Montag, 8. April 2013

Rezension: Aufbruch - Partials 1 (Dan Wells)


Piper ivi
Gebunden mit Schutzumschlag, 512 Seiten
ISBN: 978-3-492-70277-5
16,99 €


Ein kurzer Einblick

2076 - Nach dem kurzen aber für die Menschheit vernichtenden Krieg gegen die Partials - übermächtige Krieger, die einst von den Menschen selbst erschaffen wurden und sich dann gegen sie wendeten - versuchen die letzten Menschen auf Long Island vor den Toren Manhattans eine neue Gesellschaft aufzubauen. Von den Partials wurde seit dem Krieg nichts mehr gesehen, doch der endgültige Untergang droht diesen letzten Überlebenden trotzdem: eine unheilbare Seuche - der RM-Virus - lässt kein Neugeborenes länger als drei Tage leben.

Kira, gerade selbst erst 16 Jahre alt, setzt alles daran, um die Krankheit zu heilen. Entgegen aller Regeln macht sie sich mit einigen Freunden auf nach Manhattan, um bei den Partials das Geheimnis derer Immunität zu ergründen. Doch was sie dort entdeckt, könnte nicht nur die Rettung der Menschheit bedeuten, sondern lässt Kira auch an allem zweifeln, was sie bisher glaubte über sich selbst zu wissen…

Bewertung

„Vergesst die Liebe, vergesst die Entscheidungsfreiheit, werdet einfach schwanger und rettet die verdammte Welt!“ (Seite 41)

Dan Wells entführt uns in seinem ersten Partial-Roman in eine Welt der Zukunft, in der die Menschen eine vom Aussterben bedrohte Art sind. Es gibt eine Regierung, es gibt Jobs und zu Essen. Doch da kein einziges Baby immun gegen die Seuche ist, gibt es auch ein Gesetz, was junge Frauen dazu zwingt, bereits mit 18 Jahren schwanger zu werden, so oft wie möglich. Viele Menschen sind für dieses Gesetz, scheint es doch die einzige Möglichkeit zu sein, den Fortbestand der letzten Menschen zu sichern. Doch gibt es auch welche, die entschieden dagegen sind, und aufgrund ihrer Nichtbeachtung durch die Entscheidungsträger hat sich darauf eine mittlerweile sehr gefährliche Rebellengruppe gebildet. All diese Hoffnungslosigkeit und Gewissheit auf eine düstere Zukunft, die ständige Angst vor einem Angriff der Rebellen hat die Protagonisten um Kira zu starken Erwachsenen gemacht, welche kaum noch Züge von Jugendlichen zeigen. Dies zeigt sich lediglich in wenigen Momenten, wenn humorvolle Passagen die allgemeine Verbitterung und Düsternis des Romans unterbricht.

Alle dem Leser begegnenden Personen werden dabei sehr facettenreich und lebensnah dargestellt. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl, dass die Personen in den jeweiligen Situationen übertrieben reagieren würden. Kira selbst steht dabei im Mittelpunkt und man kann als Leser wunderbar die Wandlung miterleben, die sie durchmacht. War sie zu Beginn eher erschöpft wegen der anstrengenden Arbeit auf der Entbindungsstation im Krankenhaus, entwickelt sie immer mehr Kraft und Energie, um ihr Ziel, endlich ein Heilmittel zu finden, zu erreichen. In ihrem Eifer war sie sogar bereit, einem lebenden Partial die Hand zu amputieren und zu untersuchen. Doch als sie dann endlich mit einem gefangenen Partial allein ist, kommt ihre Herzlichkeit und ihr Idealismus wieder durch und je mehr Tage vergehen, sieht man ihr förmlich an, wie sehr ihr der Konflikt, einerseits durch ihre Untersuchungen die Babys retten zu können und andererseits für eine möglichst angenehme Unterbringung für den Partial zu sorgen, zu schaffen macht. Diese Wandlung gipfelt am Ende in einer Wendung besonderer Art, die wahrlich überrascht und den Leser noch mehr an die Geschichte fesselt – und Kira ihren Hass auf die Partials vergessen lässt.

Dan Wells handelt in diesem ersten Teil einen ziemlich langen Zeitraum ab, der nicht mit unnötigen Nebenhandlungen gefüllt wird. Somit bleibt der Spannungsbogen konstant erhalten und gipfelt mit den letzten zwei Absätzen in einem offenen Ende, das einen frustriert das Buch zuklappen lässt und man sich fragt, warum man die Fortsetzung noch nicht hat!

Fazit

Trotz der bereits bekannten Grundidee der von Menschen erschaffenen und gegen sie rebellierenden Wesen schafft es Dan Wells mit den vielen unvorhersehbaren Wendungen eine Spannung zu schaffen, die das gesamte Buch über anhält und den Leser regelrecht festsaugt, so dass man es nicht mehr schafft, es überhaupt aus der Hand zu legen! Von daher ein Tipp: Wer diese packende Mischung aus Thriller und Science-Fiction lesen will – und dies sei jedem empfohlen –, sollte viel Zeit einplanen, um es im „schlimmsten“ Fall in einem Rutsch lesen zu können.

5 von 5 Punkten


Wir danken Piper ivi für das bereitgestellte Rezensionsexemplar. 

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