Freitag, 8. Februar 2013

Rezension: Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Joanne K. Rowling)

Carlsen Verlag
Taschenbuch, 368 Seiten
ISBN: 978-3-551-35402-0
8,95 €

Ein kurzer Einblick

Harry sitzt ungeduldig während der Sommerferien bei den Dursleys und kann es gar nicht erwarten, dass sein zweites Schuljahr in Hogwarts endlich beginnt. Doch plötzlich befindet sich ein Hauself in seinem Zimmer, der ihn von einer Rückkehr nach Hogwarts unbedingt abhalten will. Dort soll im kommenden Schuljahr etwas Schreckliches geschehen. Und kaum ist Harry in Hogwarts angekommen, wird auch schon die Katze des Hausmeisters attackiert. Ein Ungeheuer treibt sein Unwesen in der Schule, das aus der Kammer des Schreckens kommen soll. Diese und das in ihr lebende Monster jedoch sind völlig unauffindbar. Kann Harry zusammen mit Ron und Hermine das Rätsel um die Kammer des Schreckens aufklären?

Bewertung

Im zweiten Band der Harry Potter-Reihe geht es für Harry in den Sommerferien direkt fast so ereignisreich weiter, wie das letzte Schuljahr aufgehört hat. Plötzlich sitzt ein Hauself namens Dobby eines Abends bei ihm im Zimmer und warnt ihn vor einer Rückkehr nach Hogwarts. Da er als Hauself nicht die Geheimnisse seiner Zaubererfamilie verraten kann, kann Dobby nichts Detailliertes preisgeben. Er sagt nur so viel, dass etwas Schreckliches in Hogwarts geschehen werde. Um Harry zu schützen, verdirbt Dobby noch das wichtige Geschäftsessen von Harrys Onkel Vernon, das dieser gerade im Wohnzimmer abhält. Er hält natürlich Harry für den Schuldigen und schließt ihn in seinem Zimmer ein. Von dort wird Harry schließlich von Ron und seinen Brüdern Fred und George mit einem fliegenden Auto gerettet, so dass Harry den Rest der Ferien bei den Weasleys verbringen und endlich einmal das Leben einer Zaubererfamilie miterleben kann. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. Wieder in Hogwarts scheint sich Dobbys Warnung zu bestätigen, denn die Katze vom Hausmeister wird attackiert und versteinert. Neben ihr an der Wand wird die Nachricht hinterlassen, dass die Kammer des Schreckens geöffnet wurde. Diese soll der Legende nach ein Monster beherbergen, dass Hogwarts von den Muggelstämmigen (Kinder aus nichtmagischen Familien) befreien soll. Doch diese Kammer wurde nie gefunden, wird dies Harry, Ron und Hermine gelingen, bevor Schüler zu Schaden kommen? Und warum hört Harry kurz vor dem Angriff eine Stimme, die außer ihm niemand hören kann?
           Harrys zweites Schuljahr stellt diesen vor neue Schwierigkeiten. Er muss das erste Mal damit umgehen, dass fast die gesamte Schule gegen ihn ist. Zuvor war er ihr Held, der die Zauberwelt von dem bösen Voldemort befreit hat, nun halten sie ihn für den Nachfahren Slytherins, einen der Gründer von Hogwarts, der die Kammer des Schreckens gebaut haben soll und dessen Erbe allein in der Lage sei, diese zu öffnen. Auch Harry selbst gerät in Selbstzweifel, da er Parallelen zu Slytherin an sich entdeckt. Schließlich hatte auch der Sprechende Hut an seinem ersten Schultag überlegt, ihn ins Haus Slytherin zu stecken. Stammt er also wirklich von Slytherin ab? Rowling beschreibt diesen Konflikt, den Harry mit sich ausmachen muss, sehr überzeugend. Man erlebt intensiv und mitfühlend mit, wie Harry nach seiner Herkunft sucht, ohne zu wissen, wo er genau herkommt und wo er hingehört. Auch muss er lernen, wie trügerisch Ruhm und Anerkennung sein können und wie schnell diese ins Gegenteil umschlagen können.
Außerdem wird in diesem zweiten Band die Zauberwelt, die Rowling geschaffen hat, weiterentwickelt. Man lernt neue Charaktere kennen, wie Dobby, den neuen Lehrer Gilderoy Lockhart und Lucius Malfoy, den Vater von Draco Malfoy, die sicher für die weitere Geschichte noch von Bedeutung sein könnten. Es gibt neue Zaubersprüche, Zaubertränke und Pflanzen zu lernen, noch mehr Quidditch zu spielen und auch mehr über Hagrid und dessen Schulzeit in Hogwarts zu erfahren. Ebenso kommt ein wenig zur Geschichte von Hogwarts und Voldemorts Vergangenheit vor. Von großer Bedeutung ist auch das Sozialgefüge der Zaubererwelt. Der Konflikt zwischen Reinblütern, die nur innerhalb von Zaubererfamilien heiraten, und Muggelstämmigen, die aus komplett nichtmagischen Familien stammen, nimmt einen großen Teil des Buches ein und macht die Parallelwelt der Zauberer und Hexen realistischer und erlebbarer, die wir bisher fast nur innerhalb der Mauern von Hogwarts kennen gelernt haben.
Nach dem ersten Band wird mit „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ somit der Aufbau der Geschichte weitergeführt. Wir lernen die Zaubererwelt besser kennen, die sich, was ihr Sozialgefüge und ihre Konflikte angeht, oftmals kaum von unserer Welt unterscheidet. Wichtige Fragen nach der Herkunft und ihrer Bedeutung für Menschen werden aufgeworfen, die auch in unserer Welt von großer Bedeutung sind. Ist die Abstammung entscheidend, um einen Menschen zu beurteilen, oder eher die Fähigkeiten, die jeder Mensch entwickelt? Oder machen uns in erster Linie die Entscheidungen, die wir treffen, zu dem Menschen, der wir sind? Der zweite Band ist also nicht mehr so sehr wie Band 1 ein Kinderbuch, wenn auch die Geschichte immer noch nicht so komplex ist wie die der folgenden Bände. Man bekommt wieder eine überaus phantasievolle Geschichte, die spannend und unvorhersehbar bis zum Ende bleibt und dank ihrer sehr gut herausgearbeiteten Charaktere überaus lustig, gefühlvoll und überzeugend ist.

Fazit

Eine tolle Weiterführung der Handlung von Band 1, die uns noch mehr in die Zaubererwelt, vor allem auch außerhalb von Hogwarts, einführt und die Geschichte von Hogwarts und Voldemort vertieft. Die Hauptcharaktere entwickeln sich überzeugend weiter, neue Figuren werden eingeführt und die Geschichte rund um die Kammer des Schreckens ist äußerst spannend und rätselhaft, so dass man auch diesen Band 2 nur weiterempfehlen kann.

4,5 von 5 Punkten

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