Freitag, 29. März 2013

Rezension: Alexander (Klaus Mann)

Rowohlt Verlag (rororo)
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-499-24412-4
8,90 €

Ein kurzer Einblick

Klaus Mann, der älteste Sohn von Thomas Mann, behandelt in seinem zweiten Roman das Leben und die Person Alexanders des Großen. Zunächst beschäftigt er sich mit der Kindheit und Jugend des makedonischen Prinzen bis hin zu seiner Krönung zum König nach der Ermordung seines Vaters Philipp. Es folgt der Zug gegen das persische Reich, das er schließlich erobern kann, bis nach Indien, wo sich seine Soldaten am Fluss Hyphasis weigern, noch weiterzumarschieren. So kommt es zur beschwerlichen Rückkehr nach Persien, die mit Alexanders frühem Tod in Babylon endet.

Bewertung

Direkt vorneweg: Klaus Mann ging es in diesem Roman nicht darum, ein historiographisches Werk zu verfassen, vielmehr steht der Charakter und das Wesen Alexanders im Vordergrund. Alexander wird sehr kontrastreich, oftmals zwiespältig und widersprüchlich interpretiert. Er wirkt häufig noch wie ein kleines Kind, das nach Anerkennung und Liebe lechzt, und im nächsten Moment zeigt sich wieder der grausame Eroberer, der stets weiter will, krampfhaft auf der Suche ist, die Weltherrschaft anstrebt, immer neue, noch unentdeckte Gebiete finden und einnehmen will und all den Völkern Freiheit bringen möchte. Man erlebt ihn in Manns Buch ebenso selbstzweifelnd und unsicher ob der Frage, was er überhaupt erreicht hat. Brachte er den eroberten Völkern eigentlich die erwünschte Freiheit oder entwickelte sich diese bloß immer stärker zur Unterdrückung? Historisch völlig authentisch ist das Buch auf jeden Fall nicht. Wer gern ein Geschichtswerk über Alexanders Persienfeldzug lesen möchte, sollte nicht zu diesem Buch greifen. Es erinnerte mich während des Lesens eher an antike Texte, etwa von Plutarch, wie oftmals in ausschmückender Sprache ihren Inhalt schilderten, sehr viel Wert auf Intrigen und Konflikte am königlichen Hof legten, stark mit Legendenbildung, Mystik, Fabelwesen, Vorhersagen und ähnlichem arbeiteten, dafür aber auch sehr gut zu lesen sind und eine nette Unterhaltung bieten.
Auch Manns Roman verfügt meist über eine etwas pompöse, pathetische Sprache, die man doch heute sehr selten noch so vorfindet. Dafür überzeugt das sehr hohe sprachliche Niveau, das aber der Lesbarkeit des Buches keinen Abbruch tut. Man konnte das Werk wirklich sehr gut herunterlesen. Bloß die letzten Teile in Indien bis hin zu Alexanders Tod gefielen mir nicht mehr so gut, diese wurden etwas abstrus voller Mystik und seltsamer Träume, die den Lesefluss ein wenig störten. Außerdem baute der Autor sehr häufig eine etwas seltsame Wortstellung ein, die mich zu Anfang doch ein wenig irritierte. Auch einige Satzzeichen waren an der falschen Stelle und einige Tippfehler haben sich eingeschlichen, wobei ich nicht weiß, ob man dies dem Verlag ankreiden kann, da die Ausgabe der Erstausgabe von 1929 folgt und die Fehler vielleicht bewusst mit übernommen wurden?!
Bei der Lektüre des Buches hilft es aber ungemein, wenn man zu Alexander dem Großen über ein wenig Vorwissen verfügt, da der Roman durchaus Einiges voraussetzt. Auch generelles Antikewissen ist von Vorteil, da viele Begriffe der damaligen Zeit zwar in ihrer deutschen Schreibweise auftauchen, jedoch nicht erläutert werden. Ohne Vorkenntnisse könnte das Verstehen der Handlung doch in einigen Punkten erschwert werden. Sehr nützlich für Informationen rund um den Roman ist das ausführliche Nachwort, das hilft, das Werk in seine Entstehungszeit einzuordnen. Man erfährt wichtige Aspekte zur damaligen Zeit, zu den Absichten von Klaus Mann beim Verfassen des Buches, wie es angenommen wurde und wie sich seine Rezeption über die folgenden Jahrzehnte entwickelt hat und wie das Schaffen seines berühmten Vaters, der ungefähr zur Veröffentlichung des „Alexanders“ den Literaturnobelpreis erhielt, Klaus Manns Werk beeinflusste.

Fazit

Ein unterhaltsames Werk über Alexander den Großen, das kein Geschichtsbuch sein will und daher so auch nicht aufgefasst werden sollte. Im Zentrum steht vielmehr die Psyche Alexanders, in der sich durchaus Parallelen zum Autor selbst finden lassen. Alexanders Streben nach Weltherrschaft und Freiheit und sein Scheitern, dies zu erreichen, bilden das Zentrum des Buches, das mich durch seine einmalige Herangehensweise an diese Thematik überzeugte und mir Alexander nahe bringen konnte. Dabei sollte man jedoch stets die fehlende historische Authentizität mit bedenken.

4 von 5 Punkten

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