Dienstag, 26. März 2013

Rezension: Der Dunkle Turm IV. Glas (Stephen King)

Heyne
Taschenbuch, 992 Seiten
ISBN: 978-3-453-87559-3
10,99 €


Ein kurzer Einblick

Verrat und Intrige, Treue und Liebe sollen die Schlagwörter sein, die »Glas« ein Gesicht geben. Rolands Weg führt ihn in die Baronie Mejis, in der er seine erste und letzte große Liebe, aber auch John Farson begegnet - John Farson, der einen Krieg gegen Innerwelt anzettelt. Ihm zur Hand stehen die grausamen Waffen des alten Volkes.

Bewertung

Unaufhörlich rast Blaine der Gierige mit seinen Passagieren Eddie, der Blaine mit exzellenter Unlogig die Schaltkreise durchbrennen lassen wird, Susanna und Roland Deschain auf die Endstation zu. Am Zielort müssen sie nicht nur die Erfahrung machen, dass Schwachstellen die Landschaft zerfressen, sondern auch, dass unzählige Parallelwelten sich konfus vermischen. Jede Welt führt zum Dunklen Turm. Jede Welt ist abhängig vom Fortbestehen des Dunklen Turms. Am Ka-Tet soll es liegen, unzählige Welten zu retten - und ihre eigene. Zuvor jedoch erzählt Roland eine Geschichte; eine Jugendgeschichte, die zeitlich nach seiner Reifeprüfung einzuordnen ist.
Die Rückblende in weit vergangene Zeiten ist der größte Eingriff in Rolands Charakter, den Stephen King bisher wagte. Es ist zugleich der überflüssigste Strang, wird doch die eigentliche Handlung kaum fortgeführt, aber auch eine der bedeutendsten Handlungsteile: Rolands an Sucht grenzendes Gieren nach dem Dunklen Turm, den Weg zu vollenden und sein Ziel zu erreichen findet in der Baronie Mejis seinen Grundstein und damit Rolands Lebensinhalt für Jahrzehnte. King erzählt aber nicht nur in schillernden Worten von des Revolvermanns Lebensaufgabe, sonder verleiht dem grauen mit Schlieren versetzten Charakter endlich knallbunte Farben. Das Abenteuer, das Roland, Alain und Cuthbert zu bestreiten haben ist ein wahres Feuerwerk an Ideen, die Mittwelt abermals ein völlig neues Gesicht verleihen. Der intensiven Liebesgeschichte, ohne die Grenze zum Kitsch zu überschreiten - im Gegenteil, natürlicher habe ich einen Autor noch nie von der großen Liebe erzählen gehört, die Westernatmosphäre am Ufer des Meeres und die Dark-Fantasie-Anteile machen »Glas« zu einem Werk, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Sorry, für diese abgedroschene Phrase, aber besser hätte sie nie passen können.
Eigentlich sind Roland und seine Freunde in Sicherheit geschickt worden - in eine vermeintliche Sicherheit. Die größte Gefahr Innerwelts lauert an diesem friedlichen Ort in der Baronie Mejis. Als Söhne von Viehbauern als Deckmantel ihrer Tarnung sollen sie eine Bestandsaufsicht machen, stoßen dabei jedoch auf Verrat, Intrige und Roland auf die große Liebe. Etwas ist faul im Orte Mejis: Die Mistgrube stinkt zehn Meilen gegen den Wind. Des Lesers Mühe hinter die mühsam errichtete Fassade der Übeltäter zu schauen, vermischt sich mit der Spannung, was die Jungen als nächstes planen. Wie Alain mag man Roland am liebsten das Gesicht grün und blau schlagen, der sich Monate weigert, etwas zu unternehmen, intensivere Nachforschungen anzustellen, anstelle abzuwarten und zu beobachten. 

Fazit

»Glas« ist trotz der Rückblende in Rolands Jugend der bisher beste Roman der Reihe. Dies mag einerseits an der hervorragenden Erzählstruktur liegen, die einem förmlich zwingt Seite um Seite umzublättern, da die Handlung nur so vor sich hintröpfelt, andererseits aber auch an der riesigen Freude, endlich mehr über Roland und sein vergangenes Leben zu erfahren.

4,5 von 5 Punkten

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