Sonntag, 17. Februar 2013

Rezension: Harry Potter und der Feuerkelch (Joanne K. Rowling)

Carlsen Verlag
Taschenbuch, 768 Seiten
ISBN: 978-3-551-35404-4
11,90 €

Ein kurzer Einblick

Vor seinem vierten Schuljahr in Hogwarts sitzt Harry wieder einmal gelangweilt bei den Dursleys. Doch das Finale der Quidditch-Weltmeisterschaft steht an, zu dem er von Rons Familie eingeladen wird. Vorher träumt er jedoch von Wurmschwanz und Voldemort, der wieder stärker wird und nun Harry finden und töten will. Doch dies war bloß ein Traum, oder? Dann erscheint allerdings bei der Weltmeisterschaft plötzlich Voldemorts Zeichen am Himmel. Was hat dies nun wieder zu bedeuten? Zurück in Hogwarts geht es sofort ereignisreich weiter: das trimagische Turnier, in dem drei Schüler der drei größten europäischen Zauberschulen in einer Reihe von gefährlichen Wettkämpfen gegeneinander antreten, soll in Hogwarts stattfinden. Unter mysteriösen Umständen gerät Harry auch in das Turnier, muss sich riskanten Aufgaben stellen und am Ende sogar gegen das Böse kämpfen…

