Dienstag, 16. April 2013

Rezension: Die Familie (Richard Laymon)

Heyne
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-453-67625-1
9,99 €


Ein kurzer Einblick

Das Mordock Cave Hotel ist bei Touristen sehr beliebt - und es pflegt eine heimliche Tradition: Zimmer 115 ist den jungen und hübschen Frauen vorbehalten. Als das Hotel abbrennt, gehen die Lichter in der Höhle unter dem Hotel aus und eine Gruppe Touristen ist in der Dunkelheit gefangen. Alleiniger Ausweg ist der ausgebrannte Fahrstuhl. Doch ist es wirklich der einzige Ausgang? Was verbirgt die Familientradition der Mordocks in den Tiefen der Höhle? Etwas, das nach Blut giert, etwas das seine Beute wittert ...

Bewertung

»Die Familie« ist eines der früheren Werke Richard Laymons: erstmals 1988 erschienen, ist qualitativ kaum ein Unterschied seiner neueren Romane gegenüber festzustellen. Laymons Schreibstil ist und bleibt ein simples Juwel in der Landschaft der Unterhaltung des Splatter-Horrors. Kunstlos, aber Spannung erzeugend, vermischt der Autor die immerzu gleichen respektive sehr ähnlichen Zutaten zu einem Mix aus Gewalt, Blutfontänen und Sex. Das Konzept funktioniert - so denn man keinen wortgewandten, einfallsreichen Roman erwartet - und vermag bestens zu unterhalten. Mit etwa 350 Seiten, (von denen 15 Seiten auf eine Werksammlung aller bisher bei Heyne erschienenen Werke entfallen), ist »Die Familie« angenehm kurz gehalten und lässt damit Längen vermissen.
Kyle und sein Vater bewirtschaften das Mordock Cave Hotel und bieten Führungen in die darunter befindliche Höhle an. Jedenfalls bis zur Mauer, die den vorderen Teil der Höhle vom hinteren trennt. Den Touristen erzählen sie eine mörderische Geschichte, die mehr Wahrheit enthält als wünschenswert wäre. Als der Strom ausfällt und das Hotel abbrennt, sehen sich die Touristen nicht nur ihren Ängsten ausgesetzt.
Kyle und sein Vater sind Perverslinge, die allein reisende Frauen vergewaltigen, ihre Fantasie an ihnen auslassen und die Überreste beseitigen. Bei Laymons Figurenkonstellation sollte das kein Erstaunen hervorbringen. Die Höhlenführerin Darky fühlt sich von Kyle beobachtet, der seine Chance im Schutze der Dunkelheit der Höhle gekommen sieht. Triebgesteuert agiert jedoch auch das Groß der Nebenfiguren, die nur allzu gern einen heißen Gedanken an den attraktiven Mann oder die Frau im Sommerkleid verschwenden. Sexsüchtig und gewalttätig mögen die bösen Figuren keineswegs eine Überraschung sein. Dass sich zwischen Darky und einem Touristen, sowie zwischen Darkys Mutter und einem Vater eine Liebesgeschichte entwickelt, die tatsächlich (fast) zu Herzen geht, ist erwartungswidrig! Nicht schlecht, Herr Laymon!
Richard Laymon lässt sich Zeit für die Einführung der Familiengeschichte, verleiht den Charakteren dafür kaum Tiefe und widmet ihnen zu wenig Zeit, um den Leser um Darky zittern zu lassen. Doch der Horror, den die Dunkelheit der Höhle mit sich bringt, fördert das Spiel mit der Angst. Wer konnte als Kind nicht schlafen, im Gedanken an das Monster unter dem Bett? Darky und die Touristen sind in einer stockfinsteren Höhle eingeschlossen. Die wortwörtlich düstere Atmosphäre ist Kopfkino pur. Die drastischen Schockmomente sind sparsam eingesetzt und verfehlen daher ihre Wirkung nicht. »Die Familie« geizt nicht mit Splatter, doch beherrscht auch den seichten Grusel.

Fazit

Ein abgelegenes Hotel, eine Höhle mit finsterem Geheimniss und sexsüchtige, blutgierige Charaktere lehren einem nicht das Grauen, bieten aber beste Unterhaltung, die durch Schockmomente unter die Haut geht. »Die Familie« benötigt ausnahmsweise kein »FSK 18«-Logo, sodass vorliegender Roman auch jenen empfohlen sei, die bisher Abstand von Laymons Werken hielten.

3 von 5 Punkten

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