Mittwoch, 13. Februar 2013

Rezension: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Joanne K. Rowling)

Carlsen Verlag
Taschenbuch, 480 Seiten
ISBN: 978-3-551-35403-7
9,95 €

Ein kurzer Einblick

Bevor Harry endlich zu seinem dritten Schuljahr nach Hogwarts gehen kann, erlebt er wieder einmal schreckliche Sommerferien bei den Dursleys. Als er auch noch voller Wut seine fürchterliche Tante aufbläst, droht ihm der Schulverweis. Denn minderjährige Zauberer dürfen außerhalb der Schule nicht zaubern. Doch seltsamerweise sind alle sehr nachsichtig mit Harry. Liegt dies vielleicht daran, dass der Mörder Sirius Black aus dem Zauberergefängnis Askaban ausgebrochen ist, was zuvor noch niemandem geglückt ist, und es auf Harry abgesehen hat? Und was hat es mit einem großen, schwarzen Hund auf sich, dem Harry plötzlich begegnet und den alle für ein Omen des Todes halten?

Bewertung

Im dritten Harry Potter-Band befindet sich die Zaubererwelt in Aufruhr. Der gefürchtete Mörder Sirius Black, seinerzeit Anhänger von Lord Voldemort, ist aus dem Zauberergefängnis geflohen, das von den furchterregenden Dementoren bewacht wird und aus dem eine Flucht unmöglich schien. Es ist völlig unklar, wie Black dies gelungen ist und wo er sich aufhält, doch sein Ziel ist bekannt: er will Harry, der für das Verschwinden von Voldemort verantwortlich ist, finden und töten. Zum Schutz vor Black bewachen einige Dementoren die Schule. Sie sind schreckliche Kreaturen, die alle guten Gefühle aus den Menschen saugen und sie zwingen, ihre schlimmsten Erinnerungen immer wieder zu durchleben. Harry ist seltsamerweise besonders anfällig für sie, doch der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, Remus Lupin, will ihm helfen. So lernen sie sich besser kennen und Harry erfährt, dass Lupin während seiner Schulzeit mit Harrys Vater gut befreundet war. Daher erfährt Harry auch immer mehr über seine Eltern und die Umstände ihres Todes, bei dem Sirius Black ebenso eine Rolle spielte. Dieser taucht jedoch plötzlich in Hogwarts auf…
Mit diesem dritten Teil fängt nun die eigentliche Handlung so richtig an, auf die wir in Band 1 und 2 vorbereitet wurden. Man kommt nun den Geschehnissen um den Mord an Lily und James Potter endlich näher. Durch die Figur des Remus Lupin, der beide während seiner Schulzeit sehr gut kannte, erfährt man auch sehr viel über ihr Wesen und ihre Schulzeit. Harry entdeckt Ähnlichkeiten und Unterschiede zu seinen Eltern und auch für ihn werden sie nun fassbarer. Rowling beschreibt Harrys „Finden“ seiner Eltern, auch in sich selbst, sehr rührend und nachfühlbar. Harrys Verlust seiner Eltern wird in diesem Buch am stärksten deutlich. Insbesondere das Fehlen einer Vaterfigur wird durch das Auftauchen von Lupin, der ein wenig die Rolle eines väterlichen Freundes für Harry einnimmt, äußerst sichtbar. Dies macht den dritten Band meiner Meinung nach auch zum besten und rührendsten der gesamten Harry Potter-Reihe. Nirgendwo sonst wird dermaßen deutlich, wie viel Harry doch fehlt, da er ohne Eltern aufwächst.
Das Buch bildet nun sozusagen das Vorspiel zum großen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Harry und Lord Voldemort, der unausweichlich scheint. Die Weichen für eine Rückkehr des dunklen Lords werden im dritten Band gestellt, so dass wir das Genre „Kinderbuch“ endgültig verlassen. Die Geschichte ist wesentlich düsterer als die der ersten beiden Bände. Auch die Hauptfiguren entwickeln sich nun zu Jugendlichen mit üblichen Teenagerproblemen und ihre Herangehensweise, Probleme zu lösen, wird erwachsener und komplexer. Dabei gelingt es Rowling jedoch auch überzeugend, den Konflikt zwischen äußeren Gefahren und jugendlichem Leichtsinn darzustellen. Denn obwohl Harry weiß, dass er in großer Gefahr durch Sirius Black steckt, lässt er sich von dieser Angst nicht lähmen, sondern geht im Gegenteil logisch betrachtet viel zu große Gefahren ein, um zum Beispiel nach Hogsmeade (Zaubererdorf in der Nähe von Hogwarts) zu gelangen, bloß weil er genau wie seine Mitschüler diese Ausflüge nicht verpassen will. Die Hauptcharaktere handeln also trotz der Gefahr, in der sie schweben, wie normale Teenager.
Wie in den beiden Bänden zuvor erhalten wir also in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ wieder eine sehr spannende Geschichte, die nun deutlich komplexer als in Band 1 und 2 ist. Sie ist voll von überraschenden Wendungen, kaum vorhersehbar und wieder einmal äußerst phantasievoll. Es gibt keine einzige langweilige Seite, jeder Handlungsstrang fügt sich gelungen in die anderen ein, so dass man überhaupt nicht mit dem Lesen aufhören kann.

Fazit

Mit kleinem Vorsprung vor dem vierten Band das beste Buch der Harry Potter-Reihe! Nun geht die Geschichte richtig los, man erfährt mehr über Harrys Eltern und wie es zu ihrem Tod kommen konnte. Auch für Harry werden seine Eltern und ihr Verlust greifbarer, was äußerst rührend erzählt wird. Wie in den Bänden zuvor wird einem Spannung, Humor und das Eintauchen in eine phantasievolle Welt von der ersten bis zur letzten Seite geboten. Für mich daher eins der besten Bücher, was ich je gelesen habe!

5 von 5 Punkten

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