Mittwoch, 20. Februar 2013

Rezension: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Joanne K. Rowling)

Carlsen Verlag
Taschenbuch, 768 Seiten
ISBN: 978-3-551-35407-5
11,90 €

Ein kurzer Einblick

Im letzten Band der Harry Potter-Reihe kehren wir erstmals nicht mit Harry nach Hogwarts zurück. Voldemort hat gemeinsam mit seinen Todessern das Zaubereiministerium übernommen, Muggelstämmige werden verfolgt und auch Hogwarts ist unter seiner Kontrolle: Snape wurde zum Schulleiter ernannt und einige Todesser unterrichten nun dort. Harry selbst macht sich mit Ron und Hermine auf, die fehlenden Horkruxe zu finden, in die Voldemort Teile seiner Seele eingeschlossen hat und somit nicht getötet werden kann, bis nicht auch alle Horkruxe zerstört sind. Auf ihrer Reise quer durch Großbritannien stoßen die drei auf die Heiligtümer des Todes. Harry muss sich entscheiden, ob er diesen oder doch den Horkruxen folgen soll. Am Ende muss er sich jedoch auf jeden Fall dem Dunklen Lord stellen…

Bewertung

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ war mit Sicherheit, als es 2007 schließlich herauskam, eins der am stärksten erwarteten Bücher seit Jahrzehnten, wenn nicht aller Zeiten. Unzählige Leser wollten endlich wissen, wie die Geschichte um den Zauberjungen Harry Potter endet, nachdem wir uns alle mit ihm durch die Aufgaben bis hin zum Stein der Weisen gekämpft und ihn in die Kammer des Schreckens begleitet hatten. Gemeinsam mit Harry fürchteten wir uns vor Sirius Black und entdeckten in ihm schließlich ein Ersatzelternteil, kämpften uns dann durch das trimagische Turnier und stellten uns dem wieder erstarkten Lord Voldemort auf dem Friedhof. Zur Vorbereitung auf den Kampf gegen das Böse bauten wir mit Harry Dumbledores Armee auf und versuchten, Sirius zu retten, und erkundeten mit Dumbledore Voldemorts Vergangenheit, was uns zu der nun in Band 7 bevorstehenden Suche nach den Horkruxen führte. Wie sollte nun diese Buchreihe, die gewiss die erfolgreichste aller Zeiten ist, enden? Würde Joanne K. Rowling all der hohen Erwartungen gerecht werden können, die an dieses Buch gestellt wurden? Vermutlich nicht. Wie soll man auch Millionen von Lesern, die alle mit unterschiedlichen Erwartungen und Hoffnungen an das letzte Buch der Serie herangehen, vollkommen gerecht werden?
Man kann auf jeden Fall sagen, dass Rowling mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ ein äußerst gelungener Abschluss der Reihe geglückt ist. Es ist zwar auch das einzige Harry Potter-Buch, bei dem mir kleinere Schwächen direkt beim ersten Lesen aufgefallen sind, nicht erst beim späteren Nachdenken über einzelne Aspekte, aber diese Punkte sind meiner Meinung erklärbar oder liegen an mir als Leser. In der Mitte ist die Geschichte etwas langatmig, lange Zeit wird die Situation von Harry, Ron und Hermine immer nur schlechter, so dass man selbst entmutigt wird. Sie kommen mit der Suche nach den Horkruxen einfach nicht weiter, was sie zunehmend belastet und ihre Beziehungen zueinander auf eine harte Probe stellt. Diesen Prozess der lange Zeit nicht erfolgreichen Suche nach den Horkruxen zu schildern, ist jedoch in meinen Augen auch notwendig, da sonst die Suche viel zu einfach gestaltet gewesen wäre. Schließlich versuchen drei 17jährige Zauberer den stärksten dunklen Zauberer des Jahrhunderts zu bekämpfen. Diese Schwierigkeit muss auch deutlich werden, da es völlig unrealistisch ist, dass sie alle zwei Wochen ein Horkrux finden, sich dann schnell mal Voldemort stellen und fertig ist die Aufgabe. Diese Schwierigkeit wird sehr überzeugend dargestellt, was meiner Meinung nach die kurze Langatmigkeit der Mitte des Buches rechtfertigt. Beim ersten Lesen störte mich auch ein wenig die recht ausführlich geschilderte Vergangenheit von Dumbledore, der im Buch viel Raum gegeben wird. Dies lag sicherlich aber in erster Linie daran, dass ich endlich wissen wollte, wie die gesamte Geschichte ausgeht und ob Harry, Ron, Hermine und meine sonstigen Lieblingscharaktere