Samstag, 20. April 2013

Rezension: Road Rage (Stephen King & Joe Hill; Richard Matheson)

Panini Comics
Softcover, 100 Seiten
ISBN: 978-3862013661
12,95 €


Ein kurzer Einblick

Ein Truck, eine Motorrad-Gang und ein Highway im Nirgendwo. Stephen King und Joe Hill entwerfen mit den Zeichnungen von Nelson Daniel einen Horrortrip, der nur einen Ausweg kennt: ‚Full Throttle‘ - Vollgas geben, bis es Tote gibt. Nur einer kann gewinnen; Trucker oder Biker-Gang.

Bewertung

Auch die einfachste Storyidee kann beste Schockatmosphäre erschaffen. »Road Rage« enthält zwei Storyumsetzungen: »Throttle« von Stephen King und Joe Hill (gezeichnet von Nelson Daniel, »The Cape« oder »Judge Dredd«) und »Duel« von Richard Matheson (gezeichnet von Rafa Garres, »Jonah Hex« oder »2000 AD«). Adaptiert wurden die Storys von Chris Ryall, »Clive Barker‘s The Great And Secret Show« oder »Doomed«.

In Kings und Hills »Throttle«, setzt ein Koloss von Truck alles daran eine Motorrad-Gang zu erledigen. Die Biker, die sich selbst »The Tribe« nennen, haben eine offene Rechnung zu begleichen - ein Drogendeal ist schiefgegangen. In Richard Mathesons »Duel« (von Steven Spielberg 1971 verfilmt), überholt ein Handelsvertreter unter Zeitdruck einen Truck und bekommt die Quittung hinterhergeschoben: Ein rachsüchtiger Trucker, versucht diesen zu vernichten ...

Obwohl die Geschichten vom Ansatz her große Ähnlichkeiten aufweisen, könnten sie unterschiedlicher kaum sein. Während in »Throttle« kriminelle Biker Rache wegen des vermasselten Drogendeals nehmen, versucht in »Duel« ein namenloser Vertreter, er wird nur ‚der Mann‘ genannt, pünktlich ans Ziels zu gelangen. Die Trucker spielen in beiden Storys die Rolle Bösewichts, die die Biker respektive den Handelsvertreter über den Haufen brettern wollen. Das Motiv ist das entscheidende Merkmal. »Throttle« verleiht dem Fahrer des Trucks einen kargen Hintergrund seiner Tat, der Trucker aus »Duel« hingegen verbleibt in der Rolle des blassen Gespenstes hinterm Steuer seiner röhrenden Monstermaschine. King und Hill bauen ihre Schilderung aus, bringen eine Story unter, während Matheson hauptsächlich mit der Angst des Unbekannten spielt. Auf diese Weise gelingt es Matheson sehr viel effektiver, das Grauen zu erschaffen. Warum verfolgt der Trucker den Handelsvertreter? Ist es schlicht die Laune eines Masochisten? Die Angst wird spürbar, sichtbar - dem Mann bleibt allein die Chance dem Truck zu entkommen. In dieser Hinsicht ist »Duel« die bessere Geschichte.

Auch grafisch werden »Throttle« und »Duel« vollkommen unterschiedlich untermalt. Nelson Daniel führt einen eher klaren Stil, der einzelne Szenen überzeichnet. Nicht der Truckfahrer spielt die wirkliche Rolle des Monsters, sondern der Truck selbst. Das physikalisch unmögliche Fahrverhalten, der Truck springt über Hügelkuppen und schlingert waghalsig um Schlaglöcher und Kurven, verleiht dem monströsen Fahrzeug einen tierischen Instinkt. »Throttle« lebt hauptsächlich durch die Bilder. Etwas schwierig sind die Biker zu unterscheiden, die gestalterisch kaum differenziert sind, kaum Mimik besitzen und deren Alter um mindestens zwanzig Jahre auseinanderliegt, die aber doch alle wie dreißig aussehen. »Duel« wirkt mit Rafa Garres‘ Stil realistischer und Furcht einflößender. In dreckigen, verwaschenen Erdtönen gehalten, rückt weniger der Truck in den Vordergrund, sondern die Angst, die lediglich durch die Bedrohung des Trucks erstklassig unterstützt wird.

Fazit

Grafisch spielt »Road Rage« auf einem hohen Niveau. Beide Storys - »Throttle« und »Duel« - unterhalten mit einer temporeichen Geschichte. Obwohl die Storys einen ähnlichen Ansatz verfolgen, sind sie doch grundverschieden und können gerade wegen ihrer Differenzen (monströser Truck vs. Spiel mit der Angst) begeistern.

4 von 5 Punkten

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