler homosexuell ist und in einer Partnerschaft lebt. Holt hat dies aber auch gut beschrieben und eigentlich hat sie nur das dargestellt, bei dem sie sich am besten auskennt, denn auch die Autorin lebt in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft mit einer Frau.
Mit Fingerspitzengefühl trägt sie eine spannende Geschichte zusammen, die Atmosphäre hat und den Leser in seinen Bann zieht. Mir gefällt sehr gut, wie sie das Zusammenspiel der Menschen im Hotel beschreibt. Wie sich die Masse bewegt und entwickelt und wie es immer wieder Charaktere gibt, die hervorstechen und sich in kurzer Zeit auch plausibel verändern, ohne dass es aufgesetzt wird.
Das Ende ist in typischer Krimimanier gehalten, wie man es aus Filmen kennt. Vor der fast gesamten Besetzung des Romans werden der Täter, der Tathergang und das Motiv bekannt gegeben. Es bleiben so gut wie keine offenen Fragen zurück.

Fazit

Atmosphärisch ein fesselnder Roman mit interessanten Protagonisten. Die Geschichte enthält keine Längen und macht den Roman zu einem kleinen Krimi-Diamanten. Auch wenn es der letzte einer gesamten Reihe ist, kann man ihn gut lesen, ohne die vorherigen Bände zu kennen.

4,5 von 5 Punkten


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