Donnerstag, 28. März 2013

Rezension: Mary Ann im Herbst (Armistead Maupin)

Rowohlt
Hardcover, 352 Seiten
ISBN: 978-3-498-04521-0
19,95 €

Ein kurzer Einblick

Mary Ann Singleton ist nach San Francisco zurückgekehr, da sie an Gebärmutterkrebs erkrankt ist. Sich zu Hause in Darien, wo jeder jeden kennt, einer Behandlung zu unterziehen, will sie um jeden Preis vermeiden. Außerdem ist zu Hause kein Zuhause mehr für sie, seit sie nach einem Skype-Chat mit ihrem Mann, der auf Geschäftsreise in Venedig weilte und vergessen hatte, die Webcam des Notebooks abzuschalten, live miterleben musste, wie er mit ihrer persönlichen Lebensberaterin Calliope schlief.



Bewertung

Es ist merkwürdig, aber von jedem, der verschwindet, heißt es, er sei hinterher in San Francisco gesehen worden

Oscar Wilde


Mit diesem Zitat beginnen Armistead Maupins Stadtgeschichten. Um den bisher letzten Band dieser Reihe zu besprechen, muss ich etwas weiter zurückgehen. An den Anfang der Stadtgeschichten. Ende der 70er Jahre kommt die leicht naive Mary Ann Singleton von Cleveland nach San Franciso. Aus einem eigentlich nur fünftägigen Urlaub wird spontan ein Aufenthalt von mehreren Jahren.
Ein Zuhause findet Mary Ann in der Barbary Lane, wo die schrullige Vermieterin Anna Madrigal jeden ihrer neuen Mieter mit einem Joint an der Tür begrüßt.
Die anderen Mieter sind die bisexuelle Mona Ramsey, der hetero Aufreißer Brian Hawkins, der geheimnisvolle Norman Neal Williams und der liebenswerte Schwule Michael Tolliver, genannt Mouse.
Mary Ann und die anderen Mieter erleben nun in ursprünglich sechs Romanen lustige, tragische und auch gruselige Abenteuer in San Francisco, wobei auch die Stadt selbst eine große Rolle spielt.
Die ursprünglichen sechs Romane spielen von Ende der 70er bis Ende der 80er Jahre. Da Maupin die Geschichten ursprünglich als Fortsetzungsgeschichten schrieb, die wöchentlich im San Francisco Chronicle erschienen, konnte er so auch auf damals tagesaktuelle Themen eingehen.
So sind die Stadtgeschichten auch eines der ersten literarischen Werke, die sich mit AIDS beschäftigen. Auch Michael erkrankt schließlich an der Immunschwäche, Ende der 80er noch ein Todesurteil, sodass der letzte Roman auch ein sehr pessimistisches Bild bietet.
Nicht nur durch Michaels Erkrankung. Mary Ann, mit der die Stadtgeschichten begannen, bricht die Mietergemeinschaft auseinander, da sie einen Job in New York annimmt.
Genug zur Vorgeschichte, kommen wir zu „Mary Ann im Herbst“:
Nachdem sie ihren Ehemann über Skype beim Seitensprung mit ihrem Life Coach erwischt, flieht Mary Ann zurück nach San Francisco. Doch ist der Seitensprung ihres Mannes nicht Mary Anns einzige Sorge. Sie hat Gebärmutterkrebs und will sich in San Francisco operieren lassen.
Unterschlupft findet sie bei ihrem alten Freund Michael und seinem jungen Ehemann Ben. Wie auch schon in den anderen Romanen gibt es hier mehrere Handlungstränge:
Mary Anns Krebserkrankung und die Ernüchterung über ihre Ehe. Mary Anns entfremdete Tochter Shawna lernt eine drogensüchtige Obdachlose kennen, die ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. Michaels transsexueller Assistent Jake lernt einen Mormonen Missionar kennen, der sich nicht traut, sich seine Homosexualität einzugestehen.
In all diesen Trubel kommt noch eine  Bedrohung aus der Vergangenheit zurück, um die ehemaligen Bewohner der Barbary Lane zu verfolgen.
Der letzte ursprüngliche Band der Stadtgeschichten erschien 1989. 2007 veröffentliche Maupin dann „Michael Tolliver lebt“. Wie es der Titel schon sagt, geht es hier zum Großteil um Michael, aber auch die anderen Figuren der Stadtgeschichten haben Auftritte.
Während Maupin sich erst lange Zeit sträubte, zuzugeben, dass es sich hierbei um einen weiteren Stadtgeschichten Band handelte, hat er dies nun offiziell bestätigt und hat inzwischen auch einen weiteren Band angekündigt.

Fazit

Für jeden Leser der Stadtgeschichten, ist es so, als würde man alte Freunde nach vielen Jahren wiedertreffen. Die Figuren sind alle älter, aber trotzdem ist das alte Feeling sofort wieder da.

5 von 5 Punkten

Diese Rezension verfasste Ingo Rüdiger für Legimus.

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