Samstag, 30. März 2013

Rezension: Der Herr der Ringe (J.R.R. Tolkien)

Klett-Cotta
3 broschierte Bände in Kassette, 1568 Seiten
ISBN: 978-3-608-93984-2
34,95 €


Ein kurzer Einblick

Dem Hobbit Bilbo Beutlin ist im Vorgängerband, „Der Hobbit“, der Ring der Macht in die Hände gefallen. Nach etwa 60 Jahre, zu Beginn der Herr der Ringe-Trilogie, übergibt er den Ring, der ihm ein ungewöhnlich langes Leben verschafft hat, nun an seinem Geburtstag im Beisein des Zauberers Gandalf an seinen Neffen Frodo. Doch Frodo soll der Ring nicht ein ebenso langes Leben bescheren, denn Gandalf erkennt, dass von dem Ring die Macht ausgeht, ganz Mittelerde zu unterdrücken. Also muss sich Frodo mit dreien seiner Freunde auf die gefährliche Reise begeben, den Ring zu zerstören. Dabei erhält er unerwartete Hilfe von Menschen, Elben und Zwergen…

Bewertung

„Der Herr der Ringe“ ist eine jener Geschichten, deren Handlung eigentlich den meisten Menschen bekannt ist, besonders seit der Oscar-prämierten Verfilmung von Peter Jackson. Die Romanvorlage zu lesen, bedarf einiger Ausdauer, denn mit seinen knapp 1600 Seiten ist „Der Herr der Ringe“ eine jener Buchreihen, die nicht einfach zu bewältigen sind.
Hat man sich schließlich an das Monumentalwerk J.R.R. Tolkiens gewagt, eröffnet sich dem Leser eine faszinierende Welt, der man nicht mehr so schnell entrinnen kann. J.R.R. Tolkien hat nicht nur eine beeindruckende und verzwickte Handlung entwickelt, sondern zugleich eine komplett neue Welt erschaffen. Diese überzeugt nicht nur durch ihre geografische Präzision, die der Leser auf den integrierten Klappkarten in jedem der Bände erfahren kann und die beim Lesen ein Verfolgen der Handlungsorte ermöglichen. Auch die Entwicklung unterschiedlicher Völker, ihre Eigenarten sowie Verbindungen zueinander, die nicht selten durch Vorurteile oder vergangene Ereignisse geprägt sind, stehen für Tolkiens geistige Höchstleistung.
Die Geschichte ist zunächst simpel. Auf der einen Seite steht das absolut Böse und auf der anderen Seite das Gute. Doch im Laufe der Handlung weichen diese idealtypischen Zuschreibungen auf der Seite des Guten auf und, indem man immer mehr über die Charaktere erfährt, werden sie vielschichtiger und nicht mehr so makellos. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse und je unsicherer die Lage wird, desto unsicherer kann man sich seiner Freunde sein.
Die Handlung an sich enthält viele Facetten, die auch in der Unterteilung der einzelnen Bände nach sogenannten Büchern deutlich werden. So gibt es innerhalb der Bände jeweils Handlungsstränge, die die Zerstörung des Ringes verfolgen, und die, die stärker auf die Kampfhandlungen im Buch hinauslaufen. Diese werden komplett nacheinander erzählt, was zur Spannungsaufrechterhaltung beiträgt, da häufig genau an entscheidenden Stellen der andere Handlungsstrang einsetzt. Vor allem die Geschichte um die Zerstörung des Ringes hat ihre Längen. Der lange Weg, den die Hobbits zurücklegen müssen, ist zum Teil auch beim Lesen spürbar. Die Geschichte um den Kampf um Mittelerde ist dagegen um einiges spannender und auf Grund einer viel größeren Anzahl von Akteuren auch differenzierter erzählt. Allerdings sind dabei die Kampfszenen, im Gegensatz zur Verfilmung, um einiges weniger ausführlich, so dass die Romanreihe auf keinen Fall als Kampferzählung betrachtet werden kann. Vielmehr sorgen vor allem die Hobbits in diesem Teil auch für einige Erheiterung.
Das Thema, das die komplette Trilogie überspannt, ist Freundschaft. So kann man nicht nur miterleben, wie sich diese im Angesicht gefährlicher Situationen weiterentwickelt und große Schwierigkeiten überwindet, sondern auch wie neue Freundschaften entstehen und gefestigt werden. Besonders das Miteinander verschiedenster Völker wird in den Vordergrund gestellt. Hier wird auch deutlich, dass „Der Herr der Ringe“ trotz seiner heutigen Popularität in den 1950er Jahre geschrieben wurde. So spielen etwa im Gegensatz zu neueren Romanen Frauen praktisch keine Rolle.
Der einzige größere Kritikpunkt neben einigen Längen, die es zu überwinden gibt, ist die beschriebene Ausgabe der Trilogie. In dieser wird an einigen Stellen auf den Anhang verwiesen. Allerdings befindet sich dieser nicht in der Ausgabe. Deshalb ist es empfehlenswert, wenn man diese Ausgabe von „Der Herr der Ringe“ liest, sich zusätzlich das Werk „Anhänge und Register“ zu besorgen.

Fazit

„Der Herr der Ringe“ ist eines jener Monumentalwerke, das es sich trotz seiner knapp 1600 Seiten auf jeden Fall zu lesen lohnt. Auch Leser, die eigentlich keine Fans von Fantasy sind, können in eine beeindruckende Welt von Hobbits, Menschen, Elben, Zwergen und Zauberern eintauchen und erleben eine facettenreiche Geschichte, die stark durch Freundschaft geprägt ist.

5 von 5 Punkten

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