Sonntag, 14. April 2013

Rezension: Finks Krieg (Martin Walser)

Suhrkamp
Taschenbuch, 310 Seiten
ISBN: 978-3-518-39400-7
10,00 €


Ein kurzer Einblick
 
18 Jahre lang ist der Beamte Stefan Fink im Verbindungsamt zu den Kirchen in der hessischen Staatskanzlei tätig. Dann verliert seine SPD die Wahl und der neue Staatssekretär Tronkenberg von der CDU teilt ihm mit, dass er versetzt werde. Es habe massive Beschwerden gegen ihn gegeben. Der Beamte Fink lässt sich diese haltlosen Vorwürfe nicht gefallen. Er beginnt einen Kampf um seine Ehre, der auch nicht endet, als die SPD wieder die Regierungsmacht erlangt…

Bewertung

Martin Walser behandelt in diesem etwas älteren Roman aus den 90er Jahren eine von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Frage. Gestützt auf eine wahre Gegebenheit aus der hessischen Staatskanzlei beschäftigt er sich in „Finks Krieg“ mit dem Thema, was eigentlich mit den Mitarbeitern im Regierungsapparat, also etwa Ministerien und Staatskanzleien, passiert, wenn die Partei, der sie angehören, nicht mehr die Regierung stellt. Sogenannte „Politische Beamte“ verlieren in diesem Fall in der Regel ebenso ihre Position wie frühere Minister, doch hierarchisch niedriger gestellte Mitarbeiter werden in der Regel weiter beschäftigt.
Dies trifft im Fall Stefan Fink allerdings nicht zu. Obwohl er nicht als „Politischer Beamter“ zählt, soll er als SPD-Mitglied unter CDU-Regierung auf einmal versetzt werden. Doch Fink ist sich seiner Leistungen auf seinem Posten bewusst und widersetzt sich dieser Versetzung. Mit allen Mitteln versucht er die Anschuldigungen gegen ihn als Lügen zu entlarven und sucht sich dafür viele Helfer als der Justiz, den Kirchen und der Partei. Mit der Zeit steigert er sich immer mehr in diesem Kampf herein, so dass er zur Unperson wird und es gar nicht mehr nur darum geht, seine Position zu behalten, sondern seine Ehre zu wahren.
Man kann miterleben, wie dieser Kampf immer mehr und mehr sein Leben bestimmt. Nicht nur, dass er immer ausgefeiltere Kampfmittel entwickelt, indem er seinen Fall in verschiedenster Weise publik macht, sondern auch die Helfer werden immer mehr bzw. werden im Laufe der Zeit je nach Kampftaktik ausgetauscht. Doch Stefan Fink muss auch feststellen, dass dieser Kampf für sie lange nicht so entscheidend ist, was darin gipfelt, dass sich selbst sein bester Freund von ihm abwendet. Irgendwann ist Stefan Fink so von seinem Kampf besessen, dass er praktisch sein gesamtes Leben auf ihn ausrichtet und auch nur noch über ihn definiert wird.
Diesem Kampf, der sich über viele Jahre und Regierungswechsel hinzieht, ist an einigen Stellen schwer zu folgen. Im Laufe der Zeit werden so viele Namen von Helfern und Gegnern eingeführt, die zum Teil Spitznamen erhalten, dass es irgendwann schwierig ist, diese noch zuzuordnen. Zudem ist es hilfreich, wenn man sich mit politischen Strukturen, auch in Staatskanzleien, auskennt sowie mit Kirchenstrukturen, um dem Roman angemessen folgen zu können. Häufig setzt Walser hier Dinge voraus, ohne Strukturen oder Gremien zu erklären, die wohl nicht jedem bekannt sein sollten.

Fazit
 
Martin Walser beschreibt in „Finks Krieg“ eindringlich den Kampf des Beamten Finks um seine Position und seine Ehre. Beruhend auf einer wahren Gegebenheit kann man miterleben, wie der Kampf immer mehr Stefan Finks‘ Leben bestimmt und sich immer mehr Menschen von ihm abwenden. Leider ist der Roman jedoch an der einen oder anderen Stelle im Bezug auf politische und kirchliche Strukturen nicht ausreichend erklärt.

3 von 5 Punkten

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