Montag, 20. Mai 2013

Rezension: Der Crako und das Giftmädchen (Michael Kirchschlager)

Festa Verlag
Paperback, 192 Seiten
ISBN: 978-3865520531
10,00 €

Ein kurzer Einblick

Baron von Helfersdorf, als preußischer Botschafter in Damaskus agierend, stirbt eines bizarren Todes. Ein Giftmädchen ist für seinen qualvollen Tod verantwortlich. Wer steckt hinter dem Auftragsmord? Der Crako und sein Adjutant Kosemaul werden in die Hauptstadt Syriens beordert, um Helfersdorfs Mord aufzuklären. Die Ermittler Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen verstricken sich in uralte Legenden, politische Verschwörungen und orientalische Gebräuche.

Bewertung

Wir erinnern uns: Freiherr Friedrich von Krosigk, im Amte des Criminalkommissarius Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen, jagte im Königsberger Umland den Gierfraß: ein Wesen halb Wolf, halb Mensch. Mit dem preußischen Aberglauben vertraut, selbst der Aufklärung anhängend, deckte der Crako die bestialischen Bluttaten an jungen Mädchen souverän auf. Kaum vom gefahrvollen Abenteuer ausgeruht, wird er mit seinem Adjutanten Kosemaul nach Damaskus beordert, um den Mord am Diplomaten Baron von Helfersdorf aufzuklären. Fernab von heimischen Gefilden tappt der Crako zunächst rat- und hilflos durch die Straßen der Stadt. Stets ist er darauf bedacht in keine Fallstricke zu geraten, die seine Mission gefährden.

Michael Kirchschlager, Germanist und Historiker, besuchte die Originalschauplätze des Romans und entführt den Leser in einen stimmig-authentischen Orient. Fachkundig breitet der Autor eine Welt fremder Gebräuche, Legenden und politischer Wirrgespinste komplexer Intrigen und geduldeter Korruption aus. Ohne Beziehungen und gewonnener Freunde wäre Krosigk freilich gescheitert, gar in der Versklavung verrottet. Es hätte so manchen Mann gebrochen, was Kirchschlager seinen Charakteren zumutet. Während Kosemaul einem Bordellmädchen den Hals rettet, trachtet man dem Crako nach dem Leben. Schilderungen von Folter und Totschlag sind detailliert ausgearbeitet und blutig in ein stets glaubwürdiges historisches Gemälde gesetzt, das keinen authentischeren Eindruck hinterlassen könnte. Der Orient mag verzückende Reize bieten, doch auch Gräueltaten, die den preußischen in wenig nachstehen, in ihrer barbarischen Grausamkeit jedoch eine drastischere Wirkung entfalten. Auf der anderen Seite des orientalischen Abgrundes steht das politische Intrigennest, in dem ein jeder nach Macht gelüstet. Es ist schwer bis unmöglich, jemanden des Machtumsturzes zu bezichtigen oder gar klare Beweise zu finden. Das muss ebenso Krosigk zu seinem Ungemach feststellen: Wem kann er vertrauen? Wer wird ihm in den Rücken fallen?

Michael Kirchschlagers bedachtsam eingesetzter Sprachduktus vermittelt ein Gefühl, das den Leser in die Vergangenheit versetzt. Inszenierung, Gebräuche und Politik mögen die eine Seite der Medaille sein, das Verhalten und Gebaren der Charaktere die andere. Kosemaul mit seiner forschen Art, bringt Schwung in die damaskische Unterwelt. Seine original »machteborjer« Mundart indessen macht ihn zu einem liebenswerten Kerl, dem man kein Haar krümmen kann. Freiherr Friedrich von Krosigk unterdessen ist darauf bedacht die Etikette zu wahren. Zusammen sind Krosigk und Kosemaul ein Ermittlerduo, das sich perfekt ergänzt und gerade durch ihre Unterschiedlichkeit zu begeistern vermag.

Fazit

Alte Legenden, politische Verschwörungen und plastische Folterszenen lassen den Orient in all seinem Glanz und Grausamkeit erstrahlen. »Der Crako und das Giftmädchen« begann als Reiseabenteuer und endete in einem brisanten Kriminalfall, der politisch brisante Auswirkungen nach sich zog. Ein Jammer, dass der dritte Teil um den Criminalkommissarius Krosigk niemals erschien.

4,5 von 5 Punkten

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