überleben werden, so dass ich die Dumbledore-Geschichte etwas störend und fehl am Platz empfand, was sich aber beim erneuten Lesen des Buches schnell verflüchtigte. Gerade diesen Handlungsstrang wusste ich dann deutlich mehr zu schätzen, da er äußerst wichtig für Harrys Entwicklung ist, der im 7. Buch lernen muss, dass Dumbledore eben nicht der unfehlbare, weise Zauberer ist, für den er ihn immer gehalten hat, sondern ebenso Fehler und Schwächen wie jeder Mensch hat. Ich denke, ein wenig hat Band 7 auch damit zu kämpfen, dass, da nun alle offenen Punkte der Handlung aufgeklärt werden, etwas die Magie sozusagen verloren geht. Und der Epilog ist mir einfach zu kitschig, der hätte nach meinem Empfinden weggelassen werden können und ist somit für mich der einzige wirkliche Minuspunkt des Buches.
Enorm gelungen finde ich wieder einmal die Entwicklung vieler Charaktere, wobei diesmal die Grenzen zwischen Gut und Böse deutlich mehr verschwimmen als zuvor, was die Figuren aber noch realistischer und greifbarer macht. Dies gelingt insbesondere, wie eben erwähnt, bei Dumbledore, der lange Zeit als äußerst weise und fast unfehlbar dargestellt wurde, höchstens vielleicht in Buch 5 Schwächen zeigt, als er Harry monatelang ignoriert und ihm viele wichtige Informationen vorenthält, um ihn zu schützen. In Band 5 hatte er somit aber immerhin noch gute Absichten. Was wir nun über sein frühes Erwachsenenleben erfahren, zeigt ihn deutlich negativer. Er war selbstbezogener, auf der Suche nach Macht und hatte viel stärker eine „Der Zweck heiligt die Mittel“- Mentalität. Auch bei Snape verschwimmt diese Grenze zwischen Gut und Böse, bei dem wir schon lange rätseln, auf welcher Seite er nun steht. Dieses Rätsel wird nun endlich aufgeklärt und durch den Blick in seine Kindheit und Jugend erhält sein Charakter noch mehr Facetten, er wird verständlicher und menschlicher. Außerdem fand ich Nevilles Entwicklung einfach rührend, die sich seit Buch 5 allmählich abzeichnete, der nun endgültig sein Trotteldasein ablegt und den Kampf gegen die Todesser in Hogwarts anführt. Die einzige Figur, bei der ich mir etwas mehr Facetten gewünscht hätte, um sie authentischer zu machen, ist Hermine. Sie ist zwar eine meiner Lieblingsfiguren, ihre Loyalität Harry gegenüber ist unglaublich und ohne ihre Fähigkeiten wären Harry und Ron schon lange aufgeschmissen gewesen. Aber bei ihr vermisse ich ein wenig Ecken und Kanten, sie ist eigentlich zu gut. Auch bei Harry und Ron, die sicherlich fast jeder Leser sehr gern hat, zeigen sich Schwächen und Macken, die Hermine jedoch kaum hat, was mit der Zeit eher unrealistisch wirkt.
Man bekommt mit Band 7 wieder eine tolle Geschichte, die äußerst spannend, aber auch humorvoll ist, wenn auch diesmal deutlich düsterer als zuvor, was natürlich der Situation, in der die Zaubererwelt steckt, angemessen ist. Rowling wartet noch einmal mit einigen überraschenden Wendungen auf, bis sie schließlich alle offen gebliebenen Fragen aus den Büchern davor auflöst. Die Frage nach dem Überleben von Harry hängt über dem gesamten Buch von Anfang an, so dass man es kaum aus der Hand legen kann. Ich habe es beim ersten Mal in einem Rutsch gelesen und empfand am Ende beim Lesen der letzten Seite einfach nur Wehmut. Denn nun war klar, das war´s, kein neues Buch würde kommen, auf das man warten und sich freuen könnte, das uns noch einmal in diese wunderbare, phantasievolle Zaubererwelt entführen würde.

Fazit

Ein gelungener Abschluss der Harry Potter-Serie, der uns ein letztes Mal in diese Zaubererwelt rund um Hogwarts führt. Wieder erleben wir eine Geschichte voller Spannung, Dramatik, auch Humor, die von tollen Charakteren und ihrer Weiterentwicklung lebt. Nun müssen wir Harry Lebewohl sagen, in unsere eigene Welt zurück, doch zum Glück stehen die 7 Bücher ja immer noch im Regal, so dass man jederzeit wieder zugreifen und in diese phantasievolle Welt eintauchen kann!

4,5 von 5 Punkten

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