Bewertung

Nach dem Ende von Band 3 waren mit der Flucht von Wurmschwanz, einem Anhänger Voldemorts, der Harrys Eltern an diesen verraten hat, die Weichen für eine Rückkehr des Dunklen Lords gestellt. So beginnt Band 4 auch das erste Mal nicht im Ligusterweg bei den Dursleys, sondern im leer stehenden Haus von Voldemorts Familie väterlicherseits in Little Hangleton. Dort hat Voldemort gemeinsam mit Wurmschwanz Zuflucht gesucht. Nun planen sie, irgendwie an Harry heranzukommen und ihn zu töten. Harry selbst erlebt dies in einem Traum mit und wacht schließlich mit einem stechenden Schmerz in seiner Narbe auf. War dies Alles also bloß ein Traum von Harry und wenn nicht, wie konnte er es mit ansehen? Doch auch bei der anschließenden Quidditch-Weltmeisterschaft deutet vieles darauf hin, dass Voldemort wieder stärker wird. Einige seiner Anhänger, die so genannten Todesser, terrorisieren eine Muggelfamilie und auch Voldemorts Zeichen erscheint plötzlich am Himmel. Doch Harry hat nicht viel Zeit, sich um Voldemort Sorgen zu machen. In Hogwarts findet das trimagische Turnier statt, das lange Zeit ausgesetzt wurde, da immer wieder Schüler zu Tode kamen. Daher sollen sich auch diesmal nur volljährige Schüler um eine Teilnahme bemühen. Doch es kommt, wie es kommen muss: der Feuerkelch, in den die Schüler einen Zettel mit ihrem Namen einwerfen sollten, spuckt plötzlich auch Harrys Namen aus. Dieser hat sich aber gar nicht um eine Teilnahme beworben. Wer also hat seinen Namen in den Feuerkelch geworfen und warum? Will er Harry bei den gefährlichen Aufgaben unauffällig aus dem Weg räumen?
Mit „Harry Potter und der Feuerkelch“ lässt uns Joanne K. Rowling wieder einmal in die phantasievolle Zaubererwelt eintauchen. Man will wie in den Büchern zuvor einfach bloß selbst Teil dieser Welt sein, den Schulalltag miterleben, gegen die Unverzeihlichen Flüche kämpfen und Hagrids nutzlose Kreaturen, die dieser seltsamerweise für wichtig und bewunderungswert hält, kennen lernen. In dieser Welt, die Rowling geschaffen hat, fügt sich jedes noch so kleine Detail in ein überzeugendes Ganzes, sie ist realistisch gezeichnet (natürlich abgesehen von der Magie) und unserer Welt so ähnlich, was sie nachfühlbar und miterlebbar macht, wie dies selten einem Autoren/einer Autorin gelungen ist. Nun wird sie noch um eine wichtige Komponente erweitert: im 4. Band wird diese Welt internationaler. Durch die Quidditch-Weltmeisterschaft lernen wir erstmals unzählige Zauberer und Hexen aus anderen Nationen kennen. An sich war einem immer bewusst, dass diese schon immer da gewesen sein müssen, doch einen Gedanken hat man bisher noch nie an sie verschwendet. Durch das trimagische Turnier tauchen die Schulen Durmstrang und Beauxbatons und einige ihrer Schüler auf. Sehr überzeugend wird hier das Kennenlernen der Schüler der verschiedenen Schulen dargestellt, was einen etwa an einen selbst erlebten Schüleraustausch erinnert: zunächst ein vorsichtiges Abtasten, oftmals gepaart mit üblichen Vorurteilen anderen Kulturen oder Ländern gegenüber, bis man sich näher kommt und anfreundet und am Ende die anderen wirklich vermissen wird.
In Band 4 erleben wir selbstverständlich auch wieder eine Weiterentwicklung vieler Hauptcharaktere. Harry und seine Freunde werden erwachsener, erste Verliebtheiten entwickeln sich, oftmals mit lustigen Auswirkungen, insbesondere wenn man Ron beobachtet, der seine aufkeimenden Gefühle für Hermine schlichtweg leugnet und für seine Eifersucht immer abwegigere Gründe findet. Sehr rührend fand ich auch die allmähliche Reifung von Neville, der sich sukzessive von seinem Trottelimage löst, was schließlich in Band 5 völlig zur Entfaltung kommt. Doch auch die Aufgaben, denen sich die Hauptfiguren stellen müssen, werden schwieriger, gefährlicher und komplexer. Harry hat zwar mit Sirius endlich eine elterliche Bezugsperson, der ihn immerhin durch Briefe und Tipps versucht zu unterstützen, doch am Ende ist er wieder auf sich allein gestellt, als es wirklich um Leben und Tod geht. Denn im Unterschied zu den vorherigen Bänden (vor allem in Band 2, in dem alle Schüler den Angriff des Ungeheuers aus der Kammer des Schreckens überleben) macht diesmal der Tod auch nicht vor der Schülerschaft Halt. Die Geschichte wird also zumindest düsterer und gefährlicher. Realistischer ist auch die Entwicklung der Freundschaft zwischen Harry und Ron, die diesmal auf eine harte Probe gestellt wird. Zuvor herrschte dort fast immer Friede, Freude, Eierkuchen, Harry hatte sehr gute Freunde, die ihm immer halfen, was sehr oberflächlich wirkt. In Band 4 erleben sie ihren ersten großen Streit. Ron glaubt Harry nicht, dass er seinen Namen nicht in den Feuerkelch geworfen hat. Ein wichtiges Element ihrer Beziehung bricht nun heraus: Harry steht immer im Mittelpunkt, Ron immer in seinem Schatten, wobei dieser zusätzlich durch fünf ältere Brüder nie ungeteilte Aufmerksamkeit erfahren hat. Auch ihre Freundschaft wird also komplexer und tiefgründiger gezeichnet, was sie wesentlich realistischer macht.
In diesem Buch erleben wir wie zuvor wieder eine äußerst spannende Handlung, die ich an sich für die beste aller sieben Bücher halte. Buch 3 überzeugt nur aufgrund der rührenderen Geschichte minimal mehr. Jeder Handlungsstrang fügt sich wieder in ein sehr gelungenes Ganzes zusammen, das Ende ist sehr unvorhersehbar, man rätselt die ganze Zeit mit, viele Ereignisse hält man zunächst für völlig unerklärlich und kann daher kaum aufhören zu lesen, da man endlich deren Aufklärung erfahren möchte. Dazu trägt die düstere Stimmung des Buches bei, über dem von Anfang an die Gefahr einer Rückkehr Voldemorts schwebt. Doch auch der Humor kommt nicht zu kurz, z. B. als Draco Malfoy in ein Frettchen verwandelt wird.

Fazit

Knapp hinter Band 3 der zweitbeste Teil der gesamten Harry Potter-Serie! Die Handlung bietet enorme Spannung bis hin zur dramatischen Rückkehr von Voldemort, aber auch jede Menge Humor, wenn die Hauptfiguren sich das erste Mal verlieben. Bereits mit der ersten Seite taucht man in diese phantastische Zauberwelt ein und verlässt sie mit der letzten Seite enttäuscht, dass man wieder in seine eigene Welt zurück muss, und auch verwundert, wie viel man von den Geschehnissen um einen herum nicht mitbekommen hat. Fesselnder und schöner kann Literatur nicht sein!

5 von 5 Punkten

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