Donnerstag, 7. Februar 2013

Rezension: Wie die Welt endet (Will McIntosh)

Heyne
Taschenbuch, 416 Seiten
ISBN: 978-3-453-52924-3
8,99 €


Ein kurzer Einblick

Die Nahe Zukunft verspricht den Untergang der Zivilisation. Die Ressourcen der Erde sind aufgebraucht, die Städte überbevölkert und den Regierungen ist es nicht möglich ein funktionierendes Staatssystem aufrecht zu erhalten. Jasper und seine Freunde suchen einen Platz zum Leben, eine Möglichkeit zu finden zu überleben in einer Gesellschaft, die sich rapide verändert.

Bewertung

Will McIntosh ist Professor für Psychologie. Ein Umstand, der dem Roman deutlich anzumerken ist. Seine Figuren sind gründlich und differenziert ausgearbeitet - doch dazu später mehr. McIntosh wurde u.a. mit dem Hugo Award für seine Kurzgeschichten ausgezeichnet. »Wie die Welt endet« ist sein Debütroman.

Wir schreiben das Jahr 2023. Die Erde ist überbevölkert, Arbeitsplätze sind Mangelware und kein Land ist in der Lage der Bevölkerung den sozialen Status zu verschaffen, der zum Überleben unter menschenwürdigen Umständen notwendig ist. Die Wirtschaft leidet, die Ressourcen der Welt sind erschöpft und die Grenzübergänge werden geschlossen. Niemand will und kann Abermillionen Flüchtlinge aufnehmen. Im Zuge des Niedergangs entstehen neue Viren und Seuchen. Gangs und Terroristen haben leichtes Spiel Angst und Schrecken zu verbreiten. In dieser Welt muss Jasper seinen Platz in der Gesellschaft finden. Einer Welt, die sich beständig verändert und schon bald ein Überleben fast unmöglich macht.
Will McIntosh erzählt die Story in einem Zeitrahmen von 10 Jahren, wobei sich zwischen den einzelnen Kapiteln wenige Monate bis zu 3 Jahre vergehen. Was dem einen zum Vorteil gereicht ist des anderen Nachteil. Die zeitintensiv angelegte Geschichte birgt nämlich keinen epischen Handlungsbogen, der ein komplettes Jahrzehnt abdeckt, sondern sprunghaft abgehandelt wird. Der Leser wird zwischen den Kapiteln alleine gelassen und darf sich weitestgehend zusammenreimen, was in dieser Zeit geschehen ist. Andererseits ist es faszinierend die Veränderungen mitzuerleben, zu erleben, wie Jasper mit den verschiedensten Situationen umgeht. Gerade anfangs bleibt Jasper leider sehr blass, was sich erst im Laufe der Handlung ändern soll. Der Leser wird in den Plot hineingeworfen, ohne Hintergrundinformationen über die Welt angeboten zu bekommen. Wirtschaftsinteressen, Viren und Gangs wirken sich massiv auf das Weltgeschehen aus, werden aber am Rande abgehandelt. Jasper konzentriert sich auf sein Umfeld, seine Freunde und seine Zukunft. In diesem kleinen Wahrnehmungskreis werden Informationen, Motive und Charakterentwicklungen dafür umso ausführlicher behandelt.
Jasper ist ein Charakter, der nicht uneingeschränkt Sympathiepunkte erntet, sondern mit Naivität und Rührseligkeit glänzt. Bedenkt man, dass er nicht mehr der Jüngste ist und die jugendliche Energie fehlt, sind diese Eigenschaften zu verzeihen, um ihm ein realistisches Erscheinungsbild zu verleihen. Jasper ist der Mann von nebenan, der es möglichst allen recht machen möchte und sich bei Freunden ungern unbeliebt aufgrund seiner Entscheidungen macht. Jasper ist auch derjenige, dem wir durch den Roman folgen müssen. Ich für meinen Teil habe dies gern getan, empfand die sehnsüchtige Suche nach einer Freundin der wirklich wahren Verbundenheit aber aufgesetzt bzw. zu fanatisch. An dieser Stelle wird deutlich, dass Will McIntosh Professor für Psychologie ist. Jaspers Liebeleien bringen ihm aber auch Pech ein: Sophia ist verheiratet und möchte ihren Mann nicht verlassen. Jane ist ihm eine Freundin, aber viel mehr auch nicht. Die Rockgöre Deirdre besitzt zu exzentrische Ansichten. Phoebe ... Jasper ist kein Frauenheld, seine Hartnäckigkeit aber bleibt ungebrochen.
Während Jasper langsam ein neues Leben aufbaut, das Nomadendasein hinter sich lässt, kommen Seuchen und gehen Seuchen. Storyrelevant ist jedoch nur der irrsinnig sprießende, Gentechnik veränderte Bambus und das Virus Doctor Happy.Gerade die Bambussprosse wirkt unrealistisch. Bambus mag schnell sprießen, aber innerhalb weniger Minuten ein Dickicht erzeugen zu können, mag ich auch einer künstlichen Art nicht zusprechen.

Fazit

»Wie die Welt endet« wendet sich etwas nervtötend den Liebschaften Jaspers zu, überzeugt dafür aber mit differenziert gezeichneten und realistisch agierenden Charakteren. Die Endzeitstimmung vermag die Düsternis der langsam im Chaos versinkenden Gesellschaft zu vermitteln. Die Auswirkungen auf das System Staat spielen kaum bis gar keine Rolle. Erfrischend anders hebt sich »Wie die Welt endet« durch die Charakterfokussierung dennoch von vielen Endzeitromanen ab.

3 von 5 Punkten

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